Schon im Vorfeld kommunizierten Stadt und Gewerbe intensiv über die kommende Grossbaustelle in der Liestaler Rathausstrasse. Grundtenor: Nicht über Lärm, Staub, Behinderungen und fernbleibende Kundschaft jammern, sondern den künftigen Nutzen für die Einkaufsstadt sehen.

Mehr noch, während der Bauzeit von März bis Dezember soll die Baustelle zum «Happening» werden und Neugierige ins Stedtli locken. KMU Liestal, der örtliche Gewerbeverein, hat Aktionen und Events angekündigt, gleichzeitig ist das städtische Projekt «Liestal Stedtli 2020» angelaufen, dessen Logo ein roter Pfeil ziert, der steil nach oben zeigt. Optimismus wird grossgeschrieben.

Fakten zur Baustelle: Jeden Tag zugänglich

Die Sanierung der Rathausstrasse soll in rund acht Monaten, also Mitte Dezember 2017, abgeschlossen sein. In einer ersten Etappe bis Juli wird auf der Seite Coop vom Abschnitt Rosengasse bis Kanonengasse gebaut, die andere Strassenseite bleibt frei. Gleichzeitig wird ein Schachtbauwerk bei der Amtshausgasse erstellt.

In späteren Etappen folgen die anderen Strassenbereiche, aber immer so, dass die Strasse für den Anlieferverkehr morgens passierbar bleibt. Das Verkehrsregime wird laufend angepasst. Für Fussgänger bleiben die Geschäfte immer zugänglich.

Eine Sprechstunde für Direktbetroffenen findet jeden Dienstag um 13 Uhr im Rathaus statt.

Weitere Infos auf www.kmu.li

Am Montagmorgen schlug nun die Stunde der Wahrheit, beziehungsweise begannen die Presslufthämmer zu dröhnen. Baumaschinen und Lieferwagen teilten sich den engen Strassenraum, hinter den Abschrankungen bewegte sich das morgendliche Fussvolk auf dem Weg zum Gipfeli-Bäcker. Eigentlich wie jeden Morgen. Am sonnigen Dienstagmittag schien die Rathausstrasse aussergewöhnlich stark belebt: Man hatte den Eindruck, dass sich die Restaurants mit ihren Aussenwirtschaften extra Mühe gaben und dass die Kundschaft solidarisch mitzog.

Oder zumindest neugierig war, wie es ist, auf dem Klappstuhl zwischen Graben und Bagger zu speisen. Die Rechnung der Gewerbler scheint also aufzugehen.
Ein Schlüsselelement des Sanierungsprojekts ist die Kommunikation in alle Richtungen. Am Montag luden Stadt und KMU Liestal gemeinsam die Detaillisten, Anwohner und Liegenschaftsbesitzer zu einem Infoabend ein.

Thomas Noack, Bereichsleiter Stadtbauamt, erläuterte die Bauphasen und das Verkehrsregime, Christian Stauffenegger vom Planungsbüro Stauffenegger + Stutz stellte das Gestaltungskonzept vor. Einerseits werden die Leitungen im Boden erneuert, andererseits wird eine einheitliche Oberfläche ohne Trottoirs die Strasse optisch entschleunigen und die Aufenthaltsqualität steigern.

Sich treffen und austauschen, sich an einem Ort aufhalten, wo es einem wohl sei, werde immer wichtiger, sagte Thomas Bretscher, Projektleiter von «Liestal Stedtli 2020». Das sei die Stärke, die Liestal nutzen müsse, um als Einkaufsstadt überleben zu können. «Ich bin überzeugt, dass wir ab Dezember über die Kantonsgrenzen hinaus einen der schönsten Plätze haben, um sich zu treffen», meinte Bretscher.

Michael Bischof von KMU Liestal gab einen Vorgeschmack auf die geplanten Aktionen seitens Gewerbe. Auf der Website www.kmu.li kann man den Baufortschritt per Blog und Webcam mitverfolgen oder ab April bei der «Bagger-Challenge» mitspielen, einem virtuellen 360-Grad-Rundgang mit Wettbewerb. Die Geschäfte geben Gratis-Parkhaus-Jetons ab, ausserdem ist ein «Stedtli-Pass» mit Goodies geplant sowie verschiedene Events, etwa Kugelstossen mit Gregori Ott.

Das Einvernehmen zwischen KMU und Stadt sei so gut wie schon lange nicht mehr, betonte Stadtrat Franz Kaufmann an dem Anlass. In den letzten Jahren seien sich beide Seiten bewusst geworden, dass es nur vorwärts gehe, wenn alle am gleichen Karren zögen.