Während das Kursbuch der SBB diesen November das letzte Mal als gedruckte Ausgabe erscheint, erreichte mich kürzlich eine Medienmitteilung der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW). Stolz kündigte diese an, dass das sogenannte 3-Löwen-Kursbuch in seiner aktuellen Ausgabe erschienen ist.

Ich habe mich ein wenig gewundert und gefragt, ob das im Zeitalter von Internet, Smartphone und Apps sinnvoll ist. Den Regio Fahrplan des TNW gibt es übrigens auch noch gedruckt, neu in einer 600-seitigen, allerdings kleineren und folglich leichteren Ausgabe als das der Nachbarn. Die Fahrplanbücher 1 und 2 wurden zusammengefasst, es wird kostenlos abgegeben und ist an den Verkaufsstellen der BVB und BLT (Barfüsserplatz, Heuwaage, Oberwil) erhältlich. 

Laut TNW-Geschäftsführer Adrian Brodbeck wurde noch kein Entscheid gefällt, das Fahrplanbuch einzustellen oder nicht. Er schreibt: «Wir beobachten die Entwicklung laufend und werden im Laufe des Jahres 2017 eine Neubeurteilung vornehmen. Wir haben Rückmeldungen, dass das Fahrplanbuch benützt wird, jedoch rechnen wir mit einer abnehmenden Tendenz aufgrund der online Abfragemöglichkeit.» Im 2016 sei der Band 1 vergriffen gewesen. 

Mit 10,5 Millionen Einwohnern hat Baden-Württemberg zwar mehr Einwohner als die Schweiz, ist aber etwas kleiner. Das ist auch das Kursbuch. Es hat eine Auflage von 4000 Exemplaren, von denen 3600 für zwölf Euro verkauft werden. Mit über 1000 Seiten ist es erheblich schwerer und umfassender als der TNW-Fahrplan, aber hat nur die Hälfte der 2100 Seiten von Band 1 für Bahnen, Seilbahnen und Schiffe des SBB-Kursbuches. In den 80er und 90er Jahren lag die Auflage bei 500 000, heute sind es 25 000. Es kostet 16 Franken. 

Die NVBW-Medienstelle berichtet, dass die Verkaufszahlen seit Jahren stabil seien, aber regelmässig geprüft werden. Die Idee, die gedruckte Ausgabe aufzugeben, sei vom bahn-affinen und viel-fahrenden Publikum wie auch von Fahrgastverbänden heftig kritisiert worden. Da mögen wohl einige Argumente hängengeblieben sein, denn die Antwort auf die Frage, warum es das Kursbuch noch im Print gebe, fiel ausführlich aus und ist ein einziger Werbespot. 

Das Kursbuch sei «aktive Lobbyarbeit für die Eisenbahn». Weiter:«Im Gegensatz zur Online-Auskunft, die stets nur eine ganz bestimmte und fremdbestimmte Punkt-Punkt-Auswahl an Verbindungen anzeigt, zeigt das Kursbuch das gesamte Zugangebot auf einer Strecke/in einem Zeitabschnitt auf einen Blick und ermöglicht eine flexible Reiseplanung.» Es begleite den Nutzer das ganze Jahr, werde nachhaltig und aktiv genutzt. Es weise auch mögliche Reiseverbindungen aus, die von der Online-Auskunft unterschlagen werden. 

Und schliesslich zwinge die gedruckte Version mit seinem festen Redaktionsschluss alle Beteiligten, einen Angebotsstand verlässlich festzuschreiben und die in der Elektronik vorhandenen Daten zu evaluieren. Was die Kosten angeht: «Durch Werbung und den hohen Verkaufspreis konnten sie deutlich gesenkt werden.» Für die Region Grosser Osten, in die das Elsass aufgegangen ist, gibt es laut SNCF kein Kursbuch.