Diskret reiht sich das Chabad Lubawitsch Zentrum in die Häuser der Ahornstrasse ein: grauer Stahl umrandet die Milchglasscheiben in der zartlila Fassade des älteren Hauses. Früher war im Parterre eine nicht koschere Metzgerei einquartiert. Am Montag wird die umgebaute Liegenschaft als Feldinger Chabad Center und damit als erste Synagoge seit 80 Jahren in Basel eingeweiht.

Backen und beten

Leiter des Zentrums ist Rabbiner Zalmen Wishedski. Zur Begrüssung verschränkt er die Arme vor der Brust. Sein Glaube erlaubt ihm nicht, einer Frau und Nicht-Jüdin die Hand zu reichen. Unsere Gemeinschaft ist offen für alle», sagt der Rabbiner. Der 35-Jährige lebt seit zehn Jahren mit seiner Frau und den fünf Kindern in Basel und hat den lokalen Ableger von Chabad Lubawitsch aufgebaut. Es ist einer von fünf in der Schweiz und von weltweit 3000. Die jüdische non-profit Organisation hat ihren Ursprung im 19. Jahrhundert Russland. Sie ist mystisch geprägt, orthodox ausgerichtet und hat einen missionarischen Charakter.

Wie orthodox ist die Chabad-Bewegung?



«Wir bringen die alten Gesetze in neuen Kleidern», sagt der Rabbiner. Ziel sei, die jüdische Kultur und Religion «mit dem Herzen» erfahrbar zu machen. Auch für säkuläre Juden, die sich vom Glauben entfernt hätten. So wird zu Pessach mit den Kindern Matze, ungesäuerter Brotfladen gebacken und an Purim haben der Rabbi und seine Frau kleine Whiskey-Flaschen mit einer Chabad-Etikette verteilt. Seine Aussagen untermauert er mit einem Film, in dem sich betont nicht religiöse Protagonistinnen und Protagonisten äussern und die Gemeinschaft als herzlich, offen und tolerant loben.

Ein Raum «wie Lego»

Im Gegensatz zur Israelitischen Gemeinde Basel (IGB), einer Einheitsgemeinde, und der orthodoxen Israelitischen Religionsgesellschaft, ist Chabad als Verein organisiert, der sich weitgehend über Spenden finanziert. Nach der Gründung 2002 hat sich die Gemeinschaft an der Blauenstrasse eingemietet. Seit einem Jahr ist sie in den moderenen Räumen an der Ahornstrasse. «Wir konnten das Haus dank einer grosszügigen Spende kaufen», sagt der Rabbiner (Kasten). Die künftige Synagoge ist ein modern gestalteter Mehrzweckraum: dunkles Parkett, weisse Wände, ein Flatscreen mit Informationen zum jüdischen Glauben und zur Auflockerung stehen Orchideen vor dem Fenster. «Der Raum ist wie Lego. Wir können ihn nach Bedarf umbauen.» Als Konkurrenz zur Israelitischen Gemeinde Basels (IGB) sieht sich das Chabad Center nicht: «Wir sind eine Ergänzung.» Es gehe darum Menschen anzusprechen, die ein Bedürfnis hätten, sich zu ihren Wurzeln zu besinnen. «Ich nenne es eine gesunde Beziehung, auch wenn man nicht immer einer Meinung ist», sagt Rabbiner Wishedski.

«Eine Bereicherung»

Das bestätigt auch Guy Rueff, Präsident IGB: «Es hat sich gezeigt, dass Chabad eine Bereicherung ist.» Die Gemeinschaft spreche teilweise Leute an, die die IGB nicht erreiche. «Manchmal gibt es auch Diskussionen», sagt Rueff, zum Beispiel bei religiösen Festen, wenn beide einen Anlass organisierten. «Aber es ist kein gegeneinander, sondern ein gutes Miteinander.»