Es ist nicht besonders originell, mit diesem Satz zu beginnen. Aber die Sache ist delikat genug: In diesen Tagen geht es mal wieder um die Wurst. Nur hat das im Bundeshaus noch niemand gemerkt. «Die Bevölkerung der Schweiz isst unausgewogen», titelte das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen jüngst in einem Communiqué. 780 Gramm Fleisch und Wurstwaren konsumieren Herr und Frau Schweizer laut der nationalen Ernährungserhebung pro Woche. Empfohlen werden 240 Gramm. Besonders der Überkonsum von Würsten beunruhigt die Ernährungsfachleute.

Die Ergebnisse der Befragung sollen in die Ernährungsstrategie des Bundes einfliessen. Deren Ziel sei es, «die Ernährungsgewohnheiten der Schweizer Bevölkerung weiter zu verbessern». Zu befürchten ist das Schlimmste: ein schleichendes Wurstverbot. Das rührt an der Identität des Landes.

Aber wo bleibt der Aufschrei?

Kein Politiker eilte vergangene Woche mit Salami-Rädchen bewaffnet durch die Wandel-
halle. Kein Politiker wandte sich mit einem mahnenden Vorstoss an den Bundesrat. Vorbei sind die Zeiten, als sich Animaux politiques vom Schlage eines Rolf Büttikers für unsere Nationalwürste einsetzten. Der frühere Solothurner FDP-Ständerat wurde darum auch Cervelat-Papst genannt.

Zur Beruhigung unserer wurstgebeutelten Seelen hilft mal wieder nur ein Blick nach Deutschland. Hier ist der Politik nicht alles wurst, im Gegenteil. Agrarminister Christian Schmidt will verbieten, dass eine vegetarische Wurst weiterhin Wurst genannt werden darf. Der CSU-Mann hat das wahre Übel erkannt: Vegi-Würste sind nur der Anfang. Fleisch wird mittlerweile derart schamlos durch Pflanzenbrei imitiert, dass die Menschheit bald zu viel Grünzeug isst.