Der Kanton Basel-Stadt wird aufgefordert, in seinen Mensen täglich ein veganes Menü anzubieten. Zudem sollen vegane und vegetarische Menüs gefördert werden. Der Basler SP-Nationalrat und Landwirt Beat Jans erklärt, weshalb er die Initiative unterstützt, gleichzeitig aber bestreitet, dass Veganismus wirklich gesünder ist.

Herr Jans, Sie sind selber weder Vegetarier noch Veganer. Weshalb unterstützen Sie eine Initiative, die beides fördern will?

Beat Jans: Der Anteil von Fleisch in unserer Diät ist enorm hoch. Wir leben über unsere Verhältnisse. Die Ackerfläche, die wir im Ausland benötigen, um unsere Tiere zu füttern, ist gleich gross wie die Ackerfläche in der Schweiz. Pflanzliche Ernährung verbraucht bis zu zehnmal weniger Land. Den Fleischkonsum zu reduzieren ist deshalb ein wichtiger Hebel, um die weltweite Verschwendung der natürlichen Ressourcen einzudämmen. Das wissen die meisten Menschen nicht. Die Initiative will nun den Staat beauftragen, dort, wo er Einfluss hat, eine Handlungsmöglichkeit zu schaffen.

Geht es also vor allem darum, eine Diskussion zu lancieren?

Nicht nur. Ich finde es selbstverständlich, dass man heute eine Wahlmöglichkeit hat zwischen einem Fleischmenü und einem vegetarischen Menü. Ich will aber niemanden zu irgendetwas zwingen.

Wie steht es denn um Ihren persönlichen Fleischkonsum?

Wenn ich einkaufe, kaufe ich praktisch kein Fleisch ein. Sicher kein Poulet oder Schwein. Wenn schon, dann Weide-Beef. Alpwirtschaft zum Beispiel ist eine nachhaltige und über Jahrhunderte erprobte Wirtschaftsweise. Was ich persönlich vermeide, sind tierische Produkte, die mit Importgetreide und Soja produziert werden. Ich kaufe beispielsweise keinen Parmesan – dieser wird in Italien mit Mais hergestellt. Ich kaufe Sbrinz, denn dieser entsteht in der Schweiz auf Grasland. Würste, massvoll genossen, finde ich übrigens auch sinnvoll. Sie sind eine Art Abfallfleischverwertung.

Würde die geplante Initiative denn etwas bewirken?

Ja, es würde die Auswahlmöglichkeit vergrössern.

Ist denn diese heute nicht schon gross genug?

Das ist schwierig zu beurteilen. Tatsächlich kann man sich schon heute oft fleischlos ernähren.

Warum ist es überhaupt Aufgabe des Staates, Vegi-Menüs zu fördern? Kann das der Konsument nicht selber entscheiden?

Doch, der Konsument hat immer noch am meisten Einfluss. Die Initiative will lediglich den Akteur Staat damit beauftragen, in den Mensen, die er selber betreibt, und in denen mehr als ein Menü pro Tag angeboten wird, ein Vegi-Menü anzubieten. Das finde ich vernünftig.

Die Diskussion um die Vegi-Mensa an der Uni Basel wurde ja hitzig geführt. Haben Sie keine Angst davor?

Nein, denn dort ging es ja darum, die Mensa ganz vegetarisch zu machen. Es ging also um Zwang. Die Initiative will eine Ergänzung. Das sind zwei verschiedene Dinge.

Geht es Ihnen dabei «nur» um den Umweltschutz oder auch um den Tierschutz?

Es geht mir um die Umwelt. Das ist ganz wichtig. Es geht mir nicht um ethische Fragen gegenüber den Tieren. Ich finde Tierhaltung, wenn sie artgerecht geschieht, nicht verwerflich. Ich bin ja gelernter Landwirt. Tiere zu halten ist etwas Schönes und Bereicherndes. Es ist auch nicht grundsätzlich unökologisch. In dieser Hinsicht unterscheide ich mich wohl von den Initianten, die eher einen veganen Hintergrund haben.

Bei veganem Essen ist ja umstritten, wie gesund es wirklich ist.

Die These, dass eine vegane Diät gesünder ist als eine nicht vegane, teile ich nicht. Es gibt verschiedene essenzielle Nährstoffe in tierischen Produkten. Veganer müssen diese gezielt ersetzen. Das ist sehr anspruchsvoll. Wenn man das nicht fachgerecht tut, besteht gerade bei Kindern die Gefahr einer Mangelernährung.

Ernährung wird heute als Ersatzreligion verspottet. Wie sehen Sie das?

Die Frage der Ernährung war für die Menschheit immer und in allen Kulturen sehr wichtig. Der Spruch «Man ist, was man isst» ist schon sehr alt. Es wurde schon immer heftig darüber diskutiert, was denn eine richtige Ernährung ist. Ich glaube eher, dass das heute etwas abgenommen hat: Die Leute achten nicht mehr so darauf, was sie essen. Mit der Globalisierung ist das Angebot riesig geworden und es ist schwierig zu erfassen, woher die Lebensmittel kommen, wie sie entstehen und was drin steckt. Deshalb ist diese Initiative auch ein Versuch, das zu korrigieren.

Und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Initiative angenommen wird?

Wohl eher klein. Wenn es aber gelingt aufzuzeigen, dass es nicht um Verbote, sondern um eine Bereicherung geht, hat sie vielleicht sogar eine Chance.