Nun will Sebastian Pfirter nicht nur die kleine Welt um den Faktor 150 vergrössern, sondern auch die grosse Welt erobern: Am Dienstag startet auf kickstarter.com die Crowdfunding-Kampagne, mit der er das von ihm entwickelte Handy-Mikroskop iCros auf dem internationalen Markt bekannt machen will.

Das Handy-Mikroskop entwickelte Pfirter in seiner Designerei GmbH ebenso selbst wie die 3D-Drucker, mit denen er es herstellt. Die Anwendung ist einfach: Man schiebt den aus einem aus Maisstärke hergestellten Kunststoff gedruckten Aufsatz über das Handy, bis die eingebaute Plexiglas-Industrielinse genau vor dem Objektiv steht. «Damit verändern wir die Brennweite des Objektivs», erklärt Pfirter. Den Rest wie das Scharfstellen oder die Blendenwahl überlässt das iCros der Kamera.

Schon zweites Crowdfunding

Schon den Start vor zweieinhalb Jahren finanzierte Pfirter mit einem Crowdfunding. «Damals gings um das Kapital für den ersten Material-Einkauf», erinnert er sich. Diesmal geht es darum, mit dem Crowdfunding 20 000 Franken für die Kosten der Entwicklungen, der neuen Website und die Werbekampagne zusammen zu bekommen. Dabei erwirbt, wer sich beteiligt, ein Handy-Mikroskop deutlich unter dem späteren Marktpreis von 25 Franken. Es geht also um eine Art Subskription wie sie bei Büchern oft angewandt wird: Man kann sie vor dem Erscheinungsdatum verbilligt bestellen. Mit dem Gewinn der Aktion will Pfirter das Team bezahlen, das freiberuflich die Videos, die Grafik und Fotos für die Werbekampagne gemacht hat.

Diese besteht vor allem in der aufwendig gestalteten Crowdfunding-Plattform selbst. «Hauptziel des Crowdfundings ist es, das Handy-Mikroskop international bekannt zu machen.» Die bisher abgesetzten 3000 Stück gingen nämlich zu 95 Prozent in die Schweiz.

Die Kampagne nimmt Pfirter mit seinem Unterstützerteam jetzt in Angriff, weil er das iCros für zwei weitere iPhone-Modelle adaptiert hat. «Prinzipiell konzentrieren wir uns auf weitverbreitete hochpreisige Modelle, da wir davon ausgehen können, dass diese länger im Gebrauch sind.» Neben verschiedenen iCros-Varianten für verschiedene iPhones und Samsung-Modelle hat er ein Multimodell entwickelt, das auch für eine Reihe von Tablets funktioniert. «Eine Liste der Modelle, zu denen es passt, ist in Arbeit».

Medizin und Industrie

Die erhoffte Zusammenarbeit mit einer australischen Kampagne gegen Hautkrebs  kam nicht zustande, da dem interessierten Dermatologen die Vergrösserung zu gross war.

Die Vorsatzlinse kommt aber beispielsweise in einer Zahntechnik-Firma oder für die Iris-Diagnose auch im Medizinalbereich zum Einsatz. Einen grossen Markt sieht Pfirter neben Hobby-Anwendern auch in der Industrie: Feinmechanische Betriebe können bei Reklamationen dem Lieferanten gleich Bildmaterial von den beanstandeten Kleinteilen schicken. Oder Uhrenfirmen können bei der Entwicklung neuer Modelle dem Zifferblattdrucker mit Makro-Detailaufnahmen mitteilen, wo sie noch Korrekturen wünschen.

Den Vertrieb verbessern

Bisher macht das iCros zwischen 20 und 30 Prozent des Umsatzes der Designerei aus. Für die Kampagne hat Pfirter bereits zusätzliche 3D-Drucker angeschafft, denn der Nah-Linsen-Aufsatz wird nach wie vor im Liestaler Hanro-Areal gedruckt.

Pfirter scheint mehr der technische Tüftler als ein Vertriebs-Spezialist zu sein. Entsprechend hofft er, nach der Markt-Einführung einen starken Vertriebspartner zu finden. Bisher konnte er unter anderem einen Onlineshop für Medizinstudenten, Pro Natura, das Naturhistorische Museum Basel, den Espace Horloger im Vallée de Joux oder das Technorama in Winterthur als Wiederverkäufer gewinnen. Falls durch einen effizienteren Vertrieb der Umsatz anziehen sollte, könnte die Designerei dann auch Arbeitsplätze schaffen.