Seit Freitag kann man den nicht mehr benutzten Apple-Computer oder das alte iPhone für den Kampf für die Rechte der Arbeiterinnen und Arbeiter in der Computer-Industrie spenden: Die Revendo GmbH, ein Basler Start-up, hat auf seiner Handelsplattform für ältere Apple-Produkte einen direkten Link zur Kampagne «High Tech – No Rights?» zweier kirchlicher Hilfswerke geschaltet. «Ziel von ‹Brot für alle› und ‹Fastenopfer› ist eine Lieferkette ohne Menschenrechtsverletzungen in der IT-Industrie», steht dort. «Wir wollen Transparenz in der Lieferkette, konfliktfreie Minen, faire Arbeitsbedingungen. Wir fordern faire Computer und faire Handys.»

Benutzen statt wegschmeissen

Der Geschäftsführer spielt Oboe und Klavier und hätte eigentlich Energie- und Umwelttechnik studieren wollen. Doch dann gründete Aurel Greiner (22) zusammen mit Laurens Mackay (27) als zweitem Geschäftsführer die Revendo GmbH. «Schon im Gymnasium stellte ich fest, dass da viele Computer und Handys unbenutzt herumliegen, weil bereits neuere gekauft wurden. Auf der anderen Seite gibt es Leute, die sich ein neues Gerät nicht leisten können.» Diese beiden Gruppen wollte er zusammenbringen. Sein Credo: «Die umweltfreundlichste Lösung ist, die Geräte so lange wie möglich zu benutzen.»

Im Mai haben sie im Unternehmen Mitte an der Gerbergasse ihre Firma aus der Taufe gehoben. Mittlerweile ist auch Laurenz Ginat (19) dazu gestossen.

Das Geschäftsmodell wirft nicht nur drei Löhne ab, sondern lässt Expansionspläne zu: Ein Laden, möglichst zwischen Zentrum und der Uni, soll den Sprung vom Onlinehandel zum direkten Kundenkontakt ermöglichen. «Wer einen gebrauchten Computer kauft, möchte diesen gern sehen und ausprobieren, bevor er bezahlt.»

Software für Offerten

So gehts

Auf revendo.ch klickt man sich zum MacBook-, iMac-, iPhone- oder iPad-Modell durch, das man verkaufen will. Dann beantwortet man Fragen wie Akkukapazität, Display- und Gehäuse-Zustand, Tastaturlayout etc.

Findet man den angebotenen Preis interessant, kann man das Gerät portofrei einschicken oder gratis per Velokurier abholen lassen.

Stimmen die Angaben zum Zustand, habe man innerhalb einer Woche das Geld, versichert Revendo. Sonst wird nachverhandelt.

Den ausgehandelten Preis spenden kann man per Mausklick gleich nach der Offerte. Die berücksichtigten Organisationen stellen steuerabzugsfähige Spendenquittungen aus (Glückskette erst ab 500 Franken).

Zu kaufen gibt es die Geräte auf der gleichen Website.

Bisher läuft das Geschäft im Internet: Der Besitzer eines nicht mehr benutzten Geräts ab etwa Jahrgang 2007 füllt online ein Formular aus, in dem er dieses beschreibt. Umgehend erhält er eine automatische Offerte, die auf Marktbeobachtung und der Prognose basiert, welche Komponenten man erneuern oder erweitern muss, um das Gerät mit dem aktuellsten Betriebssystem auszurüsten.

Diese Offerten-Software ist Revendos Betriebsgeheimnis. Zusammen mit der Möglichkeit, das Gerät gratis zu liefern, und der Zusicherung, das Geld innerhalb einer Woche zu bekommen, findet die Geschäftsidee offenbar Anklang: Laufend sind rund 50 Geräte im Angebot.

Rasch reagiert

Nicht nur die Umwelt interessiert die Jungunternehmer: Seit Anfang Dezember kann man auch gleich angeben, ob man das Geld für das alte Gerät selber kassieren will oder ob man es an Helvetas, Swissaid, Caritas, die Glückskette oder an das Schweizerische Rote Kreuz spenden will. Als dann am Mittwoch auf SRF die «Rundschau» die sklavenartigen Arbeitsverhältnisse in der Computer- und Handy-Industrie anhand eines Apple-Zulieferers thematisierte, suchten die jungen Secondhand-Händler Kontakt zur Kampagne «High Tech – No Rights?» und schalteten bereits in der Nacht auf Freitag den zusätzlichen Spenden-Link.

Doch weshalb spezialisiert sich Revendo ausgerechnet auf Apple? «Apple hat eine überschaubare Palette an Modellen, die zudem alle mit dem gleichen Betriebssystem funktionieren», erklärt Greiner. Dies sei die Voraussetzung für ihr Geschäftsmodell. Zudem habe die Schweiz die weltweit grösste Apple-Dichte.

Vorbildfunktion

Bei Bananen oder Kaffee sei es vergleichsweise einfach, fairen Handel zu etablieren, weil man die Produkte bis zu den Produzenten zurück verfolgen kann, erklärt Daniela Renaud, Verantwortliche für «High Tech – No Rights?». Bei Computern und Handys sei dies wegen der langen Kette an Zulieferbetrieben praktisch nicht möglich. «Deshalb versuchen wir, öffentlichen Druck auf grosse Firmen wie Apple aufzubauen, dass sie in der Branche eine Vorbildfunktion für soziale Verantwortung übernehmen sollen. Darum ist es sehr wertvoll, wenn ein Unternehmen wie Revendo die Kampagne unterstützt.»