Das kommt nicht oft vor. Normalerweise balgen sich die Kantone heftig um Bundessubventionen. Hier aber will Bern eine Strasse mitfinanzieren und Basel-Stadt ziert sich. Doch nun reisst den Bundesbehörden allmählich der Geduldsfaden. Basel-Stadt soll endlich Nägel mit Köpfen machen.

Hans-Peter Wessels dagegen hat nie einen Hehl daraus gemacht, was er von den Plänen für einen Gundelitunnel hält: wenig. Seit Jahrzehnten liegt das Projekt bereits auf Eis. Und geht es nach dem Basler Baudirektor, wird sich daran auch so rasch nichts ändern. Wiederholt hatte er erklärt, dass der Tunnel das Gundeldingerquartier kaum entlaste – zumal im Baselbiet die Anschlussmöglichkeiten an die Autobahn A 2 fehlten.

Und nachdem im Nachbarkanton Baselland Ende 2015 die sogenannte Elba-Vorlage inklusive der stadtnahen Tangente mit den Tunneln Allschwil und Binningen verworfen worden war, erklärte SP-Regierungsrat Wessels sogleich, dass nun der Gundelitunnel für Basel-Stadt auch keine Rolle mehr spiele. Immerhin habe es ihn bisher auch nicht gebraucht. «Dies deutet darauf hin, dass kaum jemand darauf wartet und dass das Projekt keinen offensichtlichen Nutzen stiftet.»

Nationales Interesse

Doch nun beginnt der Bund damit, Druck zu machen. Die Bundesämter für Strassen (Astra) und für Raumplanung (ARE) haben soeben den Sachplan Verkehr veröffentlicht, zu dem die Kantone nun Stellung nehmen können. Dieser soll sicherstellen, dass räumliche Entwicklung und geplante Verkehrsprojekte aufeinander angepasst sind.

«Der Bund wahrt damit nationale Interessen und hält sich Optionen für die Weiterentwicklung der Nationalstrasseninfrastruktur offen», schreiben die Bundesbehörden. Es ist erklärtes Ziel des Bundes, das Nationalstrassennetz endgültig fertigzustellen. Dazu fehlen nur noch wenige Strassenabschnitte wie beispielsweise die A 9 im Oberwallis, die A 16 Transjurane – oder eben der Gundelitunnel.

Der Bund habe ein Interesse am Gundelitunnel, stellt Astra-Sprecher Thomas Rohrbach gegenüber der «Schweiz am Wochenende» klar. «Aus unserer Sicht hätte er positive Wirkung auf die Verkehrsströme.» Heute wird der Verkehr von der A 2 grösstenteils über die Nauenstrasse und den Centralbahnplatz Richtung Westen geführt.

Das Gundeldinger Quartier werde so stark belastet, was die Weiterentwicklung des öffentlichen Verkehrs im Gebiet Bahnhof, Gundeli und Dreispitz behindere. Der rund zwei Kilometer lange Stadttunnel soll daher das Quartier unterqueren und beim Zolli wieder auftauchen. So werde das Quartier entlastet und der öV könne weiter entwickelt werden.

Schon länger liegt ein Beschluss des Bundesparlaments für das 600-Millionen-Projekt vor. Geplant ist, dass Basel-Stadt 200 Millionen Franken zahlt. Der Bund würde sich mit rund 400 Millionen an den Baukosten beteiligen und dann für Betrieb und Unterhalt aufkommen. Nun wäre es an Basel-Stadt, ein generelles Bauprojekt zu erarbeiten.

«Wir warten darauf», sagt Rohrbach, «und wären froh, wenn Basel-Stadt mal einen Grundsatzentscheid fällen würde.» Der Sachplan soll dafür sorgen, dass das Projekt nicht vergessen geht. Er verpflichte aber noch zu gar nichts, hält der Astra-Sprecher fest.

Kanton will kein Risiko eingehen

«Wir haben Verständnis für die Ungeduld beim Bund», sagt Roger Reinauer. Immerhin habe das Astra den Auftrag, das Nationalstrassennetz fertigzustellen, so der Leiter des Basler Tiefbauamts. «Wir müssen den Bund aber weiter vertrösten.» Solange Baselland die stadtnahe Tangente als Verlängerung nicht baue, bringe der Gundelitunnel wenig.

Die Baselbieter Regierung wolle an dem Projekt zwar festhalten, habe nach dem Nein zu Elba aber signalisiert, dass sie rund fünf Jahre benötige, um es neu aufzuarbeiten. Basel-Stadt seinerseits brauche erst verbindliche Zusagen aus Liestal, bevor der Gundelitunnel weiter angegangen werde. Denn ab jetzt werde es teuer: Für das Vorprojekt rechnet Basel-Stadt mit Kosten zwischen 10 und 20 Millionen Franken. Reinauer: «Wir wollen nicht riskieren, so viel Geld in den Sand setzen.»

Befürworter drücken aufs Gas

In Basel gibt es aber auch Stimmen, die den Bau vorantreiben wollen. So die Handelskammer beider Basel (HKBB). «Die Region braucht ein leistungsstarkes und funktionales Hochleistungsstrassennetz», betont der stellvertretende Direktor Martin Dätwyler. Der Verband hatte die Regierung denn auch schon zum Grundsatzentscheid aufgefordert – wenn nötig per Volksentscheid. Von Wessels werde das Projekt aber weiterhin nicht prioritär behandelt. Das Baselbieter Nein zu Elba komme ihm da natürlich gelegen, kommentiert Dätwyler.

Die Basler Behörden aber bleiben zurückhaltend. Skepsis herrsche vor allem darüber, dass Baselland die Finanzierung der Tangente hinbekomme, lässt Reinauer durchblicken. «Sollte Baselland irgendwann tatsächlich aufgeben, könnte der Gundelitunnel nicht den nötigen Nutzen erbringen und wir müssten wohl darauf verzichten.»

Und damit auf Hunderte Millionen aus Bundesbern. Das sei grundsätzlich möglich, meint Astra-Sprecher Rohrbach. Der Netzbeschluss des Bundes könnte entsprechend angepasst werden. «In den letzten 50 Jahren aber ist es nur zweimal soweit gekommen.»