«99 Prozent meiner Bewertungen waren positiv. Alle meine Kunden waren zufrieden», betonte der 43-jährige Angeklagte am Montag vor dem Baselbieter Strafgericht in Muttenz. «Nur die Staatsanwältin offenbar nicht», kommentierte Gerichtspräsident Andreas Schröder die Behauptung etwas launisch.

Tatsächlich geht es in dem Fall nicht um Betrug: Der Mann aus Laufen hat in eineinhalb Jahren rund 1000 Settop-Boxen der Marke «Dreambox» in die ganze Schweiz verkauft. Die Geräte wurden aus China importiert, an der Hauptverhandlung wurde nicht ganz klar, ob der Lieferant sogar der Hersteller der Originalmarke war oder die Geräte bloss nachbaute.

Die Verkaufspreise lagen rund 50 Prozent unter den offiziellen Preisen. Der 43-jährige Importeur hatte allerdings definitiv keine Lizenz, um die geschützte Marke «Dreambox» verwenden zu dürfen, Staatsanwältin Elisabeth Vetsch hat ihn deshalb wegen Warenfälschung sowie gewerbsmässiger Markenrechtsverletzungen angeklagt.

Doch der Mann legte sich auch direkt mit der Cablecom an: Bei mindestens 43 Geräten soll die Software derart modifiziert worden sein, dass damit auch sämtliche kostenpflichtige Programme von Teleclub angesehen werden konnten. Bereits früher ist die «Dreambox» in Verruf geraten, weil die quelloffene Software des Geräts auch Hacker anlockt.

Der digitale Schlüssel für die Bezahlsender wird inzwischen regelmässig geändert, der 43-jährige bot allerdings seinen Kunden für jeweils 10 bis 30 Franken auch an, jeweils den aktuellen Schlüssel nachzuliefern. Das ist strafbar: Es geht um das Inverkehrbringen von Material, mit dem codierte Angebote unbefugt entschlüsselt werden können.

Rolle des Kumpels ist unklar

An der Verhandlung vom Montag stritt der Angeklagte das aber ab: Er habe lediglich Kundenanfragen bearbeitet und Pakete verschickt, federführend sei sein Kumpel gewesen. Er habe sich mit der Software auch gar nicht ausgekannt. «Vergiss bitte nicht, deine Box ist programmiert. Geh in kein Fachgeschäft damit, sonst sind wir beide im Knast», lautete allerdings ein SMS an einen Kunden. Der 43-Jährige meinte dazu, er könne sich nicht daran erinnern.

Die Rolle des Kumpels bleibt unklar: Der zweite Mann hat sich nach Sizilien abgesetzt und betreibt das Geschäft nun von dort aus weiter. Der 43-jährige Mann aus Laufen hingegen stellte für den Handel Namen und Bankkonten zur Verfügung, von den 50 000 Franken Gewinn will er nur 20 Prozent erhalten haben. Früher sprach er allerdings von einer 50/50-Teilung, versteuert hat er ironischerweise den ganzen Betrag. Der ehemalige Verkaufsberater bezog eine IV-Rente, diese ist derzeit allerdings wegen des Strafverfahrens sistiert. Sein Nebeneinkommen hatte er dort nämlich nicht gemeldet, es droht ihm ein Verfahren wegen Sozialversicherungsbetrugs.

Nebst den Settop-Boxen verkaufte das Duo auch etwa 90 «Diesel»-Uhren, frisch importiert aus China, selbstverständlich «neu und originalverpackt». Die Sache flog auf, als ein Kunde mit einer kaputten Uhr zu einem Juwelier ging und sich dort anhören musste, die Uhr sei nicht echt. Staatsanwältin Elisabeth Vetsch beantragte für den 43-Jährigen eine teilbedingte Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren, sechs Monate davon soll er absitzen müssen. Sein Verteidiger hingegen fand, eine bedingte Strafe von zwölf Monaten genüge vollkommen. Das Urteil fällt am Mittwoch.

Im Jahr 2011 erhielt der Mann von der Bundesanwaltschaft einen Strafbefehl wegen Geldfälschung. Der 43-Jährige sagte am Montag dazu, man habe damals bloss ein paar Euronoten für ein Fasnachtskostüm gedruckt.