Bei den Mitgliedern auf Tuchfühlung gehen, Probleme anpacken, rechtliche Hilfe leisten: Dafür sind Berufsverbände wie der Verband Schweizerischer Polizei-Beamter (VSPB) da. Die Sektionen des VSPB nehmen diese Aufgabe für ihre insgesamt 26'000 Mitglieder wahr. Und trotzdem fühlen sich die beiden Polizisten, die sich an die «Nordwestschweiz» wandten, von ihrem Verband im Stich gelassen. Das muss der VSPB ernst nehmen, auch wenn er die erhobenen Vorwürfe bestreitet.

In einem Punkt muss man den beiden Polizeibeamten recht geben: Die Kommunikationsstrategie des VSPB ist erstaunlich passiv. Seit dem Stellenantritt der neuen Präsidentin Johanna Bundi Ryser vor fast neun Monaten hat der nationale Verband gerade mal sechs Medienmitteilungen produziert (inklusive der Meldung, man habe eine neue Präsidentin). Der VSPB «fordert», nimmt «mit grossem Interesse und Freude zur Kenntnis», «wünscht sich» und «verurteilt aufs Schärfste». Eine proaktive, moderne Öffentlichkeitsarbeit sieht anders aus.

Jetzt aber geht die VSPB-Präsidentin in die kommunikative Offensive und verspricht den Verbandsmitgliedern ein «offenes Ohr» und volle Aufmerksamkeit für ihre Probleme. Wer sich im Stich gelassen fühle, könne sich bei ihr persönlich melden. Sie werde nichts unversucht lassen, um zu helfen, garantiert die Bündnerin. Ob die verunsicherten Polizisten diesen direkten Draht zur Verbandspräsidentin nutzen, ist ihnen überlassen. Ob damit alle Probleme gelöst sind, bleibt offen. Ein Schritt in die richtige Richtung ist Frau Bundis Offensive aber garantiert.