FC Basel
Aktualisiert am 27.01.12, um 09:18 von Dean Fuss
 

FCB-Präsident Heusler wehrt sich gegen Sippenhaft für Fans

Die Muttenzerkurve feiert ihre Helden häufig mit dem Abbrennen von Pyros.Alessandro della Valle/KEYSTONE
Die Muttenzerkurve feiert ihre Helden häufig mit dem Abbrennen von Pyros.Alessandro della Valle/KEYSTONE
Der FCB-Präsident warnte am Fan-Symposium vor übertriebener Repression in den Stadien: «Kollektivstrafen und Sippenhaft sind rechtsstaatswidrig und kontraproduktiv». Es fehle ausserdem an Dialogen zwischen den betroffenen Parteien. von Dean Fuss
 

Der Präsident des FC Basel, Bernhard Heusler, befürchtet durch die von der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJDP) geforderten verstärkten Massnahmen gegen Hooligans eine Gefährdung der Sicherheit. Dies liess der Nachfolger von Gigi Oeri gestern am «Nationalen Symposium des FC Basel 1893 zu Fanfragen und Fanarbeit 2012» mit Referaten von Experten verlauten. Das KKJDP ist daran, die Konkordatsmassnahmen zu überarbeiten eine generelle Bewilligungspflicht für Fussball- und Eishockeyspiele einzuführen.

«Basler-Dialog-Modell»

Die geplanten Massnahmen entsprechen dem öffentlichen Tenor, den Forderungen nach verstärktem Kampf gegen die Gewalt im Fussball. «Aktuell präsentiert sich die Situation so, dass sich alle Seiten den Schwarzen Peter gegenseitig zuschieben», sagt Heusler. Bei der Lösungsfindung sei es aber enorm wichtig, dass die Relationen gewahrt würden. «Kollektivstrafen und Sippenhaft sind rechtsstaatswidrig und kontraproduktiv. Zudem gefährden sie die Sicherheit.» Pauschale Kriminalisierungen der Fanszene stärkten genau diejenigen, die man damit eliminieren wolle – die radikalen und kriminellen Randgruppen.

Viel wichtiger ist für Heusler und seinen FCB der Dialog mit allen beteiligten Parteien. Nach den wüsten Szenen vom 13. Mai 2006 hat der Klub festgestellt, «dass ein Dialogdefizit herrscht».

Seither wird das «Basler-Dialog-Modell» angewendet. Dieses umfasst neben einem runden Tisch, Plattformsitzungen und Kooperationen mit Fanexperten den direkten Dialog mit den Fans. Einbindung statt Ausgrenzung seien in diesem Zusammenhang die richtigen Schlagwörter, so Heusler.

Umfrage unter 4200 Fans

Die Fanarbeit Basel hat im Frühling 2010 im Auftrag der Fanarbeit Schweiz eine Online-Umfrage unter 4200 FCB-Fans durchgeführt. Die statistische Auswertung – erstellt in Zusammenarbeit mit der Universität Bern – verzichtet bewusst auf eine Wertung der Ergebnisse.

«Es besteht eine grosse Wahrnehmungsdifferenz über die Gewalt im Fussball zwischen Aussenstehenden und Beteiligten», sagt Thomas Gander, Geschäftsführer der Fanarbeit Schweiz und Co-Leiter der Fanarbeit Basel. «Zum Fussball gehören Emotionen, Erwartungen und Spannung. Fussball ist nicht blosses Zusehen.»

Charta gegen Gewalt und Rassismus

Heusler präsentierte schliesslich die FCB-Charta. Diese erarbeitete der Klub auf Grundlage der Ergebnisse eines zweijährigen Arbeitsgruppen-Prozesses zum Thema «Antisemitismus/ Gewalt». Die Arbeitsgruppe wurde unter anderem als Folge von Filmaufnahmen des Schweizer Fernsehens ins Leben gerufen. Darauf zeigten sich FCB-Fans mit antisemitischen Gesängen in einem Zug.

Die Charta vertritt in 14 Punkten die zentralen Werte des FC Basel und stellt sich klar gegen jegliche Formen von Gewalt, Rassismus und Diskriminierung. «Nun ist die Charta vorhanden. Was dann jeder Einzelne daraus macht, können wir jedoch nicht direkt steuern», sagt Heusler. Pharma-Unternehmen würden schliesslich auch nicht für Taten von Aspirin-Konsumenten zur Verantwortung gezogen.

(az)