An einer Diskussion von Radio X wurde einmal mehr klar, was fehlt: Möglichkeiten für Teilzeitarbeit. Und zwar vor allem für Männer. Damit bekommen Partnerinnen/Mütter die Chance, nach der Babypause die Arbeit wieder aufzunehmen. Flexible Arbeitszeitmodelle erforderten auch Flexibilität der Arbeitgeber, ist Petra Jenner, General Manager von Microsoft Schweiz, überzeugt. Und es bedinge ein Umdenken, was die Büroanwesenheit der Angestellten betreffe. Was zählt, sind Resultate, nicht Präsenz. Balz Stückelberger vom Arbeitgeberverband der Banken in der Schweiz ist überzeugt: «Die Entwicklung ist nicht aufzuhalten. Ich kenne immer mehr Männer, die Teilzeit arbeiten, nicht nur Lehrer oder Sozialarbeiter.»

Nur: Wir sind noch weit vom Idealzustand entfernt. Fakt ist, dass nur 15 Prozent der Männer Teilzeit arbeiten (Frauen: 60 Prozent). Das zeigt die aktuelle Arbeitskräftestatistik des Bundes. Gemäss einer Broschüre des Präsidialdepartements Basel-Stadt möchten aber neun von zehn Männern ihr Pensum reduzieren.

Eva Herzog für Frauenquoten

Tatsächlich kommen immer mehr Frauen in Führungspositionen, waren sich Diskussionsteilnehmerinnen und -nehmer einig. Doch auch hier ist noch ein weiter Weg. Für Regierungsrätin Eva Herzog lautet das Rezept ganz einfach: Frauenquote. Sie hat diesbezüglich Erfahrung.

Bei der SP sei es klar gewesen, dass bei der damaligen Regierungsratswahl zwei Männer und zwei Frauen kandidieren würden. «Ich hätte mich ohne diese Regelung nie getraut, gegen bestandene und erfahrene Männer anzutreten», sagt sie. Manchmal brauche es diesen Schub. «Quoten sind kein Ziel, aber sie beschleunigen den Prozess», so Herzog.

Firmen profitieren

Unbestritten scheint, dass Firmen von einer familienfreundlichen Ausrichtung profitieren. Das hat eine Untersuchung der Prognos vom Jahr 2005 ergeben. Sie sind als Arbeitgeber attraktiv. Das gilt vorab für Firmen, die auf hoch qualifiziertes Personal angewiesen sind (Life Sciences, Finanzsektor, Hightech-Branche, etc.).

Frauen kommen nach der Babypause wieder in die Firma zurück, es geht kein Know-how verloren. Die Bank Coop stellte fest, dass sich die familienfreundliche Politik sogar auf die Absenzenquote ausgewirkt hat: Die Krankheitsquote ging in 10 Jahren um 35 Prozent zurück. Und die Fluktuation um 61 Prozent. Die Rückkehrrate der Frauen nach dem Mutterschaftsurlaub beläuft sich auf 91 Prozent.

Radio X organisiert vier Mal jährlich einen Anlass für Arbeitgeber, Personalverantwortliche und Gender-Expertinnen zum Thema Chancengleichheit und Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Der nächste findet am 14. Juni statt.