Herr Feigenwinter, Ihre Zunft ist kein Wirtschaftsverband. Weshalb organisieren Sie ein Podiumsgespräch zum Thema «Waldenburgertal – Aufbruch zum aufstrebenden Wirtschaftsstandort»?

Beat Feigenwinter

Beat Feigenwinter

Beat Feigenwinter: Als Zunft setzten wir uns generell für ein lebenswertes und attraktives Waldenburgertal ein. Und da kommt man früher oder später am Thema Wirtschaft nicht vorbei. Nachdem wir bereits zehn Dreikönigstreffs zu anderen, auch geschichtlichen Aspekten durchgeführt haben, möchten wir diesmal in die Zukunft blicken. Zum Thema Wirtschaft bieten wir ein Podium, damit Firmenvertreter, Gemeinderäte und weitere Leute aus dem Tal darüber diskutieren können.

Auf diesem Podium sitzen vier Führungspersonen von bloss drei mittelgrossen Betrieben. Im Waldenburgertal sind aber viele kleine KMU daheim. Können diese nicht mitreden?

Selbstverständlich, sie sind alle eingeladen. Wir erwarten, dass der eine oder andere KMU-Vertreter kommt und sich beim Podium einbringt. Der Anlass ist zeitlich beschränkt, dennoch hoffen wir, eine Art Aufbruchstimmung zu erreichen und das Ganze in positive Bahnen leiten zu können.

Weshalb fehlen kleine Gewerbebetriebe auf dem Podium?

Wir haben aufgrund der Gestaltung unseres Anlasses Namen gesammelt, im Zunftrat darüber beraten und eine Liste erstellt. Danach fragten wir ausgewählte Gewerbebetriebe an. Hätten diese verzichtet, hätten wir weitergesucht. Ich meine, unser Podium ist gut besetzt mit Firmen, die Kontakte nach Aussen haben, und es hat Zulieferbetriebe zu diesen Firmen, die auch KMU sind.

Wie beurteilen Sie die wirtschaftliche Situation im Waldenburgertal?

Das möchte ich von den Podiumsteilnehmern hören. Das Waldenburgertal wird in der Regel stets negativ dargestellt. Wenn man es aber von der Verkehrserschliessung, von den vorhandenen Liegenschaften und deren Möglichkeiten her betrachtet, könnte es eine gute Entwicklung geben oder zumindest die jetzige verbessert werden.

Was ist aus Ihrer Sicht möglich?

Mehr kleinere und grössere KMU. Es gibt einige grössere Liegenschaften im Waldenburgertal, die leer stehen. Diese sollte man aktivieren können, dann wäre für die Zukunft schon viel erreicht.

Zukunft beider Frenkentäler, Gemeinderegionengesetz – wie stehen Sie solchen Projekten zur Zusammenarbeit gegenüber?

Grundsätzlich positiv. Ich frage mich jedoch, ob die Grösse richtig angesetzt ist. Es braucht eine Entwicklung. Aber wenn man diese von oben festlegt, ist das nicht gut. Sie muss von unten her entstehen und harmonisch wachsen. Und das benötigt Zeit; ich habe das Gefühl, dass man diesbezüglich falsche Vorstellungen hat.

Grosse Arbeitgeber wie einst das Institut Straumann oder Synthes fehlen heute. Können im Waldenburgertal wieder grosse Fische an Land gezogen werden?

Das ist schwierig zu sagen. Viele grosse Firmen haben hier angefangen. Vielleicht erinnert sich eine an ihre Wurzeln und würde gewisse Entwicklungen im Tal unterstützen. Das wäre durchaus denkbar.

Solche Gedanken machte sich kürzlich auch ein Leserbriefschreiber in der bz. Er meint: Da das Institut Straumann solid dastehe und seine Produktionskapazitäten in der Schweiz erweitern wolle, soll es sich auf seine Wurzeln zurückbesinnen und auch das Waldenburgertal in seine Überlegungen einbeziehen. Was halten Sie davon?

Diesen Leserbrief finde sich sehr gut. Ich könnte mir vorstellen, dass eine solche Firma in ihre Vergangenheit zurückblickt und im Waldenburgertal Start-ups unterstützt oder Ähnliches bewerkstelligt.

Bis Ende 2022 wird die Waldenburgerbahn rundum erneuert und danach auf der breiteren Ein-Meter-Spur fahren. Hilft das der Wirtschaft?

Das ist ein ganz wichtiger Teil und passt hervorragend in diese Aufbruchstimmung. Die Waldenburgerbahn ist die Lebensader unseres Tals. Ihre Erneuerung schafft Synergien. In den Dörfern wird sich einiges ändern wie Neugestaltung der Ortskerne, was sich positiv auswirken dürfte.

Podiumsdiskussion «Waldenburgertal – Aufbruch zum aufstrebenden Wirtschaftsstandort», übermorgen Freitag in Waldenburg (Saal im Restaurant Leue, 19.30 Uhr).