«Wir sind zwei passionierte Grilleure», sagen Eva und Simon Baudenbacher. Die 31-jährige zierliche Frau mit den hellen Locken und ihr ein Jahr jüngerer Bruder mit Kurzhaarschnitt und roten Turnschuhen lachen, als sie von ihrer Grilltätigkeit erzählen. «In diesem Sinne ist die Buvette mit Elektrogrill auch eine eigennützige Tat.»

Die Vorfreude auf die Eröffnung ihrer Buvette ist dem Geschwisterpaar anzumerken. Dort, wo die Oetlingerstrasse in den Unteren Rheinweg mündet, wollen die beiden ein soziokulturelles Projekt auf die Beine stellen. «Rund um die Buvette soll eine Art Begegnungszone entstehen. Wir wollen die Leute zusammenbringen», erklärt Eva Baudenbacher. Dass sich nicht alle Anwohner über möglichen Rauch oder Lärm freuen, ist ihr bewusst. «Wir können die Anliegen der Anwohner gut verstehen», betont sie und fügt an: «Auch wir wollen keinen versifften Buvettenplatz.»

Viel gemeinsame Zeit

Die ausgebildete Primarlehrerin hat schon immer gerne mit anderen Menschen gearbeitet. Als Lehrperson in eine «erzieherische Polizistenrolle» zu schlüpfen hat ihr aber nicht sonderlich gefallen. «Ich finde, Wissen sollte nicht aufgezwängt, sondern aus einer Person hervorgeholt werden», erklärt sie fast schon entschuldigend. Pünktlich zu Beginn der Buvetten-Zeit wird sie ihr Studium abschliessen: An der Fachhochschule in Luzern studiert sie soziokulturelle Animation. Ihr Bruder Simon ist gelernter Metallbauer und verfügt über viel Berufserfahrung im Gastro- und Sozialbereich. Nun studiert er an der gleichen Schule wie seine Schwester - und zwar ebenfalls soziokulturelle Animation.

Mit der jetzigen Organisation der Buvette kommt das auf viel gemeinsame Zeit. Fliegen da manchmal die Fetzen? «Klar streiten wir ab und zu, aber wir funktionieren gut zusammen», erzählt Simon Baudenbacher. Zusammen haben die Geschwister schon mehrmonatige Reisen nach Südostasien und Zentralamerika erlebt. Doch nicht nur fürs Reisen, auch für kulturelle Anlässe wie Konzerte und Theateraufführungen begeistern sie sich. Die Idee, ihre Buvette mit Kultur zu verknüpfen, ist denn auch ein Traum der Baudenbachers: «Wir haben schon von unterschiedlichen Institutionen Anfragen für gemeinsame Projekte erhalten.» So könne sich beispielsweise die Organisation «Viva con Agua» eine Sensibilisierungsaktion zum Thema Trinkwasser vorstellen.

150 Prozent-Pensum

Ihre soziale Verantwortung nehmen die kreativen Köpfe ernst. Nestlé-Produkte bieten sie aus Überzeugung keine zum Kauf an, genauso wie sie sich bewusst gegen Bier von Heineken entschieden haben. «Wir achten bei den Lieferanten darauf, dass ihre Arbeitsweise mit unserem Gedankengut vereinbar ist», erklären sie. Und damit wirklich niemand benachteiligt ist, werden sie nebst Bio-Grillfleisch auch Vegi-Plätzli anbieten.

Im Vordergrund steht beim Projekt aber die Beschäftigung Jugendlicher. «Während der drei Jahre, die ich bei der öffentlichen Jugendarbeit tätig war, kamen viele konkrete Anfragen nach Sommerjobs auf», erzählt Eva Baudenbacher. Bei neun Teammitgliedern wird vorerst zwar nur eine jugendliche Person mitarbeiten, das Ziel ist aber der Ausbau solcher Jobangebote.

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Morgen werden die beiden grünen Buvetten-Container aufgestellt, voraussichtlich am ersten Juni-Wochenende soll die Eröffnung stattfinden. So bleibt den zwei Geschwistern nicht viel Zeit für Erholung. «Momentan haben wir ein 150 Prozent-Pensum», erzählt Eva Baudenbacher und ihr Bruder nickt zustimmend. Trotzdem: Gestresst oder genervt wirken die zwei nicht. Viel eher scheint es, als würden die gut gelaunten Geschwister aus dem Arbeitsstress Energie tanken.