«Bei meinem ersten Drucker konnte ich stundenlang zuschauen, wie er das Produkt Schicht um Schicht aufbaute», beschreibt Sebastian Pfirter seine Faszination. Beim Zuschauen ist er nicht stehen geblieben: Im Büro seiner «Designerei» im Liestaler Hanro-Areal stehen bereits die zweite und dritte Generation des von ihm entwickelten Druckers, der aus Kunststoff jene dreidimensionalen Gebilde entstehen lässt, die Pfirter zuvor am Computer konstruiert hat.

3-D-Drucker sind mittlerweile für weniger als 1000 Franken erhältlich. Was treibt einen selbstständigen Industriedesigner dazu, mehrere hundert Stunden in die Entwicklung eigener Drucker zu stecken?

Dass seine Geräte später von einem Hersteller in Serie gebaut würden, steht für Pfirter überhaupt nicht im Vordergrund. «Zu Beginn war es vor allem ein Hobby, die Neugier, eine Technologie, die noch im Stadium der ‹Garagen-Erfinder› steckt, von Grund auf zu verstehen.» Mittlerweile schätzt er die Unabhängigkeit von kommerziellen Anbietern. Zwar hat er die Motoren, welche die Grundplatte und den Druckkopf bewegen sowie einen Teil der Metallteile eingekauft, andere selbst gedreht. Die Kunststoffteile seiner Maschinen druckt er jedoch selbst. Reparaturen? Kein Problem. Und die Steuer-Software hat er auf Open-Source-Basis selbst weiterentwickelt.

Was zu viel ist, wäscht er weg

Zudem kann er auf seinem Drucker zwei Materialien gleichzeitig verarbeiten, was billige Drucker nicht schaffen. Vorteil: Stützstrukturen, die nötig sind, da der Drucker «überhängende» Teile nicht in die Luft drucken kann, lässt Pfirter aus einem wasserlöslichen Material auflaminieren. «Dann kann ich das fertige Produkt in Wasser einlegen und überflüssige Teile lösen sich auf.» Übrig bleibt das Stück aus einem Kunststoff auf der Basis von Maisstärke, mit dem er bevorzugt arbeitet.

Ursprünglich hat der 30-Jährige in einem Architekturbüro in Titterten Hochbauzeichner gelernt. An der Fachhochschule bildete er sich zum Industriedesigner weiter und arbeitete dann bei Oris in Hölstein als Designer für Uhren, bevor er sich 2012 mit der «Designerei» selbstständig machte. Über seine Kunden aus der Messgeräte-, Möbel-, Haushaltgeräte- oder Solarbranche, für die er Produkte entwickelt, hält Pfirter sich bedeckt. «Ich bin nicht Ingenieur, sondern Tüftler, der an der Schnittstelle zwischen Technologie und Anwender dafür sorgt, dass die Geräte angenehm zu bedienen sind.»

Dabei kommt ihm beim Design für unterschiedliche Fertigungstechniken sein Erfahrungswissen, das er sich nicht zuletzt bei der Entwicklung seiner Werkzeuge erarbeitet hat, ebenso zugute wie der 3-D-Drucker selbst. «Ich kann immer sofort überprüfen, ob eine Konstruktion funktioniert: Ich schalte am Abend den Drucker ein, am nächsten Morgen habe ich den Prototyp in der Hand. Dies ist jeweils ein hochspannender Moment.»

Tüftler aus Passion

Der Aufbau der Stücke in hauchdünnen Schichten ist zeitaufwendig. Deswegen versucht Pfirter, so wenig Material wie möglich zu verwenden. Der Kunststoff wird dem Drucker in Form eines dicken Drahts zugeführt und im Druckkopf so aufgeheizt, dass er durch die wenige Zehntelmillimeter feine Düse gespritzt werden kann. Dieser Materialfluss begrenzt die Druckgeschwindigkeit.

Trotzdem sieht Pfirter auch in der Produktion Möglichkeiten für den 3-D-Druck. Das Verfahren sei jeweils für Formen interessant, die auf CNC-Maschinen nicht machbar sind. Zudem ist 3-D-Druck materialsparend, da das Werkstück nicht aus einem Block herausgefräst wird und kein Abfall entsteht. Auch entfällt die Herstellung der teuren Formen, wie sie etwa für Spritzguss erforderlich sind. Doch Pfirter interessiert vor allem das Tüfteln: «Da muss man so viel beachten und es gibt so viele unvorhersehbare Einflüsse: Dieses ‹trial and error› ist einfach faszinierend.»