Sag mir, was Du brauchst, und ich erarbeite Dir eine Studie dazu. Das gilt auch für die Baselbieter FDP: Sie bestellte eine Expertise, die aufzeigen sollte, dass bei der Universität Basel sehr wohl Sparpotenzial vorhanden wäre. Das tat das Papier dann auch. Sodass die FDP zum Schluss kommen darf, der klamme Kanton Baselland könne seinen Uni-Beitrag ruhig um 40 bis 60 Millionen Franken stutzen. Ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.

Reaktionen

Der «Todesstoss» für die Uni

Die Empörung in Basel flachte auch gestern nicht ab. Christoph Eymann sagte in einem Interview mit «Telebasel», die von der Baselbieter FDP-Landratsfraktion vorgeschlagenen Einsparungen an der Universität Basel würden für diese den «Todesstoss» bedeuten. Denn Basel-Stadt müsse gemäss Universitätsvertrag auch seinen Beitrag in der selben Höhe reduzieren. Die FDP-Sparpostulate sehen Einsparungen in der Höhe zwischen 40 bis 60 Millionen Franken vor. Der Basler Bildungsdirektor zweifelt die Studie auch fachlich an. Beim Generieren von Drittmitteln sei die Uni Basel bereits heute die schweizweit beste Universität, «anderslautende Aussagen der FDP Baselland sind schlicht falsch». Eymann sagt, er hätte sich gewünscht, er wäre von seiner Baselbieter Amtskollegin Monica Gschwind vororientiert worden. Gschwind schreibt auf Anfrage, sie habe von der Durchführung der Medienkonferenz und der Einreichung der Postulate gewusst.

Gar von einem «fatalen Todesstoss» spricht CVP-Grossrat Oswald Inglin. Der Präsident der Bildungskommission befürchtet, schon nur die Ankündigung von derart einschneidenden Sparmassnahmen habe «Folgen für die Reputation in akademischen Kreisen». Inglins Partei, die CVP Basel-Stadt, verschickte gestern eine Medienmitteilung. Sie warnt vor «irreparablem Schaden».

Der künftige Basler Bildungsdirektor Conradin Cramer (LDP) gibt sich zurückhaltend, verweist aber vielsagend auf das geharnischte Communiqué seiner Partei. Bereits wenige Stunden, nachdem die FDP Baselland am Montag ihre Sparvorschläge für die Universität Basel vorgestellt hatte, meldete sich die Basler LDP per Medienmitteilung zu Wort. Sie trug den Titel «Blankes Entsetzen».

Die Studie, welche die FDP Baselland am Montag vorstellte, sorgte in Basel-Stadt für Empörung. Aber auch im Landkanton dürften nicht alle Freude haben an der 40 Seiten starken Abhandlung mit dem Titel «Design to Cost – Verbesserung der Finanzsituation der Universität Basel». Zumindest eine Passage widerspricht den Interessen von Baselland diametral: «Aufseiten des Aufwands ist ein Optimierungspotenzial bei der nicht klar erkennbaren Immobilienstrategie der Universität auszumachen. Die Universität Basel ist sehr weit weg vom Gedanken eines zentralen Campus. Weit auseinanderliegende Institute und zu viele kleine Räume und Liegenschaften erhöhen den gesamten Raumbedarf und erschweren die Entstehung von Synergien.» Hochschulen wie die Uni Zürich und die Fachhochschule Bern würden deshalb eine «räumliche Konzentration» anstreben.

Bei diesem Punkt werden sich die Mitglieder des Universitätsrats am Kopf kratzen. Denn sie haben erst kürzlich eine ganz anders lautende Hausaufgabe erhalten von ennet der Birs: Sie sollen prüfen, welche Institute oder gar Fakultäten ins Baselbiet verlegt werden könnten. Favorit ist aber nicht etwa der Allschwiler Bachgraben oder der Dreispitz in Münchenstein, sondern Liestal. Vorgesehen ist, dass angehende Juristen und Wirtschaftswissenschaftler künftig im noch zu bauenden Bahnhofskomplex des Kantonshauptorts unterrichtet werden. Also weit weg vom Petersplatz.

Kurze Wege als oberstes Ziel

Die Verfasser der Studie vom Basler Institut für Wirtschaftsstudien (IWSB) propagieren jedoch ein Campus-Modell nach dem Vorbild von nordamerikanischen Universitäten: Wenn immer möglich alle Gebäude an einem Ort. Das halte die Wege kurz und die Kosten tief.

Heute sind die Institute der Uni Basel vor allem in der Innenstadt angesiedelt. Abgesehen haben es die Forscher der IWSB wohl auf die «Satelliten». Die gibt’s im Kleinbasel und am Bahnhof SBB, aber auch in Allschwil und im Gebiet St. Jakob. Würde man alle Einrichtungen räumlich vereinen, würde sich das gemäss den Verfassern lohnen, zumindest auf lange Sicht. Einsparpotenzial: 9,4 bis 18,7 Millionen Franken.

Christine Frey will aus der Expertise keine Forderung ableiten, die man auf die Standortdiskussion rund um die Uni Basel anwenden könnte. «Es ging uns mit der Studie darum», sagt die Präsidentin der Baselbieter FDP, «die Strukturen zu überprüfen.» Es sei auch nie das Ziel gewesen zu verlangen, dass eine bestimmte Leistung, etwa eine Studienrichtung, abgebaut werden müsse. «Wir haben eine Gesamtschau erarbeiten lassen. Die Studie dient nun als neutrale Grundlage für die kommenden Diskussionen rund um die Universität.»

Morgen Donnerstag will die FDP im Landrat die sieben Postulate zur Uni einreichen, mit denen der Baselbieter Beitrag an die gemeinsam mit Basel-Stadt getragene Hochschule um 40 bis 60 Millionen Franken verringert werden soll. Die Partei sieht unter anderem höhere Gebühren für ausländische Studierende vor, weiter soll die Uni mehr Drittmittel einholen.

Die Uni äussert sich nicht zu den Vorschlägen der FDP. Man habe sie zur Kenntnis genommen, sagt Mediensprecher Matthias Geering, aber man kommentiere sie nicht. Auch die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind (FDP) schweigt sich aus über die Schützenhilfe ihrer Partei.

Ganz anders ihr Basler Amtskollege. Christoph Eymann (LDP) zweifelt unter anderem die Datenbasis der Studie bezüglich Drittmitteln an.