Die Wand eines fast leeren Raums ist mit einem Guckloch versehen, durch das die Besucher in den Nebenraum sehen können: In der Rauminstallation «24/7» von Doris Lasch glaubt man, selbst im Innern eines Projektors zu sein. Wie und mit welchen Mitteln fotografische Bilder hergestellt werden, wie sie wahrgenommen werden und wie sie sich verändern lassen – das sind die Fragen, die sich die Werke im Kunsthaus Baselland stellen.

Die Künstlerinnen Doris Lasch und Bianca Pedrina kommen von der Fotografie her, jener Art der Bildproduktion, die einen tiefgreifenden Wandel durchgemacht hat. In ihren Befragungen dieses Mediums gehen die Künstlerinnen weit über die Wiedergabe eigener und fremder Fotografien hinaus – sie beziehen auch andere Medien wie Installation und Skulptur ein.

Täglich werden weltweit Millionen von digitalen Bildern geschossen. Fotografien sind allgegenwärtig wie auch die Möglichkeiten, sie zu verändern und zu verfremden. Das Medium, das einmal so etwas wie Wahrheit und Authentizität versprach, hat weitgehend an Aussagekraft eingebüsst. Dafür schaffen Fotografien, als Kunstwerke verstanden, wiederum eigene Realitäten – doch geblieben ist für viele die Faszination des (vermeintlich) realistischen Abbilds.

Tücher als Projektionsflächen

Die in Basel lebende Künstlerin Doris Lasch (*1972 in Deutschland) setzt den Auftakt der Ausstellung. Ihre übergrosse Skulptur «Phantom» zeigt, worum es geht. Das Werk aus schwarzem Aluminiumblech erinnert von Weitem an einen Dia-Rahmen oder an einen Bildschirm. Es lässt sich aber auch als Anspielung an die analoge Fotografie früherer Zeiten lesen: Von Nahem gleicht es nämlich einem Kamerabalgen, jener mehrfach gefalteten, lichtundurchlässigen Verbindung zwischen Objektiv und Gehäuse.

In anderen Arbeiten treibt Lasch ihre Reflexion weiter: Das aus Holz nachgebaute Panoptikum ist ebenso eine Reminiszenz an die Ursprünge der Gattung wie die Fotografien in alter Heliogravüre-Technik, die ein rätselhaftes Interieur eines Fotostudios zeigen. Sie möchte mit diesen Bildern «einen Moment zwischen dem Dokumentarischen und dem Inszenierten» festhalten, so die Künstlerin. Eine weitere Deutung ist schwierig – denn sie hat ihre Serie gleich mit «Quelques erreurs d’interprétation» betitelt.

Immer wieder rücken auf Holzrahmen gespannte Leintücher in den Blick – Projektionsflächen für heutige wie künftige Bilder, bewegte wie unbewegte. Auch der Projektor selbst, die Maschine, die die Bilder an die Wand zaubert, hat seine Auftritte: einmal als Objekt in einer fotografierten Landschaft und einmal in einem Raum, in den er, wie im Kino, Bilder aus dem Versteckten wirft.

Konstruierte Kunst im Raum

Ganz anders präsentieren sich die Arbeiten der in Wien lebenden Baslerin Bianca Pedrina (*1985): Bei ihrer Befragung des fotografischen Wahrheitsanspruchs zieht sie Elemente der Architektur mit ein. So etwa die Bodenbeläge aus Kunststoff, die mit fotografierten Marmorstrukturen des Wiener Looshauses bedruckt sind. Die blaugrünen PVC-Beläge liegen weich auf dem Boden oder werden von Armierungseisen festgehalten. In einem Kabinett zeigt die Künstlerin Städteansichten, in die sie Fotografien eigener Objekte hineinkopiert hat. Das wirkt oft täuschend echt: Kunst im öffentlichen Raum wird so zur konstruierten Realität.

Daneben präsentiert Bianca Pedrina für ihre bisher grösste institutionelle Einzelausstellung die eigens dafür entwickelte Video- und Toninstallation «Orbita». Der Schritt von der Fotografie zum Video sei ihr jedoch nicht leicht gefallen, sagt sie. Von der Decke hängende Bildschirme zeigen architektonische Details des Ausstellungshauses wie Treppen, Wände, Ecken, Risse.

Diese Ansichten werden relativiert: Der Blick wird angezogen von einem Bildschirm mit bewegten optometrischen Aufnahmen: Zu sehen ist, wie Geräte die Sehfunktionen einer Person untersuchen, messen und bewerten: das Auge als Symbol und wichtiges Element unserer Wahrnehmung.