In der alten Halle von Haagen sind wieder einmal die Zunftöbe über die Bretter der Fasnachtswelt gedonnert. Die fasnächtliche Bühnenveranstaltung liegt seit Jahren in den Händen der Narrenzunft Lörrach (1936!). Nur gerade acht Zunftmeister bestreiten in 37 verschiedenen Rollen einen Abend, der manchen Basler Vorfasnachts-Veranstaltungen in Nichts nachsteht.

In erster Linie werden restlos alle Akteure der Lörracher Politik und Verwaltung in die Pfanne gehauen, dass es eine Freude ist. Und sie werden, auch in brillianten Frauenrollen, von den Zunftmeistern meisterhaft karikiert. Dies übrigens auch zur Freude der Opfer der Kritik, die hier, verteilt in den neun Vorstellungen, vom neuen Oberbürgermeister Jörg Lutz bis zu allem Chefbeamten, die sich Schnitzer geleistet haben, dabei sind und von Herzen mitmachen.

Man weiss hier, wie in Basel, dass die schlimmste fasnächtliche Strafe darin besteht, dass man nicht auf die Rolle geschoben wird. Die Themen gleichen frappant den lokalen Sujets bei den Basler Nachbarn. Verkehrsregime und Auto-freie Innenstadt werden in diesem Jahr besonders angereichert durch die Poller-Manie, die bald einmal zu Polleroid-Überwachung und aktuellen Poller-Berichten der Pollerzei ausartet. Auch die über-differenzierte Abfall-Bewirtschaftung gibt eine Lachsalven-Nummer her. Schliesslich werden die mit Schweizer PW angelieferten Abfälle wieder mit badischen LKW’s zur Müllverbrennung nach Basel retourniert.

Leckerbissen Tramlinie Acht

Basel und die Schweiz rangieren als beliebte Zielscheiben gleich hinter der Stadt Weil am Rhein, welche traditionellerweise für Lörrach die gleiche Rolle spielt wie Zürich für Basel. So ist die neue Tramlinie Acht ein Leckerbissen, führt diese doch sowohl durch die tiefe Provinz von Friedlingen zu den Eidgenossen, welche den roten Pass längst gegen die grünen Ausfuhrscheine getauscht haben. Die polnische Tramfahrerin mutiert flugs zur Tram-polin. Und unzählige Situationskomik gibt Stoff für unerwartete, fantasievolle, aber auch hintergründige Wortspiele in bester Cabaret-Art. Klamauk auf hohem Niveau bieten drei vertrottelte Senioren mitsamt einem eben solchen Polizisten mit ihrem Bankraub-Versuch sowie die traditionelle Nummer der zwei Määrtwyyber mit ihren aktuellen Kommentaren auf dem Lörracher Gemüsemarkt.

Ein ganz besonderer Applaus verdient und erhält eine Parabel mit dem König und seinem Hofnarren, der uns den Spiegel vorhält. Dieses Kabinettstück ist in subtilen Versen gedrechselt und bringt eine nachdenkliche Note in die übervolle alte Halle in Haagen. Und es zeigt, wie unsere Fasnachtsfreunde in der Stadt der Güggel, Frösche und Schnecken mit feinem Gespür die «fünfte Jahreszeit» nicht nur für Spass, Lebensfreude und Schabernack zu nutzen wissen, sondern auch als Pranger für die ernsten gesellschaftlichen oder politischen Probleme und schlechten Zeitgeist.

Zünftig aufspielende Laien

Auch wenn der Gesang, die Texte und die Darbietungen professionell daherkommen, wird doch diese traditionelle Veranstaltung seit eh und je und von A bis Z von Laien, eben von den Zunftmeistern, gemeistert. Die Zunftabende leben und müssen sich keine Sorge um eine blühende Zukunft machen, werden doch unter der Ägide von Oberzunftmeister Stephan Vogt nicht nur die grossartigen altgedienten Akteure gepflegt.

Auch der Nachwuchs, heuer mit Philipp Buser und Christoph Schuldt, brilliert in seinen Rollen. Wer im nächsten Jahr dabei sein will, muss sich frühzeitig um Karten kümmern.