Mühleberg
Aktualisiert am 16.01.12, um 18:43 von Samuel Thomi
 

AKW Mühleberg erhält von Aufsicht Bestnoten ohne geprüft zu werden

AKW Mühleberg (Archiv)
Quelle: Zur Verfuegung gestellt
Bei der Erdbebensicherheit wurde nicht nur amtlich bewilligt getrickst. Die AKW-Aufsicht verteilte Mühleberg Bestnoten, obschon es noch vor ein paar Jahren deutlich schlechter eingestuft wurde. von Samuel Thomi
 

Die Sicherheit des AKW Mühleberg ist zwischen 2005 und 2008 nicht nur künstlich erhöht worden, wie interne Dokumente der AKW-Kontrollbehörde Ensi zeigen. – Laut der gestrigen Ausgabe der Zeitung «Der Sonntag» hat das Eidgenössische Inspektorat für Nuklearsicherheit der AKW-Betreiberin BKW Energie AG nämlich um über 50 Prozent erhöhte Sicherheitswerte bei der Erdbebenstandfestigkeit gewährt. Dies notabene für die Zeit während der letzten, normalerweise alle zehn Jahre fälligen sogenannten periodischen Sicherheitsüberprüfung.

Plötzlich sicherer

Wie in Ergänzung dazu gestern die«Sonntags Zeitung» berichtete, reichte das Ensi Berechnungen der BKW zu Mühleberg für den diese Woche stattfindenden EU-Stresstest ungeprüft an die europäischen Behörden weiter. Für Mühleberg verteilte das Ensi punkto Erdbebensicherheit – anders als für den Wohlensee-Staudamm – dabei Bestnoten (vgl. dazu az Langenthaler Tagblatt vom letzten Mittwoch). Speziell gravierend findet dies Markus Kühni von Fokus Antiatom, weil ein Betriebsgebäude in Mühleberg, in dem Sicherheitssysteme untergebracht sind, plötzlich dreimal sicherer als vor ein paar Jahren eingestuft wurde. Ohne zwischenzeitliche bauliche Anpassungen.

Bitte nachrechnen

Sie hätten eben «alles neu berechnet», erklärt Antonio Sommavilla in der SOZ die unterschiedlichen Zahlen zu früheren Sicherheitsnachweisen. Die aktuellen Berechnungen basierten jedoch auf umfangreichen Anlagerundgängen mit internen und externen Erdbebenexperten, so der BKW-Sprecher. Früher sei eben zu konservativ gerechnet worden, kommentiert er. Statt der ungenügenden Erdbebenfestigkeit 0,09 resultiert für das genannte Betriebsgebäude nun beispielsweise ein Wert von 0,28. Oder beim Reaktorgebäude stieg die Erdbebenfestigkeit dank der Neuberechnungen quasi über Nacht von 0,15 auf 0,77 – also den fünffachen Wert.

Da neueste Berechnungen für die Schweiz von bis zu doppelt so starken Erdbeben ausgehen, müssen die AKW-Betreiber ihre Werke überprüfen. Für Mühleberg gilt das insbesondere auch für den kurz vor dem AKW gelegenen Wohlensee-Staudamm. «Die BKW scheint unter Druck zu sein», lässt sich Markus Kühni zitieren. Dabei müsse zu denken geben, dass das Ensi in früheren Fällen bei Unstimmigkeiten jeweils selber nachrechnete. Diesmal seien die Unterlagen der AKW-Betreiber jedoch nur übersetzt und an die zuständige EU-Behörden weitergereicht worden. Damit erfülle die Schweizer AKW-Aufsicht ihre Aufgabe nicht mehr.

Weder gegenüber dem «Sonntag» noch der «SOZ» wollte sich das Ensi im Detail zu den Vorwürfen äussern.

(az)
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