Wenn Pascal Erlachner am Samstagabend das letzte Heimspiel des FC Basel in der Hinrunde gegen den FC St. Gallen anpfeift, dann werden im Joggeli einige wichtige Fans fehlen: jene der Zukunft. Die kleinen Kinder, die mit ihrem Babbe sonst so oft wie möglich an die Heimspiele ihres FCB mitgenommen werden, ganz so, wie es in einem der bekanntesten FCB-Fansongs beschrieben wird. Doch werden die Spiele wie am Samstag erst um 20 Uhr angepfiffen, dann ist es für die Kleinen oft zu spät. In dieser Hinrunde betraf dies gleich sieben der insgesamt neun Heimspiele. Eines fand ausserdem unter der Woche am Abend statt, und lediglich eines an einem Sonntag um 16 Uhr: Das erste Spiel gegen Sion.

Diesen Umstand beklagte ein Leser der bz, der anonym bleiben will, in einem Brief beim FCB. Er und sein sechsjähriger Sohn würden diese Ansetzung der Spiele sehr bedauern. «Somit war nur das erste Saisonspiel – unglücklicherweise in den Sommerferien, wo insbesondere Familien mit Kindern häufig abwesend sind – an einem Nachmittag und auch für Kinder zugänglich», schreibt der Leser. In der Antwort des FCB wird er darauf hingewiesen, dass man sich dessen bewusst sei. Es sei für Familien und junge Fans sicher nicht optimal und seine Rückmeldung sei «nicht die einzige in diese Richtung» gewesen.

Die Krux der Multifunktionalität

Aber der FCB liefert im Schreiben an seinen Fan auch gleich die Erklärung mit, die auch Medienchefin Andrea Roth auf Nachfrage der bz abgibt: Der Spielplan wird von der Swiss Football League erstellt. Jeder Verein kann spezielle Wünsche und Sperrdaten angeben, an denen beispielsweise ein Konzert im Stadion stattfindet. Dies bestätigt auch Philippe Guggisberg, Verantwortlicher Kommunikation bei der Swiss Football League. Doch bei der Ausarbeitung der Spielpläne muss noch viel mehr beachtet werden: die internationalen Partien aller Mannschaften sowie die Wünsche der TV-Partner. Für die Hinrunde des FCB heisst das konkret: «Bei drei Terminen folgte ein Spiel in der Champions League, deshalb wurde für eine längere und bessere Vorbereitung die Ansetzung am Samstag auch vom Klub gewünscht. Einmal musste das Spiel am Samstag stattfinden, weil drei andere Klubs aufgrund der Qualifikation zur Europa League am Donnerstag gespielt hatten. Einmal war im Shoppingcenter ein Sonntagsverkauf. Und zweimal wünschte der TV-Partner die Ansetzung am Samstag-Abend», so Guggisberg. Zusammengerechnet ergibt das sieben Samstagabend-Spiele, deren Ansetzung anders nicht möglich gewesen wäre. Dass die Partien nicht auf 17.45 Uhr – ebenfalls eine Anspielzeit der Super League – terminiert werden konnten, ist der Multifunktionalität des Joggeli geschuldet, erklärt Roth: «Weil das Stadion unter anderem ein Shopping Center beherbergt muss zum Beispiel die Parking-Situation miteinbezogen werden.»

Abnehmende Zuschauerzahlen

Während die Samstagsspiele bei jungen Fans und Familien weniger beliebt sind, sagt Roth, dass es auch eine bedeutende Anzahl Fans gebe, «die sich pro Samstagsspiele ausspricht.» Präferenzen hin oder her, der Blick auf die Statistik dieser und der letzten beiden Saisons zeigt: Im Durchschnitt ist der Samstag schlechter besucht als der Sonntag. Sowohl beim FCB als auch bei der Swiss Football League sieht man jedoch keinen speziellen Zusammenhang zwischen Zuschaueraufkommen und Tag des Spiels. Das geringeres Besucheraufkommen betrifft beide Tage – und ist konstant. Betrug die Auslastung in der Saison 2014/2015 noch 75 Prozent, waren es letzte Saison noch 74,3 Prozent und in dieser Hinrunde war das Joggeli im Schnitt nur noch zu 70,9 Prozent voll. Das nur an den Familien festzumachen, die mit ihren kleinen Kindern samstags nicht mehr ins Stadion kommen, wäre zu einfach. Dazu hängen die Besuche der Fans von zu vielen Faktoren wie Wetter, Ferien oder anderen Anlässen in der Region ab. Und dennoch werden sich die kleinsten Fans freuen, wenn in der Rückrunde wieder öfters am Sonntag gespielt werden sollte. So hätte das Ausscheiden aus dem europäischen Wettbewerb zumindest für sie etwas Gutes.