Charivari
Aktualisiert am 02.02.12, um 21:06 von Muriel Mercier, Hans-Martin Jermann
 

Politiker-Auftritte an Vorfasnachtsveranstaltung geben zu reden

Hatte bei seinem Charivari-Gastspiel einen schweren Stand: Regierungspräsident Guy Morin.Fabian froehly
Gastspiele von Morin, Conti und Co. an der Vorfasnachtsveranstaltung sind von höchst unterschiedlicher Qualität. von Muriel Mercier, Hans-Martin Jermann
 

15 Politikerinnen und Politiker aus der Region – die Ausnahmen stammen mit alt Bundesrat Christoph Blocher und BaZ-Präsident Filippo Leutenegger aus Zürich – haben die Ehre, sich auf der Charivari-Bühne den Anspielungen von Moderator René Häfliger zu stellen. Die Rahmenbedingungen: Die Politiker können sich nicht vorbereiten, sie dürfen witzig sein und sich über ihre Partei und andere lustig machen – dies aber nicht unter der Gürtellinie.

Seit der Premiere der Kleinbasler Vorfasnachtsveranstaltung am vergangenen Samstag hat Moderator Häfliger fünf Gäste in die Mangel genommen: Regierungspräsident Guy Morin an der Premiere, den Baselbieter Ständerat Claude Janiak (Sonntag), SVP-Nationalrat Sebastian Frehner (Montag) sowie die Basler Regierungsräte Carlo Conti und Christoph Eymann (Dienstag und gestern). Die Reaktionen auf die Politiker-Auftritte sind unterschiedlich: Ein Insider, der mehrere gesehen hat, lobt die Spontaneität von SVP-Chef Frehner. Regierungsrat Carlo Conti sei zwar etwas sehr korrekt, aber souverän gewesen, Claude Janiak hingegen zu brav. Bisher am besten war laut dem Insider Christoph Eymann gestern Abend.

Guy Morins Gastspiel stösst auf Kritik

Von verschiedenen Seiten auf Kritik stösst indes Guy Morins Gastspiel am Charivari: Der Regierungspräsident eröffnete mit einem selbst gedichteten Verslein, was schlecht ankam und auch nicht so gedacht war. Am Tag zuvor hatte er nämlich dieselben Zeilen bereits beim Regionalsender Telebasel präsentiert. In der Charivari-Pause war die Qualität von Morins Auftritt Gesprächsthema Nummer eins. Nicht jeder sei zum Humoristen und Verseschmied geboren, sagt Fasnachts-Insider und LDP-Grossrat André Auderset. Dies sei auch nicht weiter schlimm. «Allerdings wäre Morin gut beraten gewesen, wie Regierungsrätin Eva Herzog auf einen Auftritt zu verzichten», so das Fazit von Premierengast Auderset. Charivari-Programmchef Erik Julliard hält sich als Gastgeber nobel mit Kommentaren zurück, lässt aber durchblicken, dass Morin die Schlagfertigkeit gefehlt habe.

Die Idee der Charivari-Programmleiter, an der Vorfasnachtsveranstaltung Politiker auftreten zu lassen, kommt beim Basler Publikum überdies sehr gut an, sind sich Julliard und sein Mediensprecher Werner Blatter einig. «Die Resonanz ist genial», sagt Julliard. «Das Publikum zeigt Respekt gegenüber den Geladenen.» Werner Blatter fügt an: «Die Leute sehen es gerne, wenn Politiker auf die Schippe genommen werden.»

Wem das Intermezzo auf der Volkshaus-Bühne sichtlich Spass gemacht hat, ist der Basler SVP-Politiker Sebastian Frehner. Er habe sich von Anfang an wohlgefühlt. «Ich mache nicht jeden Seich mit. Aber das war wirklich lustig und die Sprüche gingen nicht unter die Gürtellinie.» Obwohl er nicht gewusst habe, was auf ihn zukomme, sei er nicht nervös gewesen. «Ich bin schlagfertig und traue mir zu, jeweils das Richtige zu sagen.» Er habe sich gefreut, von den Charivari-Organisatoren eingeladen worden zu sein. «Wenn man in diesem Rahmen auftreten darf, bedeutet das auch, dass man es geschafft hat.»

Die Zeichen stehen gut, dass die weiteren zehn Vorführungen erfolgreich sein werden. Vor der Premiere harzte der Vorverkauf. Das hat sich geändert. Dass die Tickets nun wie warme Weggli weg gehen, liege auch an den Politikerauftritten, ist Sprecher Werner Blatter überzeugt. «Aber auch an der positiven Medienberichterstattung über das Charivari.»

Arthur Cohn will Blocher sehen

Gross ist die Nachfrage speziell für den 7. Februar: Dann hat nämlich alt Bundesrat Christoph Blocher seinen Gastauftritt am Charivari. Sogar der Basler Filmproduzent und Oscar-Preisträger Arthur Cohn, weiss Gott kein Freund des SVP-Vordenkers, will an diesem Abend unbedingt dabei sein und hat Tickets reserviert.

Ebenfalls noch ausstehend ist der Auftritt von Regierungsrat Hans-Peter Wessels. Er schaut dem Abend gelassen entgegen. «Ich habe zugesagt, weil ich mich auf einen lustigen Abend freue.» Nicht angefragt wurde der frischgebackene Grossratspräsident Daniel Goepfert. «Darüber bin ich offen gesagt nicht unglücklich», gesteht Goepfert. Er wird sich das Charivari als Zuschauer zu Gemüte führen. Er habe sich aber erkundigt, ob sein privater Besuch auch wirklich harmlos über die Bühne gehe.

(bzBasel)
Leser-Empfehlungen auf Facebook
bz-Leser empfehlen: