Freitag, 16. Januar, 1349 im pestbedrohten Basel. Auf der Rheininsel steht ein grosses Holzhaus. Gross genug für fast 100 Juden. Schon seit Monaten werden sie gehetzt, angeklagt und aus der Stadt vertrieben. Die übrig gebliebenen Frauen und Männer werden jetzt von einem gnadenlosen Mob eingepfercht. In wenigen Momenten wird das Haus auf dem Rhein in Flammen aufgehen - und mit ihm die letzten Verbliebenen der ersten jüdischen Gemeinde in Basel.

Das Pogrom von 1349 gehört zu den dunkelsten Kapiteln in der jüdischen Geschichte Basels. Eine wechselhafte Geschichte ist es, die rund 800 Jahre zurückreicht. Die App «Bâleph», die Ende August als erste App im Christoph Merian-Verlag erscheinen wird, nimmt sich dieser Geschichte an und ermöglicht den Nutzern einen digitalen Streifzug durch die jüdische Geschichte Basels.

Unerwartetes und Berührendes

Entwickelt wurde «Bâleph» von der Historikerin Isabel Schlerkmann und der Archäologin Sabina Lutz. Am Anfang des Projekts stand der Wunsch, Geschichte zeitgemäss zu vermitteln. Die Liste der möglichen Themen war aber sehr lang.

«Wir haben unser Umfeld befragt und die Jüdische Geschichte in Basel war ganz klar der Top-Favorit», meint Schlerkmann. Ein ergiebiger Stoff: Basel sei für die jüdische Geschichte eine der spannendsten Städte der Schweiz. Die ersten Hinweise auf jüdisches Leben in Basel sind sogar bis ins 12. Jahrhundert nachweisbar und markieren den Beginn einer Geschichte, die überall in der Stadt ihre Spuren hinterlassen hat.

Jüdische Geschichte in Basel:

Jüdische Geschichte in Basel:

Dem «sichtbarsten Ort» jüdischen Lebens, der Synagoge in der Leimenstrasse, ist in der App auch eine Station gewidmet. Doch vor allem umfasst sie Unerwartetes und Bewegendes.

Eine der stärksten Geschichten für Schlerkmann ist die Basler Solidaritätsaktion für Israel während des Sechstagekriegs 1967: «Tageszeitungen in Basel riefen zur Spende auf, Kirchenglocken läuteten und Taxis fuhren mit ‹Wir fahren für Israel›-Schildern herum.» Im Gedächtnis der Zeitzeugen ein eindrückliches Erlebnis. Doch «Bâleph» arbeitet auch die Schattenseiten der jüdischen Geschichte in Basel auf und widmet einige ihrer Stationen ganz persönlichen und berührenden Schicksalen von Juden aus allen Epochen.

Digitalen Medien Rechnung tragen

Das Medium «App» ist ein attraktives: 69 Prozent der Schweizer besitzen ein Smartphone, 40 Prozent ein Tablet - Tendenz steigend. «Das ist ein grosses Potenzial!», meint Schlerkmann: «Wir wollen den virtuellen Raum für Geschichtsvermittlung nutzen können.»

Die digitalen Medien bieten für dieses Ziel den idealen Rahmen, ohne dass Hinweise und Schilder in Zukunft das Stadtbild prägen müssen. Insbesondere die junge Generation, die mit digitalen Medien aufgewachsen ist, versucht «Bâleph» so anzusprechen: Eine innovative und vielversprechende Idee.

Davon hat sich auch die Christoph-Merian-Stiftung überzeugen lassen, die für das Projekt 50'000 Franken gutgesprochen hat. Auch der Swisslosfonds und weitere Stiftungen haben das Projekt mitfinanziert.

Ideelle Unterstützung erhielt das «Bâleph»-Team auch durch Regierungspräsident Guy Morin und die Historiker Leohnard Burckhardt und Nadia Guth-Biasini. Auch das Zentrum für jüdische Studien (ZJS) an der Universität Basel war an der Umsetzung der App beteiligt. Erik Petry, Stellvertretender Leiter des ZJS ist vom Projekt überzeugt: «Es ist absolut gelungen und exzellent ausgeführt.»

Die Vernissage findet am 26. August 2014 im Unternehmen Mitte statt. Ab dann kann man die App für einen Monat lang kostenlos herunterladen.

Isabel Schlerkmann erhofft sich aber nicht nur viele Downloadzahlen: «Ich wünsche mir, dass sich die Basler und Besucher der Stadt auch wirklich auf den Weg machen und mit der App die Stadt erkunden.»