«Was wollen Sie hören?», fragte der 30-jährige Koch zum Prozessauftakt gestern Mittwoch die fünf Richter. «Ich will eine Stellungnahme von Ihnen», antwortete Gerichtspräsidentin Felicitas Lenzinger. «Ich habe keine Stellung dazu», lautete die knappe Antwort.

Die Vorwürfe sind happig: Im Februar 2016 verschwanden aus dem Tresor des Restaurants an der Basler Fabrikstrasse 26 700 Franken in bar. Vom Geschäftsführer darauf angesprochen beteuerte der Koch damals, das Geld sei einbezahlt worden. Der Geschäftsführer forderte den Einzahlungsbeleg nach, und wenige Stunden später knallte es: Im Tresorraum im Untergeschoss explodierte eine Propangasflasche. Die herbeigerufene Feuerwehr drehte das geöffnete Ventil wieder zu und entdeckte dabei auch Papiertücher in einer Kartonschachtel und eine Rechaudkerze.

80 000 Franken Schulden

«Es war ein verzweifeltes Ablenkungsmanöver», sagte Staatsanwalt Tomislav Hazler gestern in seinem Plädoyer. «Er wollte seine eigene Haut retten. Er dachte wohl, er könne nach einem Pokergewinn das Geld zurückzahlen.»

Tatsächlich hatte der Mann gewaltige Geldprobleme: Seine Schulden betragen rund 80 000 Franken. In den Tagen vor der merkwürdigen Explosion verlor er im Casino Zürich beim Pokern über 20 000 Franken. Seit letztem Februar sitzt er in Haft. Verteidigerin Elisabeth Joller betonte gestern indes, man habe ihren Mandanten vorschnell aufgrund von Kollegentratsch im Restaurant des Diebstahls verdächtigt. «Es gibt keine DNA-Spuren, keine Zeugenbeobachtungen, nichts.» Insbesondere habe die Staatsanwaltschaft nicht die finanziellen Verhältnisse der anderen Mitarbeiter überprüft. Die Einzahlungen im Casino hingegen wurden überprüft: Der 30-Jährige habe dort seine Spieleinsätze mit Tausendernoten geleistet, unter dem verschwundenen Bargeld des Restaurants seien hingegen keine Tausendernoten gewesen. Auch sei der Tresorschlüssel für alle anderen Mitarbeiter des Restaurants damals problemlos zugänglich gewesen.

Nervös oder nicht ausgeruht?

Das Gericht lud gestern vier Mitarbeiter als Zeugen vor. Diese bestätigten teilweise, dass der Mann kurz vor der Explosion auffallend nervös gewesen sei. Für die Verteidigerin kein Argument: Der Koch habe am Tag zuvor bis um halb vier Uhr morgens im Casino in Zürich gespielt und sei danach direkt zur Arbeit erschienen, da wirke man nicht ausgeruht.

Für die Staatsanwaltschaft ist die Sache dennoch klar: «Die Aktion hätte beinahe unschuldigen Menschen das Leben gekostet», sagte Hazler. Er verlangte einen Schuldspruch wegen eventualvorsätzlich versuchter Tötung sowie Verursachung einer Explosion. Als Strafmass beantragte er eine Freiheitsstrafe von 6,5 Jahren.

«Es hätte schon einiges schieflaufen müssen, dass Menschen verletzt oder gar getötet worden wären», meinte hingegen die Verteidigerin. Seine Täterschaft sei aber sowieso nicht nachgewiesen, deshalb sei er freizusprechen. Die fünf Richter sprechen das Urteil am Freitag. Zumindest im Grundsatz wird dabei auch über die Zivilforderungen entschieden: Die Rede ist von rund 500 000 Franken Schaden an Wänden und an der Decke.