Wer sie schon in Solothurn besuchte oder in Brugg-Windisch, der schwärmt in den höchsten Tönen von ihr: der Authentica. Am Wochenende feierte die Spezialitätenmesse rund um «kostbare Produkte mit starken Wurzeln», wie es im Begleitbüchlein heisst, ihre Premiere in Basel. Und man kann dem organisierenden Trägerverein Mut zum Unkonventionellen nicht absprechen.

Denn eine Authentica, das haben sich die Organisatoren auf die Fahnen geschrieben, findet nicht in tristen Messehallen statt, sondern an geschichtsträchtigen Orten, die alleine einen Besuch wert wären. So schlugen die Holzdrechsler, Whiskybrenner und Meerrettichpulverisierer ihre Zelte weit über der Stadt auf, auf dem Bruderholz, im Filter4 genau, jener heutigen Kultur-Anlage, die bis 2006 zahlreiche Basler Haushalte mit Trinkwasser versorgte.

Viel Kreatives aus der Region

Hansruedi Leonhard ist nicht der einzige Aussteller, der die Standortwahl als mutig empfand; ein Fussmarsch von der nächsten Busstation entfernt, kaum Parkplätze und dann auch noch die regnerische Witterung. Trotzdem ist der Muttenzer dabei mit seiner kleinen Manufaktur, der «Leonhard-Art». Mit seinen Veloketten, die nun Flaschenöffner sind und dem Passe-vite als Lampenschirm.

Und nun das: Die Besucher drängen sich an seinem Stand, dass der Kunsthandwerker begeistert sagt, er habe noch nie einen liebevolleren Markt mit einer schöneren Stimmung erlebt. Dieses Kompliment gilt nicht nur den Besuchern; es gilt auch seinen Mitausstellern, den Macherinnen und Machern, wie sie im Authentica-Jargon heissen, den Landwirten, Verarbeitern, Handwerkern und Künstlern, die von überall aus der Schweiz gekommen sind, um «Produkte mit echten Geschichten» zu präsentieren.

So eine Geschichte könnte jeder der Aussteller erzählen. Die Thommens aus Eptingen, die seit 2008 Urdinkel anbauen und ihn mit grossem Erfolg als Kernotto verkaufen. Ihr Produkt, das sie aus einem Kessel über offenem Feuer schöpfen, hat sich zu einem Botschafter der Baselbieter Küche gemausert. Yves Burkhard aus Langenthal, der stattliche Grills aus Stahl schweisst; Risa, die letzte Hutmanufaktur der Schweiz; André Fasolin aus Ziefen, dessen Tongefässe aus Rohstoffen entstehen, die er in seiner nächsten Umgebung sammelt. Oder Ingwersaft aus Pully, Meerrettichpulver aus Willisau, Single Malt Whisky aus Ormalingen.

60 handverlesene Aussteller

Ständerätin Anita Fetz umschreibt die Authentica im Begleitbüchlein zur Messe als Gegenpunkt zur kurzatmigen Konsumhast. Es scheint, als verinnerliche Benjamin Hohlmann genau diese Worte, während er seine frischgerösteten Rukira-Kaffeebohnen aus der Region Nyeri in Kenia aufs Gramm genau abwiegt. Er mahlt und bereitet schliesslich einen Filterkaffee zu, den er hemmungslos schlürft. Kaffee, sagt er, sei nicht minder komplex als Wein. Und mit Filter zubereitet fast schon teeartig, vielschichtig und: vollmundiger, fruchtiger, milder und authentischer als mit jeder anderen Zubereitung.

«Die Essenz des Guten», lautet der Untertitel der Spezialitätenmesse, die den Konsumenten von billiger Massenware gedenkt wegzuführen hin zum nachhaltig Produzierten. Und das Gute ist es, das hier kulminiert. Die 60 Aussteller sind handverlesen, nach zwei Teilnahmen müssen sie ihren Platz räumen. Das sei zwar aufwendig, gesteht Organisator und Gastgeber Urs Bucher ein, «aber es lohnt sich».

Für den Solothurner ist die Premiere in Basel geglückt und eine Rückkehr im kommenden Jahr vorgesehen. Er lobt vor allem den Groove Basels, Nachhaltigkeit, Regionalität und Wertigkeit von Produkten würden hier grossgeschrieben. Darum ist es den Ausstellern auch wichtiger, ins Gespräch zu kommen und ihre Geschichten zu erzählen, als zu verkaufen. Das merkt man.