Katastrophe in Japan
Aktualisiert am 11.07.11, um 14:38
 

Japanische Regierung ordnet Stresstests für alle Atomkraftwerke an

AKW in Tsuruga: Alle AKW in Japan sollen einem Stresstest unterzogen werden (Archiv)
Quelle: Keystone
Genau vier Monate nach dem verheerenden Erdbeben und Tsunami in Japan hat die Regierung Stresstests für alle 54 Atomkraftwerke des Landes angeordnet. Wann die 35 derzeit stillgelegten Meiler wieder ans Netz gehen, hänge vom Ergebnis dieser Tests ab.
 

In einer ersten Phase solle geklärt werden, ob die derzeit herunter gefahrenen Atomreaktoren massiven Erdbeben und Tsunamis standhalten können, sagte Yoshifumi Ohno, Sprecher des Handelsministeriums am Montag.

In einer zweiten Stufe sollten dann alle Atomkraftwerke des Landes umfassenden Tests unterzogen werden. Wann die Stresstests beginnen sollen, sagte er nicht. Industrieminister Banri Kaieda hatte bereits am vergangenen Mittwoch Stresstests für alle japanischen Atomkraftwerke in Aussicht gestellt.

Lage noch nicht unter Kontrolle

Das Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi war am 11. März nach einem starken Erdbeben mit anschliessendem Tsunami schwer beschädigt worden. Techniker bemühen sich weiterhin, die Lage in den Atomreaktoren unter Kontrolle zu bekommen. Nach der Katastrophe war Kraftwerksbetreiber Tepco für sein Krisenmanagement scharf kritisiert worden.

Die japanischen Atomkraftwerke decken rund 30 Prozent des Elektrizitätsbedarfs des Landes. Derzeit sind nur 19 der 54 Meiler am Netz, was zu Engpässen bei der Stromversorgung führt.

Die Regierung in Tokio hatte kürzlich die Energie für Unternehmen und Fabriken rationiert. Auch die privaten Haushalte wurden zum Stromsparen aufgefordert.

Auswirkungen unter der Lupe

Eine Forschungsexpedition wird nach der Katastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima die Auswirkungen der radioaktiven Strahlung auf Lebewesen und das Ökosystem untersuchen. Die Wissenschaftler wollen Proben von Pflanzen, Insekten und Vögeln sammeln und deren DNA analysieren.

Bislang wisse man trotz der intensiven öffentlichen Debatte über die Risiken der Atomkraft nur sehr wenig darüber, welche langfristigen Effekte Unfälle dieser Art auf Umwelt und Gesundheit haben, sagte Expeditionsleiter Timothy Mousseau von der Universität von South Carolina.

Erste Ergebnisse sollen noch im Laufe des Jahres vorliegen. Anschliessend wollen die Wissenschaftler in regelmässigen Abständen in die Region um Fukushima reisen und überprüfen, welche Langzeitfolgen die Strahlung auf nachfolgende Tiergenerationen und das Ökosystem hat.

(sda)
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