Und plötzlich bist Du nicht mehr da. Vor dem «Adler» in der Ochsengasse hast Du noch gesessen, bevor Du in Deine Alterswohnung im Nachbarshaus zurückkehrtest. Du wolltest schlafen gehen, bist gestürzt, gestorben. Einfach so. Ach, René, die Lücke, die Du hinterlässt, ist gewaltig. Keiner ist annähernd wie Du; keiner spaziert im Wald und fragt sich aus dem Nichts: «Was gibt es Verrückteres als ein Velosolex?» Die Gedanken fängst Du ein, sagst Du, und verflechtest sie. Dinge, die nichts miteinander zu tun haben, gehören plötzlich zusammen, als wäre es nie anders gewesen. Es ist der Nonsens, der Dich begleitet hat, den Du ausgereizt hast, nie blöd, nie unlogisch, obwohl es gerade die Logik war, mit der Du nichts anfangen konntest. Deinen Verstand hast Du verloren, damals, in den Siebzigerjahren, doch das Fundbüro konnte Dir nicht helfen. Niemand hat ihn dort abgegeben, Deinen Verstand, aber jeder in Basel und in der restlichen Schweiz wusste: Da gibt es einen, der absurde Briefe an die Behörden schreibt – und stets Antworten von ebendiesen erhält.

Deine Bücher waren Bestseller, es war der Mut eines einfachen Bürgers, die Behörden auf die Probe zu stellen, zu schauen, wo die Grenzen sind. Doch die Buchdeckel waren zu eng für Deinen Humor, es reichte Dir nicht, beruflich ein Komödiant zu sein und sonst ein normaler Mensch, nein, René, Dein Humor – das warst Du. In den Kleinbasler Beizen konntest Du mitten in einem Gespräch sagen: «Niemerem sage, Schwartemage», und alle fanden es lustig. Du konntest Dir auch ernsthafte Gedanken machen über das Universum und darüber, ob der Mensch diesem gefährlich werden könnte. Es bestehe keine Gefahr, der Mensch sei sich nur selber gefährlich, hier auf der Erde, so Dein Fazit.

Vielleicht schwebst Du jetzt irgendwo im Universum, zuzutrauen wäre es Dir, vielleicht hast Du ein Schlupfloch gefunden, bist abgehauen hier, um anderswo weiterzumachen. Wir, die Dich kannten, können nur hoffen, vielleicht sogar auf ein Zeichen von Dir. Du hast überall Zeichen gesetzt und diese Zeichen sind jetzt Lücken. Füllen wird sie niemand können, denn einen Meister des Blödsinns, wie Du einer warst, gibt es nur einmal.

Was uns bleibt, sind die Erinnerungen an die Abende mit Dir, daran, wie Du von Deiner Begegnung mit Salvador Dalí erzählst, einem weltbekannten Künstler, der eigentlich anderes zu tun hatte, als sich mit Kleinbasler Humoristen zu treffen. Doch Du hast ihm eine Postkarte geschrieben und ihn über Deine Ankunft in Cadaqués informiert. Das machte ihn neugierig.

Was uns bleibt, ist der Humorkongress, den Du mitinitiiert hast und der im Herbst wieder stattfindet. Und natürlich Deine Bücher, die «Schweizerbuch»-Bände und all die anderen Werke, die Du hinterlässt. Die Worte darin lassen Dich weiterleben, wenn auch nicht in der Vollkommenheit, die wir uns wünschten.

René, Du wirst Basel fehlen, dem Kleinbasel ganz besonders. Und wahrscheinlich dem ganzen Universum. Eine gute Reise Dir.