Baugesuch
Aktualisiert am 12.05.11, um 08:34 von Hans Lüthi
 

AKW-Branche will in Reitnau Notfallset für GAU einlagern

Lagerbecken im AKW Leibstadt, das gekühlt werden muss. Susi Bodmer Lagerbecken im AKW Leibstadt, das gekühlt werden muss. Susi Bodmer
In alten Militärbauten beim Jägerhaus Reitnau errichtet die AKW-Branche ein externes Lager für Notfallgeräte. Am 1. Juni wird es gemäss Ensi-Forderung bereit sein. von Hans Lüthi
 

Hochbrisantes Baugesuch in Reitnau im oberen Suhrental, das vom 13. Mai bis zum 11. Juni öffentlich aufgelegt wird: Die Betreiber der fünf Schweizer Atomkraftwerke wollen hier eine Art Notfallset für den Katastrophenfall einlagern. Es geht um genau jene Einsatzmittel, die in Fukushima in den ersten Stunden und Tagen nach dem Tsunami nicht verfügbar waren.

Also um Notstromaggregate, mobile Pumpen, Kühlmittel, Schläuche und genügend transportierbarer Treibstoff sowie die nötigen Werkzeuge. Die Wohngemeinde der Aargauer Regierungsrätin Susanne Hochuli liegt zwar nicht am Weg, aber das spielt keine Rolle: Weil nach schweren Erdbeben oder Hochwassern viele Strassen unpassierbar wären, soll das Material im Ernstfall per Helikopter transportiert werden.

Platz in alten Militärbauten

Ideal Platz für das Material hat es in vier alten, früher geheimen Bunkerbauten des Militärs, in denen Munition gelagert war. Das erhöhte Gelände im Feldlimoos, nahe des Jägerhauses, ist auf drei Seiten von Wald umgeben, aus der Luft sind die überdeckten Bauten kaum zu erkennen. Seit Jahren stehen die Munitionsdepots leer und finden jetzt als Lager für das Feuerwehrmaterial Verwendung. Bauliche Änderungen sind vorerst nicht nötig, beim Baugesuch ist die Nutzungsänderung der militärischen Anlage zentral.

Die Axpo hat zwar die Leitung übernommen, aber es geht um Notfallgeräte für alle Schweizer Atomkraftwerke. Bestätigen will die Axpo nur die Evaluation eines Standortes. «Bevor das Ensi das Lager abgenommen hat, können wir weder Standort noch andere Details zu diesem Thema kommunizieren», schreibt Axpo-Sprecher Beat Römer.

Sofortmassnahme bis 1. Juni

Als Aufsichtsbehörde der Atomkraftwerke hat das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) in Brugg für jedes Werk eine lange Mängelliste erstellt und verlangt bis Anfang August Vorschläge zur Lösung. Dazu gehört auch die Kühlung der Brennelementbecken, die in Beznau ungekühlt im ungünstigsten Fall schon nach 13 Stunden zu sieden beginnen. Was weniger bekannt ist: Schon eine Woche nach dem Jahrhundert-Erdbeben in Japan hat das Ensi am 18. März eine «Sofortmassnahme im Bereich des Notfallmanagements» angeordnet. Danach muss jedes Kernkraftwerk bis zum 1. Juni 2011 ein externes Lager für zusätzliche Sicherheitsausrüstungen bereitstellen.

Wegen des Heli-Transportes ist der Standort aus Ensi-Sicht gut geeignet, «denn es kommt ja nicht auf die Minute drauf an», sagt Ensi-Sprecher Anton Treier. Auch in Japan hätte man für die Notkühlung bei genügend Material noch während Tagen Zeit gehabt. Schon in den nächsten zwei Wochen wollen die AKW-Betreiber die geforderten Einsatzmittel in Reitnau einlagern. Beim Militär und Zivilschutz gebe es genügend Notstromgruppen und Pumpen, um die kurze Frist einhalten zu können.

(az Langenthaler Tagblatt)