Was für ein tragisches, abruptes Ende der diesjährigen Dittinger Flugtage. OK-Präsidentin Regina Weibel machte sich gerade daran, die zahlreichen Ehrengäste im VIP-Zelt zu begrüssen, als es im Luftraum über dem Flugplatz und Dorf Dittingen zur fatalen Kollision kam.

Ein Pilot der süddeutschen Flugformation Grasshoppers hatte bei einem Wendemanöver mit seinem Leichtflugzeug seinen Vordermann am Heck touchiert, was zum sofortigen unkontrollierten Absturz beider Flugzeuge führte.

An den Flugtagen in Dittingen kam es zu einem schweren Unglück

Zwei Leichtflugzeuge kollidierten, ein Pilot starb, ein zweiter konnte sich retten.

Rettungssystem löste sich nur bei einem Flugzeug aus

Bei einem der beiden Flugzeuge des Types C-42b löste sich das automatische Rettungssystem aus, was dem Piloten das Leben rettete. Das Leichtflugzeug mit dem Rettungsfallschirm am Heck kam im Garten eines Einfamilienhauses mit zerstörten Fahrwerk und abgeknicktem Flügel runter, aber mit relativ intakter Führerkabine.

Kollision bei Flugshow: Das sagt die Polizei

Neuste Informationen zum Flugzeugabsturz an den Dittinger Flugtagen. Am Sonntag sind zwei Ultraleichtflugzeuge der deutschen Fliegerstaffel Grasshoppers zusammengestossen. Dabei kam eine Person ums Leben, wie die Kantonspolizei Basel-Landschaft mitteilte.

Das andere Flugzeug aber, bei dem sich das Rettungssystem nicht ausgelöst hatte, stürzte mitten im Dorf in eine Scheune. Der 50-jährige Pilot kam dabei vermutlich augenblicklich ums Leben. Trümmerteile bedeckten die Dorfstrasse, während erste Einwohner zum Unfallort eilten.

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Die Partnerinnen der beiden verunglückten Piloten befanden sich zum Zeitpunkt des Crashs im VIP-Zelt – und mussten den Unfall miterleben. Ein Care-Team betreute sie.

«Purer Zufall, dass das Flugzeug nicht in ein bewohntes Haus gecrasht ist»

Ein Anwohnerin hat beobachtet, wie das Flugzeuge in die Scheune gerast ist. Das Flugzeug sei dabei auseinandergebrochen, mehrere Stücke des Geräts hätten sich im Garten des Nachbarn verstreut. Es habe eine riesige Flamme gegeben. «Es ist purer Zufall, dass das Flugzeug nicht in ein bewohntes Haus gecrasht ist», sagt die Anwohnerin gegenüber der bz.

Wie durch ein Wunder sind offenbar keine Anwohner verletzt worden. «Dittingen hatte heute 100 Schutzengel», sagte Regierungsrätin Sabine Pegoraro an der Pressekonferenz. Die Feuerwehr war bereits wenige Minuten nach dem Crash an der Unfallstelle.

Das zweite Flugzeug ist im Gebiet Schachleten abgestürzt, einige hundert Meter ausserhalb des Dorfes, laut Zeugenaussagen aber ebenfalls unweit eines bewohnten Hauses. Der Pilot dieses zweiten Flugzeuges konnte sich per Fallschirm retten.

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Am Samstag lief alles problemlos

All das hatte sich kurz vor Mittag am zweiten Tag der Dittinger Flugtage ereignet. Die Grasshoppers, die bereits am Samstag ohne Probleme ihre Formationsfiguren absolviert hatten, waren der erste Programmpunkt des Sonntags. Tausende Augenpaare beobachteten den Absturz in wenigen Hundert Meter Entfernung vom Flugfeld.

Um 10 Uhr hatte es über Dittingen noch geregnet, während des Unglücksflugs herrschten aber in dieser relativ niedrigen Flughöhe gute Sichtbedingungen ohne Niederschlag. Für die vielen Zuschauer auf dem Flugfeld herrschte keine unmittelbare Gefahr, da die Piloten nicht die Zuschauerränge überflogen. Hingegen war angesichts der tragischen Umstände ein grosser Trost, dass nicht auch Einwohner von Dittingen durch den Absturz der beiden Flugzeuge verletzt oder getötet wurden. 

In den Minuten nach dem Absturz herrschte Fassungslosigkeit und tiefe Betroffenheit. OK-Präsidentin Weibel konnte nur stockend ihre Begrüssungsrede beenden. Die Gemeindepräsidentin von Dittingen sass erstmals dem Organisationskomitee der alle zwei Jahre durchgeführten Flugtage vor. Zu diesem Zeitpunkt herrschte noch Ungewissheit über das Schicksal der beiden abgestürzten Piloten.

Der dritte Flügelmann kreiste noch einige Minuten über der Absturzstelle, ehe auch er landete. Die Zuschauer wurden durch sporadische Lautsprecherdurchsagen auf dem Laufenden gehalten, während bald nach Mittag traurige Gewissheit herrschte, dass einer der beiden abgestürzten Piloten tot war. Der Andere wurde vermutlich mit einem Helikopter der Rettungsflugwacht in Richtung Basel abtransportiert. Über ihn hiess es nur, dass sein Zustand stabil sei. 

Um 12.15 versammelten die Verantwortlichen alle Piloten zu einem aussergewöhnlichen Meeting. Darin sprachen sich alle für den sofortigen Abbruch des Flugmeetings aus. Um 12.45 Uhr verkündete der Platzspeaker den sofortigen Abbruch, forderte die Zuschauer aber auf, noch länger auf dem Gelände zu verweilen, da die schmale Zufahrtsstrasse zum Flugplatz ohnehin gesperrt sei und sich der Verkehr staue. 

In der Folgezeit flog ein Flugzeug nach dem anderen nach Hause. Auch der Super-Puma der Schweizer Armee hob vorzeitig in Richtung Heimbasis ab. 

Für 15 Uhr setzten die Behörden eine Pressekonferenz auf dem Flugplatz Dittingen an. Kurz vor drei Uhr hat über dem Flugplatz strömender Regen in die sich verlaufende Menge eingesetzt. Ein traurigeres Bild könnte selbst die Natur nicht bieten.

Als stellvertretende Sicherheitsdirektorin war die Baselbieter Regierungsrätin Sabine Pegoraro zur Unfallzeit am Flugtag anwesend. Sie drückte, wie alle versammelten Würdenträger, unter anderen Ständerat Claude Janiak und Landratspräsident Franz Meyer, ihre tiefe Betroffenheit über den Unfall aus und kondolierte den Angehörigen. 

«Wir sind alle tief betroffen», sagte OK-Präsidentin Regina Weibel an einer Pressekonferenz gegenüber den Medien. «Ein gewisses Risiko besteht immer, aber ich möchte das Vorgefallene am liebsten ungeschehen machen. Wir sind in Gedanken bei den Angehörigen.»

Die Flugformation Grasshoppers sei erstmals in der Schweiz geflogen, sagte Dieter Haldemann vom Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL). «Wir hatten keinen Anlass, am Können der Piloten zu zweifeln.» Die Ursache des Unfalles ist offen und Gegenstand von laufenden Ermittlungen durch den Bund (Schweizerische Sicherheits-Untersuchungsstelle SUST) und die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft. Weitere Abklärungen sind im Gang.

Anwohnerin: Sicherheit sei nicht gewährleistet

Der Unfall wird die Diskussion um die künftige Durchführung der Dittinger Flugtage anheizen. Für die von der bz befragte Anwohnerin ist klar: Der Unfall zeige exemplarisch, dass die Sicherheit der Bevölkerung trotz gegenteiliger Beteuerungen der Veranstalter nicht gewährleistet sei. Die Dittinger Flugtage seien «grundsätzlich sympathisch» betont die Frau.

Die Flugtage haben im Laufental den Charakter eines Volksfestes, das in der Bevölkerung stark verankert ist. Die Anwohnerin findet allerdings, dass der Unfall leider zeige, dass die Zeit solcher Flugtage abgelaufen sei. «Man getraut sich nicht vorzustellen, was passiert wäre, wenn nicht ein solches Leichtflugzeug, sondern die F-18, die am Samstag über Dittingen ihre Runden zog, abgestürzt wäre.»

OK-Präsidentin Weibel sagte an der Pressekonferenz dazu: «Über die Zukunft der Flugtage müssen wir zusammen mit der Gemeinde beraten.» Und Gemeinderatsvizepräsident Edi Jermann ergänzte: «Solange wir den Grund für den Unfall nicht kennen, müssen wir nicht überhastet über die Zukunft der Flugtage entscheiden.»

Lesen Sie hier den Liveticker zur Pressekonferenz nach:

Pressekonferenz