Es ist ein Bild, das man so schnell nicht vergisst: Wenn die rund 330 Anwesenden zum Schluss der Bastiansfeier im Konzertsaal auf die Tische steigen und dort oben stehend inbrünstig Goethes «Heideröslein» intonieren. Die «Männer in dunklen Anzügen auf Tischen», wie das Schlussritual von einem der Herren treffend beschrieben wurde, die gehören stets dazu.

Esther Gassler ist Bastiansvater

Es war die 206. Auflage der Feier, welche der Oltner Schützenverein im Konzertsaal des Stadttheaters ausrichtete. Traditionell findet diese am dritten Sonntag im Januar statt. Mit viel Prominenz aus Stadt, Kanton und Land. Wobei diesmal unter den geladenen Gästen auch «ausserordentlich viele Frauen» waren, wie Heinz Eng, Präsident der Oltner Stadtschützen, vermerkte: «Also Männer, benehmt euch!»

Ja, mehr noch: Vater Bastian ist heuer mit der abtretenden FDP-Regierungsrätin Esther Gassler erstmals eine Frau. Man bleibe beim männlichen Titel, erklärte Eng – es wird also keine Mutter Bastian geben. Und auch die Ansprache wurde von einem weiblichen Bastiansredner – «auch hier die männliche Form, wir fangen nichts Neues an» – gehalten: die nationale FDP-Präsidentin Petra Gössi.

Armee und Brauchtum

Esther Gassler habe sich als Militärdirektorin um das Schützenwesen und die Armee verdient gemacht, begründete Eng ihre Wahl. Damit erübrige sich eine Geschlechter-Diskussion: «Herausragende Frauen eignen sich genauso gut wie Männer, unsere Traditionen aufrechtzuerhalten.» Als Gasslers Vorgänger Ueli Augsburger ihr den obligaten Becher und damit das Amt übergeben hatte, sagte die Regierungsrätin, dass sie als «nichtschiessende Frau» sprachlos gewesen sei, als sie die Anfrage der Oltner Stadtschützen erhalten habe. Wie schon Vereinspräsident Eng vor ihr kam sie auf den Terrorismus zu sprechen, der nun auch in Europa angelangt sei. «Jedes Land hat die Sicherheit seiner Bürger zu garantieren», betonte sie. «Deshalb brauchen wir eine gut ausgerüstete Armee – das ist kein Luxus, das ist schiere Vernunft.» Tosender Applaus erklang im Saal.

Gössi schlug in eine ähnliche Kerbe. Was die Schweiz heute ohne Armee oder ohne Brauchtum sei? Der Wunsch nach Tradition und Sicherheit sei ganz tief in jedem von uns verankert. Deshalb spiele es auch keine Rolle, ob Frauen in einem Verein mittun dürften oder nicht, so Gössi. Ihr zufolge ist die Hauptsache, dass es überhaupt Vereine gebe, welche die Bräuche pflegten. Der Schützenverein gehe hier mit gutem Beispiel voran und leiste wertvolle Dienste für die Gemeinschaft.

So viel dazu. Ausserdem wurden die Verstorbenen geehrt, Bastiansehrenbrüder ernannt und die Jahresmeister des Schützenvereins ausgezeichnet. Alles wie gehabt. Lediglich der Oltner Karl Frey, der vergangenen Dezember seinen 100. Geburtstag feierte und seit 1939 «eigentlich immer da» gewesen war, wurde an der Feier vermisst – er war unpässlich. Den Abschluss, wie gesagt, machten Männer – und Frauen – in dunklen Anzügen auf Tischen.