Wer als Ägypter Heavy Metal liebt oder gar spielt, hats teuflisch schwer. Metalheads sind in Ägypten als Satanisten gebrandmarkt und theoretisch verboten. Trotzdem gibt es die ägyptische Metal-Szene. Erstaunlich leicht haben es dagegen schwarze, homosexuelle Rapper in New Orleans, die sich stolz «Sissy Bounce Rappers» nennen und deren exzessives Hinternwackeln zum hippen Tanzstil avanciert ist. Die transvestitische Rapperin Big Frieeda aus New Orleans, schriller Voodoohop in São Paulo, ein Musikblog aus dem kriegsgeschüttelten Mali oder die fast so exotische Neue Volksmusik in der Schweiz – all das und noch viel mehr begleitet und dokumentiert das Online-Magazin «norient.com».

Hinter Norient stecken der Musikethnologe, Journalist, DJ und Gründer Thomas Burkhalter und die Musikethnologin und Coredaktorin Theresa Beyer sowie ein weltweites Netzwerk von schreibenden Musikkennern. «Viele Texte werden von unseren gleichberechtigten Partnern vor Ort verfasst; es ist uns wichtig, dass nicht alles aus unsere mitteleuropäischen Perspektive betrachtet wird», sagen Beyer und Burkhalter. Alle Norientalen wählen aus der Fülle aus, was sie für relevant halten – und aufregend: «Wir suchen extreme, prägnante Positionen, die anecken», sagt Burkhalter, «aber nicht nur um des Auffallens willen, es muss gut sein.»

Von der Webseite zum Buch

Längst nicht alle Musiker werden vom US-Mainstream beeinflusst. Doch es brauche Zeit, das Spannende, Unerwartete zu sichten. Norient nimmt sich diese Zeit. Burkhalters Spezialgebiet ist der Nahe Osten, seine Doktorarbeit über Musikszenen in Beirut ist eben als Buch erschienen. Beyer doktoriert über Neue Schweizer Volksmusik und Mundart-Rap.

Die Internet-Plattform ist lebendig dank Videos, Musik und immer neuen Reportagen. Einige der Protagonisten treten zudem am gleichnamigen Musik(film)-Festival in Bern auf, Norients Homebase. Doch manchmal geht im Netz ein Link verloren. Und es wuchs die Sehnsucht nach etwas Handfestem. Deshalb haben Beyer und Burkhalter nun ergänzend ganz altmodisch ein Norient-Buch herausgegeben: «Out of the Absurdity of Life». Aber eins mit neumodischem Design – statt Magenta wurde die Druckfarbe Pantone verwendet, ein Pinkton, der «knallt wie die Musik».

Das Buch besticht durch die spezielle Gestaltung und die grosszügigen Fotostrecken. Heute Abend stellen die Macher es in Basel vor. Fortsetzung folgt: Ein Norient-Buch soll fortan jährlich die jeweiligen Musikhöhepunkte weltweit festhalten. «Ein Herzensprojekt», sagt Beyer.

Buchpräsentation mit Ton und Bild: Dienstag, 05.02.2013 um 20 Uhr im Plattfon Stampa an der Feldbergstrasse 48. http://buch2012.norient.com/