Er konnte den Finger nicht ruhen lassen auf dem Handy. Meryl Streep hatte ihn gemeint, als sie den Mahnfinger hob an den «Golden Globes» in Beverly Hills. Sie sagte: «Wenn die Mächtigen ihre Position benutzen, um andere zu tyrannisieren, dann verlieren wir alle.»

Donald twitterte spät, ganz in seinem Stil: «Meryl Streep ist eine der am meisten überschätzten Schauspielerinnen Hollywoods.»

Trump ist ein lausiger Schauspieler. Auch darin ändert er sich nicht als Präsident. Es war lausig, wie er den behinderten Journalisten Serge Kovaleski nachäffte; darauf spielte Streep an. Drum ist nicht zu befürchten, dass Trump Schauspielerei beurteilen kann. Seine Reaktion gestern beruhte wenig auf Kompetenz, sondern auf cholerischer Impertinenz.

Trumps Urteil aber, Trump-frei, ist richtig. Meryl Streep ist nicht jene überragende Schauspielerin, für die sie nach Feuilleton-Konsens gehalten werden muss. Das sah jeder erneut, der ihren jüngsten Auftritt kühl verfolgte. Nichts davon konnte das Kalkül vergessen machen, womit alles einstudiert worden war. Gesinnung, nicht Kunst, sicherte Meryl den Applaus – Hollywood ist auch nicht mehr, was es niemals war.

Meryl Streep an der Golden Globe-Verleihung 2017

 Meryl Streep, Golden Globes