Man könnte meinen, der Entscheid der Basellandschaftlichen Pensionskasse (BLPK) trifft nur den Kanton. Als die Kasse letzten Donnerstag bekannt gab, den technischen Zinssatz per 2018 von 3 auf 1,75 Prozent und den Umwandlungssatz ab 2019 gestaffelt von 5,8 auf 5,0 Prozent zu senken, reagierte nur der Kanton und lud bereits am Folgetag zu einer grossen Pressekonferenz (bz berichtete). Zwar gehört tatsächlich knapp die Hälfte des Vorsorgevermögens der BLPK von 8,7 Milliarden Franken zum Vorsorgewerk des Kantons, womit dieser klar der grösste Arbeitgeber ist. Doch betroffen sind letztlich über 200 Arbeitgeber mit fast 25 000 Angestellten und 10 000 Rentnern, die in 60 Vorsorgewerken der BLPK angeschlossen sind.

Der Unterschied: Bloss der Kanton wurde von der BLPK bereits vor Längerem über den Zinsschnitt informiert, weshalb er am Freitag bereits Berechnungen präsentieren konnte, wie stark er belastet wird. Rund 300 Millionen Franken fallen allein an, um die laufenden Renten zu garantieren. Die bz fragte gestern dennoch mehrere der grösseren anderen Arbeitgeber an, darunter stellvertretend für die Gemeinden den Gemeindeverband VBLG, dazu das Kantonsspital (KSBL). Am detailliertesten äusserte sich aber eine Institution, die bereits bei der Reform der BLPK 2014 arg in Schieflage geraten war: die Reformierte Kirche Baselland.

Frühpensionierungen verhindern

Zur Erinnerung: Damals musste sie ihr BLPK-Loch mit 27,7 Millionen Franken stopfen, für die Hälfte benötigte sie ein Darlehen. «Es ist schon frustrierend, dass bereits wieder eine Sanierung nötig ist», sagt Kirchenratspräsident Martin Stingelin. «Sehr überrascht» zeigt er sich, wie tief die BLPK den Zinssatz nun angesetzt hat, da dies massive Auswirkungen habe. Wirtschaftlich könne er den Entscheid der BLPK zwar ein Stück weit begreifen, «aber es ist natürlich ein sehr schmerzhafter Prozess». Konkret rechnet Stingelin damit, das Vorsorgevermögen der Rentner um rund 15 Prozent oder 9 bis 10 Millionen Franken aufstocken zu müssen.

Die Reformierte Kirche dürfte dabei einer der am stärksten belasteten Arbeitgeber überhaupt sein. Dies, da zwei Drittel des Vorsorgevermögens auf Rentner entfallen und genau das bei der Senkung des technischen Zinssatzes einschenkt, da die laufenden Renten nicht gekürzt werden dürfen. Mit einem Schlag sinkt der Deckungsgrad des Vorsorgewerks nun auf rund 90 Prozent. Dabei hatte die Reformierte Kirche erst 2015 nochmals 1,6 Millionen Franken eingeschossen, um den Deckungsgrad erneut auf 100 Prozent zu bringen. Wie sie die erneute Unterdeckung stemmen soll, kann Stingelin noch nicht sagen: «Über ein Worst-Case-Szenario möchte ich am liebsten noch gar nicht sprechen.»

Dabei könnte die Belastung noch zunehmen, falls die Reformierte Kirche jenen, die ab 2019 pensioniert werden, die Rentenkürzung mildern möchte, die wegen der Senkung des Umwandlungssatzes droht. «Wenn wir nichts abfedern, dann wird es schwierig, Leute ab 58 noch zu motivieren, weiterzuarbeiten und sich nicht frühpensionieren zu lassen», sagt Stingelin. Versprechen könne er jedoch noch nichts.

Kantonsspital muss «bluten»

Die weiteren angefragten Institutionen konnten noch keine Zahlen nennen. Klartext reden sie trotzdem. Darauf angesprochen, dass nach der Reform 2014 bereits wieder ein Sanierungsbetrag fällig werde, sagt KSBL-Sprecherin Brigitte Emmenegger: «Die Situation stimmt nachdenklich. Das Kantonsspital blutet einmal mehr für die nicht ausreichende finanzielle Ausstattung durch den Kanton bei unserer Verselbstständigung 2012.» Erneut werde das KSBL durch Faktoren ausserordentlich gefordert, auf die es keinen Einfluss habe. Die Behebung der Unterdeckung des Vorsorgewerks werde das Resultat des Jahresabschlusses 2016 «massgeblich» negativ beeinflussen. Emmenegger sagt zwar auch, dass der BLPK-Entscheid aus ökonomischer Sicht sicher richtig sei, aber: «Aus unserer Sicht kommt er zu einem ungünstigen Zeitpunkt.»

Auch an die BLPK angeschlossen sind 80 der 86 Baselbieter Gemeinden. Für den Gemeindeverband sitzt der Reinacher Gemeindeverwalter Thomas Sauter im BLPK-Verwaltungsrat und beratend in der Projektgruppe des Kantons, die die Landratsvorlage zum Umgang mit dem BLPK-Entscheid bis Mitte 2017 ausarbeitet. Er sagt: «Es wird für einige Gemeinden wieder eine grosse finanzielle Belastung.» Die Gemeinden verfügten über keine gesetzlich verankerte Verpflichtung für eine Arbeitgeberbeitragsreserve. Damit stopft der Kanton einen Grossteil seiner Unterdeckung. Auch müssten die Gemeinderäte je nach Höhe des Fehlbetrags damit vor die Gemeindeversammlung oder in den Einwohnerrat. Die Herausforderung ist für Sauter klar: «Es gilt, die richtige Mischung zu finden, damit wir die Kosten in den Griff bekommen, aber trotzdem als Arbeitgeber attraktiv bleiben.»