Samuel Hufschmid

Samuel Hufschmid

Lesen, Museen, Sport und alle zwei Wochen einen Dreigänger

Mit zusätzlichen 70 Franken pro Monat können sich Basler Rentner ein reichhaltiges Programm zusammenstellen. Gewusst wie!

70 Franken zusätzlich pro Monat, richtig eingesetzt, können in Basel den Alltag von Rentnerinnen und Rentnern versüssen – ich wage sogar zu sagen, besser als in einem abgelegenen Dorf auf dem Land. Da wäre beispielsweise ein Saisonabo für die Basler Gartenbäder. Als Stadtbewohner zahlt man nur 90 Franken für den freien Zutritt während der ganzen Sommersaison ins Bachgraben, Eglisee und Joggeli. Auswärtige zahlen 20 Franken mehr und haben eine weitere Anreise.

Für die Lektüre auf der Badiwiese, aber auch im Winter in der gemütlichen Stube, bietet sich eine Mitgliedschaft bei der GGG-Stadtbibliothek an. Diese kostet lediglich 30 Franken pro Jahr und als GGG-Mitglied erhalten Stadtbewohner, falls nötig, sogar kostenlos Hilfe beim Ausfüllen der Steuererklärung.

Auch beliebig viele Museumsbesuche sind für einen Bruchteil der monatlichen 70 Franken möglich: Eine kurze Tramfahrt nach Weil ins Vitra-Museum verhilft sogar zu einem noch günstigeren Museumspass – 98 Euro kostet dieser dort und ist für ein ganzes Jahr gültig.

Ein bisschen Bewegung und Geselligkeit gefällig? Fünf Franken kostet die Teilnahme bei Café Bâlance – ein Sportgymnastikkurs für Senioren, der in mehreren Quartierzentren angeboten wird und seinen Abschluss jeweils in einem Kaffeeplausch findet.

Nach dem Sport hungrig? Für AHV-Bezüger bietet die Haushaltsschule für Lernbehinderte der reformierten Kirchgemeinde St. Johannes jeweils am Dienstag ein 3-Gang-Menu für 10 Franken inklusive Getränk und Kaffee.

Zusammengezählt ergibt das für die zusätzlichen 70 AHV-Franken pro Monat: den ganzen Sommer in die Badi inklusive Lektüre, das ganze Jahr in alle Museen plus jede Woche einmal Sport und Kaffee sowie alle zwei Wochen einen Dreigänger.

Bojan Stula

Bojan Stula

Keine billigen Vergnügungen, investiert in den Polit-Kampf!

Wir im Baselbiet haben es uns hart verdienen müssen, das Geld im Alter für die eigene Unabhängigkeit auszugeben

Es ist bezeichnend, dass sich der Stadtkollege für seine unter rot-grüner Herrschaft sozial verwöhnten Alten nur harmlosen Zeitvertrieb wie Badis und Museen vorstellen kann. Die kargen Lebensumstände im bürgerlichen Landkanton lassen es dagegen gar nicht erst zu, sich im Alter politisch entmündigen zu lassen und durch reichlich fliessende staatliche Pensionskassengelder ruhig gestellt zu werden. Die AHV-Aufstockung (kommt dafür bald eine neue 70er-Note?) muss daher wirksamer als bloss für Freizeitvergnügungen eingesetzt werden.

Als der hochbetagte Kämpfer gegen die Sklaverei Frederick Douglass einst von einem jungen Bewunderer gefragt wurde, was dieser mit seinem Leben anfangen sollte, antwortete er: «Agitieren, agitieren, agitieren!» Bis ins hohe Alter für seine Überzeugungen kämpfen! Das werden bestimmt auch die Baselbieterinnen und Baselbieter mit ihrem Zustupf tun. Frohgemut werden sie den Hunderter für die SVP-Jahresmitgliedschaft abdrücken und sich jeweils am 28. September, dem Jahrestag der Fusionsabstimmung, ein besonders grosses Höhenfeuer mit dem dazu gehörenden besonders grossen Klöpfer aus der Dorfmetzgerei leisten. Ebenso zentral ist der Kampf für die Unabhängigkeit der eigenen Mobilität. Dabei bleibt es jedem Altersaktivisten selbst überlassen, ob der Siebziger dazu verwendet wird, den Vertrauensarzt mit einer dicken Einladung zum Châteaubriant einzuseifen, damit dieser die Fahrfähigkeitsbescheinigung verlängert. Oder aber, taktisch nicht minder geschickt, regelmässig Geschwindigkeitsbussen zu provozieren, um allen zu beweisen, dass man als Rentnerin oder Rentner keine Verkehrsbehinderung darstellt.

Doch am allerwichtigsten: Mit dem AHV-Zuschuss lässt sich problemlos ein Jahres-Abo der bz finanzieren. Hier lässt sich am besten nachlesen, was das eigene Engagement bewirkt hat – notfalls unter den Blaulicht-Meldungen.