Einen Namen hat das Projekt noch keinen. Und definitiv beschlossen ist noch gar nichts. Doch für die 40 000 Quadratmeter nördlich des Bahnhofs Pratteln gibt es schon recht klare Ideen. Derzeit betreibt dort Coop noch ein Verteilzentrum, dieses zieht aber im Verlauf dieses Jahres nach Salina Raurica um. Die auf ökologische und soziale Bauprojekte spezialisierte Immobilienfirma Logis Suisse hat das Land bereits gekauft und treibt die Planung derzeit voran, auf eigene Kosten.

Hauptakteure sollen aber zukünftig andere sein. In den Bürogebäuden entlang der Geleise sollen nämlich regionale Gewerbebetriebe und Kulturschaffende einziehen, erklärt Marianne Dutli Derron, Projektverantwortliche bei Logis Suisse. Ihr schwebt etwas Ähnliches wie im Münchensteiner Walzwerk oder dem Liestaler Hanro-Areal vor. Dort finden nicht oder kaum Gewinn bringende Kleinunternehmen günstige Räume für ihre nicht alltäglichen Tätigkeiten, oft im künstlerischen Bereich. Synergien zwischen den Unternehmen sind ausdrücklich erwünscht. Koordinieren soll das die Denkstatt Sàrl. Dieses Büro bespielt unter anderem das Walzwerk, das Gundeldinger Feld in Basel und demnächst das Ziegelhof-Areal in Liestal.

170 Millionen für Wohnungen

Der nördliche Teil hingegen soll dem Wohnen vorbehalten sein. Die IG Cooperation, bestehend aus fünf Basler Wohnbaugenossenschaften, will rund 350 Wohnungen erstellen. Dafür würden sie eine halbe Million pro Wohnung, also rund 170 Millionen Franken investieren, rechnet Jörg Vitelli vor, der als Präsident des Regionalverbands der Wohnbaugenossenschaften Schweiz die Verhandlungen für die IG führt. «Allein könnte das keine Genossenschaft der Region stemmen.» Das Nebeneinander von kreativem Gewerbe und genossenschaftlichem Wohnen sei im Sinne des Genossenschaftswohnbaus, betont er. Und nachdem rund um den Bahnhof viele teure Wohnungen gebaut worden seien, brauche Pratteln «Wohnraum für nicht so gut Verdienende».

Gebaut werden könne voraussichtlich ab 2022, sagt Dutli Derron. Doch das kreative Gewerbe soll das Areal bereits ab nächstem Jahr in Beschlag nehmen, in Form von Zwischennutzungen. Welche architektonische Form all diese Pläne erhalten, ist noch offen. Sicher stehen bleiben wird das geschützte Eckgebäude im Südwesten. Das Silo im Südosten könnte für das kreative Gewerbe interessant sein.

Laut Dutli Derron soll sich die Dichte an der aktuellen Bauzone orientieren, die 18 Meter hohe Gebäude mit sechs Etagen zulässt. Für das ganze Areal besteht eine Quartierplanpflicht. Ein Hochhaus wäre möglich, aber eher unwahrscheinlich. «Im gemeinnützigen Wohnungsbau sind Hochhäuser unüblich», sagt Dutli Derron. Man will ein Quartier mit attraktiver und dichter Wohn- und Gewerbenutzung schaffen, das zum Anziehungspunkt innerhalb der Gemeinde und der Region wird. Ziel sei nicht ein weiteres Leuchtturmprojekt für Pratteln. «Wir sind zufrieden, wenn das Quartier funktioniert.»

Gemeinderat Rolf Wehrli (FDP) hat allerdings leicht andere Vorstellungen. «Es soll sicher nichts Banales geben», meint er, sondern «eine urbane Sache». Zum Beispiel könne man mit der Platzierung der Gebäude etwas Spielerisches schaffen. Aber im Grundsatz steht der Gemeinderat hinter den Ideen von Logis Suisse. Den Einzug der Kreativen hält Wehrli für «eine gescheite Sache», die günstigen Wohnungen habe Pratteln dringend nötig. «Es ist eine goldige Chance für Pratteln, ein Quartier mit der Verbindung von Wohnen und Kreativität so attraktiv zu machen.»