Da können wir uns durch den Kunstmarkt flippern, können bei jungen Kuratoren Punkte sammeln – Adam Szymczyk, der Basler Kunsthalle-Direktor und angehender Dokumenta-Leiter – gehört mit dazu. Wenn die elektronische Flipperkugel bei der Scope New York landet, gibt es mehr Punkte als bei der Kunstmesse Art. Das gehört zur Ironie des Spiels. Wer die Kugel geschickt lenkt, landet gleich im Guggenheim Museum. Mit jedem Punkt steigt der Marktwert.

Es ist ein boshaft hinterhältiges Spiel, das der Dresdner Künstler Andreas Ullrich als fiktive «C. Rockefeller Art Investment Group» erfunden hat. Sein Flipperkasten, der ganz schlicht «The Machine» heisst, erzählt spielerisch von den Zufälligkeiten und Absurditäten des Kunstmarkts.

Nicht allein bei Ullrichs Werk, sondern durchgehend weht ein wunderbar subversiver Geist durch die neue Ausstellung «Spielsalon – Art & Arcade» im Haus für elektronische Künste auf dem Basler Dreispitz, die präzis zur Museumsnacht ihre Tore öffnet und sich da auch als Renner entpuppen dürfte.

Die Kunst als Spiel

Die von Alain Bieber, dem Leiter der interaktiven Internet-Plattform «Arte Creative», kuratierte Ausstellung soll uns vor Augen führen, «dass Kunst und Kultur schlicht Spass bereiten können». Bieber geht in seiner Herleitung noch weiter: «Kunst und Kultur entstehen durch Spiel», erklärt er und zitiert Friedrich Schiller: «Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.»

Für die Ausstellung wählte er Künstler, die sich in ihren elektronischen Installationen auf die Arcade-Maschinen bezeihen, wie sie in den 1970er und 80er Jahren die Spielhallen bevölkerten. Damals hatten Spielklassiker wie Pong, Space Invaders, Pac-Man, Donkey Kong und andere Hochkonjunktur. Sie waren nicht nur die Vorläufer heutiger Computerspiele, sie sind auch Kult.

Bieber verwandelt den Parterre-Raum des Hauses für elektronische Künste in eine Spielhölle mit schummriger Beleuchtung und elektronischen Dauergeräuschen. Wer genau hinschaut, erkennt, wie die Künstler den Arcade-Kult mit ihren Installationen, für die sie modernste elektronische Technik verwenden spielerisch unterlaufen.

Wie in jedem Spielsalon steht am Eingang ein Bankomat. Nur spuckt der Bankomat der argentinischen Künstler Iván Kozenitzky und Federico Lazcano kein Geld aus. Er heisst schliesslich «Radical ATM Service». Wer die Kreditkarte hineinsteckt, muss zwischen verschiedenen Optionen wählen, Spiele kann er anwählen oder Videos und anderes. Ob Spiel oder Video, vermittelt werden hier rebellische politische Inhalte. Danach gibt der Bankomat die Karte an ihren Besitzer zurück. Für die Ausstellung in Basel frischten die Argentinier ihren Bankomat von 2007 mit neuen, die Schweiz betreffenden Inhalten auf.

Cage als Pate des Töggelikastens

Remmy Canedo, Sergej Maingardt und Tobias Hartmann überraschen mit einem Musik produzierenden Töggelikasten. Bei jeder Ballberührung spielt er verschiedenen Sounds, elektronische Tongebilde, dann ein Geschrei oder Fetzen aus Pop- oder Filmmusik-Stücken. Landet der Ball im Tor, wechselt die Soundebene. Die drei Komponisten und Künstler, die elektronische Musik studiert haben, beziehen sich mit ihrem Tischfussball «cage was a n00b» auf John Cages «Reunion», auf dessen Schachspiel mit Marcel Duchamp. Die Spielzüge bestimmten damals die elektronisch aufbereiteten Improvisationen von Instrumentalisten. Hier wird der Töggelikasten selbst zum Instrument.

Dass im Spieltrieb auch ein Stück Sadismus und Masochismus steckt, das vermittelt uns heimtückisch das Künstlerduo Volker Morawe und Tilman Reiff mit ihrer Duellmaschine «Painstation» – einer Variation des «Pong»-Spiels. Bei jedem Treffer wird die eine Hand des Gegenübers malträtiert mit Hitzestrahlen, Peitschenhieben oder leichten Stromstössen.

Eine fast schon meditative Art des «Pong»-Spiels ist «Pentapong» des Franzosen Djeff. Bis zu fünf Spieler können sich hier gegenseitig «bekriegen». Der Name der Installation ist eine fein ironische Anspielung an das Pentagon, den fünfeckigen Bau des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums. «Pentapong» ist wie die kleine Ausgabe davon: Die Spieler stehen gleichsam an einer fünfeckigen Schaltstation.

Als bewegtes abstraktes Bild erscheint «SOD» des belgisch/niederländischen Netz-Künstlerduos «Jodi». «SOD» ist die subversive Verwandlung des umstrittenen Nazis-Abschiess-Spiels «Wolfenstein 3D», einem Urvater der «Ego-Shooter», in ein abstraktes Gebilde. Statt durch Schlossgänge wandelt der Spieler durch eine Galerie mit Malewitsch--Quadraten, die Nazis sind auf schwarze Dreiecke reduziert. Geschossen wir mit einem schwarzen kleinen Kreis. Ein starkes Kunstwerk, das die «Ego Shooter» ad absurdum führt.

Der Spielsalon ist die letzte grosse Ausstellung des Haus für elektronische Künste im derzeitigen Provisorium. Es gibt noch kleinere Aktionen auch in der Stadt, eine Teilnahme an der «Liste 19 – The Young Art Fair.» Am 21. November erfolgt die Eröffnung des neuen Hauses – gleich neben dem alten auf dem Dreispitz.

Spielsalon – Art & Arcade Haus für elektronische Künste, Dreispitz Basel, bis 16. März