Benjamin Rosch: Redaktor Basel-Stadt, Landhof-Anwohner

Benjamin Rosch: Redaktor Basel-Stadt, Landhof-Anwohner

Es gibt nur eine Heimat für den FCB: Das Glaibasel

Der FC Basel kann mit einem Umzug alle seine Probleme lösen: Er muss nur zurück zu seinen Wurzeln.

Der FCB verliert Zuschauer. Die Erfolgsverwahrlosung soll gar nicht erst an dieser Stelle thematisiert werden. Vielmehr ist das ein perfekter Steilpass für eine Heimatdiskussion, eine ideale Vorlage für eine überfällige Forderung: Der FC Basel muss zurück an seine alte Stätte, an der Seppe Hügi noch von seinem Fenster aus Odermatt und Kollegen als «Scheiss-Millionarios» beschimpfen konnte.

Den Landhof.

Der Landhof stammt aus einer anderen Zeit. Einer Zeit, in der die Schweizer Nationalmannschaft Deutschland noch mit 5:3 heimschickte (allerdings auch mal von England mit 0:9 gedemütigt wurde). In der sich die Spieler noch in einem Gartenhäuschen umziehen mussten, für das sogar Miete fällig war. In der die Stadionbetreiber noch von der Stadt gemahnt wurden, endlich ein WC zu bauen. In der die Buchhaltung des FCB einen Verlust von 46.85 Franken hinnehmen musste, weil nur 56 zahlende Zuschauer erschienen waren. Nirgendwo in der Schweiz wirkt die Fussballromantik stärker als an diesem Ort, den heute nicht mal mehr alle Stadtkinder kennen, weil er eingepfercht ist zwischen Wohnungen. Nirgendwo wirkt der heutige FCB ferner als hier, wo er 1893 sein erstes Spiel austrug, nur elf Tage nach der legendären Anzeige in der «National-Zeitung».

Der Landhof böte wohl keinen Platz für einen Fanshop mit FCB-Windeln, FCB-Wimpeln, FCB-Weihnachtsschmucksets. Der Wurststand müsste sich wohl auf Wurst konzentrieren, um der Nachfrage Herr zu werden – keine Pizza, kein Döner, kein Burger. Auf der Tribüne gäbe es keine Schalensitze, höchstens schales Bier. Und viele Zuschauer würden im Regen stehen gelassen. Doch damit würde immerhin dieser schönste aller Basler Unorte gerettet. Das älteste Stadion der Schweiz hätte endlich wieder einen Sinn. Und es würde sich sicher wieder ein Anwohner finden, der die Spieler von seinem Fenster aus anschreit.

Michel Ecklin: Redaktor Baselland, FCB-Fan zu Nati-B-Zeiten

Michel Ecklin: Redaktor Baselland, FCB-Fan zu Nati-B-Zeiten

Gebt den Fans wieder echte Schlammschlachten

Vergesst Cüpli und VIP-Lounge. Der FCB soll sich mit Gastspielen in der Baselbieter Provinz wieder eine Portion Bodenständigkeit holen.

Mittelmass, damit kennen wir uns im Baselbiet aus. Denn es gibt kaum einen durchschnittlicheren Kanton als das Baselbiet. Wenn jetzt der FCB international weg vom Fenster ist, gibt es nur eins, um die Zuschauer am Ball zu halten: Die Profis müssen nahbarer, menschlicher werden – eben durchschnittlicher. Nach anderthalb Jahrzehnten Dauererfolg haben die Fans nämlich die Superlative satt. Sie wollen ihre Spieler schwitzen und fluchen sehen, sie lechzen nach Bodenständigem. So was bietet das Schicki-Micki-Joggeli nicht.

Daher lautet mein Vorschlag: Solange keine internationalen Spiele anstehen, soll der FCB in der Provinz kicken. Schon nur die Namen potenzieller Spielstätten riechen nach Schlammschlacht und Foul: Margelacker (Muttenz), Wolfstiege (Gelterkinden), Im Seichel (Nunningen). Und wenn Cüpli-trinkende «Fans» auf der Welschenmatt (Münchenstein) vergeblich die VIP-Lounge suchen, stell ich mir das ziemlich witzig vor.
Falls Sie jetzt mein Vorschlag schockiert: Ihr ach so städtischer Club ist baselbieterischer, als sich das Karli Odermatt vorstellen kann. Das fängt schon bei der gefürchtetsten aller Fan-Ecken an. Heisst die vielleicht Gellert-Kurve? Eben. Die Spieler wohnen sowieso schon lange in Vorortsvillen, wo ihre dicken Schlitten auch hingehören. Auf dem baslerischsten Verkehrsmittel, dem Velo, sieht man sie jedenfalls nur im Trainingslager. Stichwort Training: Das findet beim FCB schon lange in Münchenstein statt.

Sogar die Vereinsfarben sind eher baselbieterisch als baslerisch. Rot kommt nur im Landwappen vor, blau in keinem. Und sowieso: Es gibt mehr Baselbieter als Basler FCB-Fans. Ist ja schon bei der Basler Fasnacht so, dass mehr Rampassen mitmachen als Städter. Vielleicht wären FCB-Gastspiele im mittelmässigen Baselbieter Dreck sogar ein klitzekleiner Beitrag zur Versöhnung der beiden Basel. Man wird ja wohl noch träumen dürfen.