Der Handel mit Cannabis-Produkten blüht. Seit der Industrie-Hanf-Hersteller Swiss Cannabis SA vergangenen Herbst in Bern und Basel die ersten Hanf-Theken eröffnet hat, spriessen allerorts neue Hanfläden aus dem Boden. So auch vor drei Wochen der «Hanf-Kiosk» in Liestal. Dort besonders gefragt: Produkte mit dem Wirkstoff Cannabidiol (CBD) und Lebensmittel mit Hanfzusatz. Doch was als Verkaufsschlager und Wundermittel gegen allerlei Beschwerden einen rasanten Aufschwung erfahren hat, alarmiert Bund und Kantone. Produkte ohne entsprechende Zulassung lösen bei den Behörden zunehmend Handlungsbedarf aus.

Verwirrende Zuständigkeiten

Volkan Kaymaz, Co-Geschäftsführer der Schweizer Hanftheken, erklärt die wachsende Beliebtheit cannabishaltiger Produkte: «Geschätzt werden insbesondere die positiven und wohltuenden Eigenschaften dieser Jahrtausende alten Nutzpflanze. Was bei CBD besonders geschätzt wird, ist die Tatsache, dass es eine entspannende Wirkung hat, ohne berauschend zu wirken.» Kaymaz und sein Geschäftspartner Yilmaz Simsir haben vor der Eröffnung ihrer ersten Hanftheke eine Zulassung als Lebensmittelbetrieb erhalten. «Zudem wurde die Hanftheke Bern unmittelbar nach der Eröffnung vom Berner Kantonsapotheker sowie vom Berner Lebensmittelinspektorat inspiziert», ergänzt Simsir. Nebst kleineren Baumängeln wurde lediglich der frühere Name «Hanf-Apotheke» beanstandet, der sofort geändert wurde.

Bezüglich Inhaltsstoffen erklärt Lukas Jaggi, Mediensprecher des schweizerischen Heilmittelinstituts Swissmedic:: «CBD untersteht nicht dem Betäubungsmittelgesetz, weil es keine psychoaktive Wirkung ausübt. Das bedeutet aber nicht, dass CBD-haltige Produkte beliebig gehandelt und angeboten werden dürfen.» Problematisch bei den Hanf-Produkten sei, dass ihr Verwendungszweck nicht immer eindeutig deklariert sei, was die Zuordnung zu einer Gesetzgebung erschwere. «Produkte werden einzeln, je nach Merkmalen wie Anpreisung, Zweckbestimmung, Anwendung, Zusammensetzung oder Dosierung einer Produktkategorie zugeteilt. Diese Zuordnung bestimmt, welche gesetzlichen Vorschriften anwendbar sind.» Würden Produkte mit Heilanpreisung verkauft, gelten sie als Arzneimittel und bedürfen einer Zulassung durch Swissmedic. Nahrungsergänzungsmittel wie Hanfsamen hingegen fallen gemäss Jaggi unter die Zuständigkeit des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). Rauchwaren wie getrocknete Hanfblüten wiederum müssen vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) zugelassen werden. Ausserdem sind sie tabaksteuerpflichtig, was sich deutlich auf den Verkaufspreis auswirkt. Zulassungsgesuche müssen vom Anbieter eingereicht werden, damit die zuständige Behörde kontrollieren kann. «Deshalb werden Produkte mit CBD in der Regel ausdrücklich nicht als Arzneimittel angepriesen», kommentiert Jaggi die Umgehungstaktik einiger Anbieter.

Vollzugshilfe für Kantone

Um Klarheit zu schaffen und einheitliche Kontrollen des Marktes durch die Kantone zu ermöglichen, arbeiten Swissmedic, BAG, BLV und Kantonsapotheker zurzeit an einem Merkblatt zu CBD-Produkten. Dieses soll Ende Februar publiziert werden. Nicht nur die Kantone begrüssen diese Vollzugshilfe. Auch für Anbieter wie die Hanftheken sind eindeutige Richtlinien wichtig. Volkan Kaymaz bestätigt: «Swiss Cannabis steht einer angemessenen Regulierung offen gegenüber und begrüsst klare Verhältnisse.» Doch solange keine behördliche Anweisung erfolgt, bleibt die Hanftheke im Basler Gundeli geöffnet. Der Hanf-Kiosk in Liestal, der seine Produkte ebenfalls bei Swiss Cannabis bezieht, bleibt hingegen auf der sicheren Seite. Bis auf Weiteres ist das neue Geschäft geschlossen.