Die Penta-Electric AG, die demnächst von Münchenstein nach Liestal umzieht, hat besondere Kunden, die beispielsweise Bakterien verwöhnen: Diese kommen in eine Nährlösung, dann schaut man, dass sie die richtige Wohlfühl-Temperatur haben, um sich zu vermehren, und dass sich keine falschen Konkurrenten breitmachen. Steigt ihre Zahl, füllt man sie in grössere Behälter um, bis sie in einem 15-Tonnentank in einer Vollversammlung vereinigt sind. Die Bakterien danken für dieses Schlaraffenland, indem sie Substanzen produzieren, die beim Menschen als Arznei wirken. Diese Stoffe entzieht man nun dem Tank und macht Medikamente daraus.

Was sich so locker anhört, erfordert komplexe Anlagen. Da muss man an verschiedenen Punkten allerlei messen, die Daten dem Computer zuführen, der den Prozess steuert, indem er Sensoren abfragt, Messergebnisse interpretiert, im richtigen Moment Pumpen in Betrieb setzt, Ventile öffnet und schliesst oder heizt und kühlt. Umgeben ist so eine Anlage von Apparaten, welche beispielsweise die Nährlösung zubereiten oder das Reinwasser aufbereiten, um die Anlage nach jeder Charge zu reinigen. Da sind für den gesamten Komplex bald einmal 100 Kilometer Kabel nötig. Und ohne die richtigen Geräte und eine spezialisierte Software läuft nichts.

Die Konzeption, Planung und Installation der gesamten elektrischen Komponenten solcher Prozess-Anlagen ist die Spezialität der Penta-Electric AG im Münchensteiner Teil des Dreispitz-Areals. Dabei gehe es nicht nur wie im geschilderten Beispiel um biotechnische Reaktoren, sondern auch um die Leittechnik komplexer chemischer oder allgemein industrieller Prozesse, etwa in der Papierindustrie, berichtet Direktor Raymond Weider.

Alles Elektrische aus einer Hand

Benötigt ein Penta-Electric-Kunde wie beispielsweise Novartis, Roche, Bachem, Bayer, Lonza, BASF, Dottikon oder CABB eine neue Anlage, stellt er oft ein Projektteam zusammen, in das Penta-Electric ihre Mitarbeiter entsendet. Deshalb gibt es für die 120 Schweizer Penta-Mitarbeitenden im Liestaler Neubau an der Hammerstrasse nur 75 Arbeitsplätze. Die anderen sind entweder auf Montage oder als Engineering-Spezialisten an Kunden ausgeliehen, wo sie zusammen mit den Lieferanten der mechanischen Teile der Anlage und der Spezial-Apparaturen den Komplex bis ins Detail konzipieren: Welche Messgeräte und welche Sensoren von welchen Herstellern nimmt man? Wo muss die Installation funkenfrei explosionssicher ausgeführt sein? Wo kommt besser Druckluft als Strom zum Einsatz? Wo ist Reinraumtechnik gefordert? Was muss der Kunde später während der Produktion auf den Bildschirmen sehen?

Ist eine spezielle Software erforderlich, kann Penta-Electric diese selbst entwickeln. In der Regel aber verlässt man sich auf Standard-Software, die für die neue Anlage konfiguriert wird.

Bei den Komponenten von der Kabelklemme bis zum Industriecomputer pflegt man eine enge Partnerschaft mit Siemens. Stolz weist Weider darauf hin, dass Penta-Electric von Siemens als Pharma-Spezialist zertifiziert ist. Für die Montage fertigt Penta-Electric dagegen die mechanischen Teile für die Aufhängung der Kabel mit den eigenen Schlossern selbst.

Hauptsitz kommt nach Liestal

Gegründet wurde das Unternehmen 1993, mit der Ermutigung der Kunden aus der Basler Chemie, um der Region wichtiges Know-how zu sichern. Die erste Anlage, für welche die neu entstandene Penta-Electric die Elektro- und Instrumentierungstechnik plante und installierte, war der Sondermüllofen in Kleinhüningen. Neben der Spezialisierung auf Prozessanlagen in der Pharma und Feinchemie lieferte man auch Steuertechnik für Papierfabriken und Kraftwerke.

Der Umzug nach Liestal soll nun das Platzproblem in den Räumen im Dreispitz lösen, das behelfsmässig mit einer Lagerhalle in Pratteln überbrückt wird. Die Niederlassung in Grenzach, von wo aus 37 Mitarbeitende Kunden im EU-Raum betreuen, bleibt bestehen.

Auch die Ausbildung organisiert Penta-Electric grenzüberschreitend: Die zwei Automatiklehrlinge machen zwar eine eidgenössische Lehre. Doch die beiden angehenden Ingenieure holen sich das theoretische Wissen für ihren Bachelor in der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Lörrach, während sie den praktischen Teil in der Schweiz absolvieren.

Der Wechsel nach Liestal führt aber nicht nur die verschiedenen Teile unter einem Dach zusammen. Vielmehr ist Weider froh, nach einem Vierteljahrhundert endlich über eine firmeneigene Liegenschaft mit einer vorläufig als Parkplatz genutzten Landreserve für künftiges Wachstum zu verfügen.