Wer heute auf dem südlichen Teil der Hauptstrasse in Aesch unterwegs ist, kann fast nicht rasen. Denn Reihen von Parkplätzen verengen die Fahrbahn, kreuzen ist nur knapp möglich. Breitere Fahrzeuge, etwa Lastwagen, müssen sogar oft Gegenverkehr abwarten.

Das möchte der Kanton, dem die Strasse gehört, ändern. Im Laufe der Sanierung des Abschnitts sollen von rund 26 Parkplätzen aktuell nur noch 6 bestehen bleiben. Die Absicht dabei: Mehr Sicherheit schaffen. «Es gibt auf dem Abschnitt diverse Ausfahrten, die nicht mehr den Standards entsprechen», sagt Robert Leu, Projektleiter im kantonalen Tiefbauamt. Konkret heisst das: Beim Hinausfahren fehlt die Übersicht über den fahrenden Verkehr.

Doch die Anwohner möchten die Parkplätze behalten. Sie seien wichtig, um ihre Häuser zu beliefern, wenn Handwerker oder Besucher da seien. Die derzeit auf der Hauptstrasse abgestellten Autos würden dann anderswo abgestellt, vermutlich in der Römerstrasse, einer Quartierstrasse. «Dort sollte es doch ruhig bleiben», findet Anwohner Vito Tomaselli.

«Und ohne Parkplätze wird die Strasse noch mehr zur Rennbahn, als sie es jetzt schon ist.» Zusammen mit anderen Betroffenen hat er ein Komitee gegründet. Bereits über 60 der rund 150 betroffenen Anwohner haben ihre Unterschrift abgegeben. Gemeinsam wollen sie im derzeit laufenden Auflageverfahren eine Einsprache einreichen.

Der Kanton sieht es aber nicht als seine Aufgabe an, Parkplätze zur Verfügung zu stellen. Und Robert Leu, Projektleiter im Tiefbauamt, hält die Befürchtungen der Anwohner für unbegründet. Die Strecke sei leicht kurvig und daher nicht als Rennstrecke bekannt. Es gelte Tempo 50, «daran haben sich alle zu halten». Mit der Sanierung werde die Fahrbahn nur minim breiter. Aufgabe des Kantons sei es nicht, Schikanen zu bauen, sondern den Verkehrsfluss sicherzustellen.

Für Polizei geht Sicherheit vor

«Wir bauen die Parkplätze nicht zum Spass ab», betont Leu und verweist auf den kleinen Spielraum des Kantons. Einerseits sei die Strasse eine Schwerverkehrsroute. Andererseits werde die Polizei Parkplätze, welche die Sicht stören, nicht bewilligen. «Bei Tempo 50 geht für sie die Sicherheit immer vor.»

Für Sicherheit haben die Anwohner aber bereits selber gesorgt. Sie haben nämlich bereits vor Jahren – auf eigene Kosten – vor ihren Ausfahrten Spiegel aufgestellt. «Wir werfen lieber einen Blick mehr als nötig darauf», sagt Tomaselli. «Dann sieht man gut, ob Verkehr kommt.» Deshalb sei bisher noch nie etwas passiert.

Offenbar wollte das Tiefbauamt vor über zwanzig Jahren noch mit Parkplätzen den Verkehr beruhigen. «Ich liess damals einige Parkplätze zurückzonen», sagt Anwohner Christoph Tripet. «Der Kanton sagte mir damals, er wolle die übrigen Parkplätze stehen lassen, um den Strassenraum eng zu halten.»

Die Gemeinde ist ähnlicher Meinung wie das Komitee. Sie habe sich bereits in der Vernehmlassung 2012 «für einen mindestens teilweisen Erhalt der Parkplätze in diesem Gebiet» eingesetzt, schreibt Gemeinderätin Sabrina Häring (FDP) auf Anfrage Tripets. Darauf führt sie den Erhalt der sechs Parkplätze zurück. «Eine Erweiterung dieser Parkplatzzahl liegt durchaus auch im Interesse der Gemeinde.» Häring lässt den Anwohnern aber wenig Illusionen, wenn sie schreibt: «Die normgemässe Breite von Hauptstrassen ist ein Konzept des Kantons, in welchem wohl kein Entgegenkommen geboten wird.»