Veganer sind Aussenseiter. Aussenseiter, die von einem Grossteil der Bevölkerung wohl kaum verstanden werden. Wie kann man freiwillig nicht nur auf Fleisch verzichten, sondern auch auf Milch, Käse und alle anderen tierischen Produkte? Das ihnen entgegengebrachte Unverständnis sowie ihre geringe Zahl machen ihren Alltag nicht immer einfach. Vor allem dann, wenn sie essen müssen, was auf den Teller kommt. Dieses Problem haben nicht nur Veganer in den Spitälern. Sondern auch Veganer im Gefängnis oder im Militärdienst. Die «Nordwestschweiz» hat nachgefragt.

Vegan essen als Häftling in Schweizer Gefängnissen

Gibt es sie — die Veganer unter den verurteilten Straftätern? «Soweit uns bekannt ist, ernähren sich zwei Gefangene in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Pöschwies – soweit möglich – vegan», gibt Jessica Maise, Mediensprecherin Amt für Justizvollzug des Kantons Zürich, auf Anfrage bekannt.

Das eingeschobene «soweit möglich» hat seinen Grund. Denn die Zürcher Gefängnisse sind nur im geringfügigen Mass bereit, den veganen Häftlingen entgegenzukommen. Eine eigentliche vegane Ernährung werde demnach in den Haftanstalten nicht angeboten, schreibt Maise. Und präzisiert: «Bei uns können sich die Gefangenen vegan ernähren, indem wir ihnen das vegetarische Menü anbieten und sie die tierischen Komponenten, wie zum Beispiel die Rahmsauce, weglassen und dafür allenfalls mehr Reis oder Kartoffeln beziehen.» Das klingt nach einer trockenen Angelegenheit. Man müsse beachten, dass es nur «einen verschwindend kleinen Teil der Gefangenen betrifft», fährt Maise fort. Zur Einordnung: Die JVA Pöschwies ist mit ihren insgesamt 400 Haftplätzen das grösste Gefängnis der Schweiz. Somit ernähren sich hier 0,5 Prozent der Häftlinge – «soweit möglich» – vegan.

Gar kein Veganer wohnt derzeit in der Justizvollzugsanstalt Lenzburg. Auch wäre eine solche Ernährungsweise im Aargauer Gefängnis nicht machbar, teilt Direktor Marcel Ruf mit. Ein Veganer würde also im aargauischen Lenzburg ähnlich behandelt wie im zürcherischen Pöschwies.

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Vegan essen als Rekrut in der Schweizer Armee

In der Schweizer Armee ist die Regel einfach: Strikte Veganer sind nicht willkommen. Dies ist schriftlich geregelt, in der sogenannten Nosologia Militaris, dem Regelwerk für Truppenärzte. Darin steht: «Bei Veganern, die dies über längere Zeit nachgewiesenermassen praktizieren, wird Militärdienst und Schutzdienst-Untauglichkeit empfohlen.» Die Weisung wird grundsätzlich durchgesetzt.

Nur für den Walliser Antoni Da Campo wurde hingegen eine Ausnahme gemacht. Besser ausgedrückt: Er hat sie sich erkämpft. Zuerst rekurrierte der Walliser vor dem Militärdepartement, danach vor dem Bundesverwaltungsgericht. Bevor Letzteres ein Urteil verkündete, gab ein Militärarzt bei der zweiten Aushebung doch noch grünes Licht für den Veganer.

Antoni Da Campo sagte nach dem errungenen Sieg zur Nachrichtenagentur SDA: «Das ist ein kleiner Schritt für die veganen Soldaten, aber ein grosser Schritt für die Sache der Tiere.»

Trotz dem Fall Da Campo passt die Schweizer Armee ihr Regelwerk nicht an. Das hat aber nichts damit zu tun, dass die Schweizer Armee etwas gegen Veganer hat, sondern praktische Gründe geben den Ausschlag. «Eine rein vegane Ernährung kann – auch rein infrastrukturell bedingt – nicht zubereitet und abgegeben werden», sagt Armeesprecher Mirco Baumann.

Dazu komme, dass es bei Veganern nicht nur Probleme mit den Nahrungsmitteln gebe, sondern auch mit der Ausrüstung. Denn ein ganz strikter Veganer würde sich weigern, Armeestiefel aus Leder zu tragen. Auch Antoni Da Campo will, wenn er 2018 die Rekrutenschule besucht, keine offiziellen Armeestiefel tragen. Er kauft sich selber feste Schuhe aus Kunstleder.

Wie bereits bei den Gefängnissen – es geht auch in der Armee um eine sehr kleine Gruppe von Betroffenen. Laut Baumann geht es, bezogen auf alle Stellungspflichtigen, um 0,066 Prozent.

Bleibt noch eine ethische Frage an die Veganer selber: Veganer und Soldat – passt dies überhaupt zusammen? Veganer setzten sich ja gegen das Töten von Tieren ein, während in der Armee zu Kriegszeiten das Töten nun mal dazugehört.

«Per se schliessen sich die beiden Dinge nicht aus», sagt Valentin Salzgeber von der Veganen Gesellschaft Schweiz. «Es gibt durchaus ethische Gründe, die das Töten rechtfertigen können, wie die Selbstverteidigung.» Doch wie hoch die Hürde liege, müsse jeder für sich definieren. Zum Beispiel «ob die Lust nach einem saftigen Steak ausreicht, um das Leben einer Kuh zu beenden».