Es ist eine der besten Halbzeiten des FC Basel in dieser Saison. Die Ballstafetten sind schier endlos, die Leichtigkeit nicht zu übersehen und die Dominanz der Basler gegen GC erdrückend. Aber an einem Basler scheint das Spiel etwas vorbei zu laufen: an Matias Delgado. Der freiheitsliebende Offensivkünstler ist mehr Mitläufer als Magier. Abgesehen von einem Hackentrick und einer viel umjubelten Zidane-Gedächtnis-Drehung um die eigene Achse ist er kaum zu sehen. Bei seiner Auswechslung in der 73. Minute sieht er nicht zufrieden aus mit dem, was er heute auf den Rasen gezaubert hat – oder eben nicht.

Als er nach Spielschluss in die Mixed Zone kommt, hat er sein Lachen aber wieder gefunden. Er strahlt, schliesslich hat seine Mannschaft gerade gewonnen. Und doch muss er sich erklären, warum er, wie so oft in dieser Rückrunde, unsichtbar geblieben ist. «Klar, wenn ich meine momentane Situation analysiere und mit dem letzten Jahr vergleiche, ist es sicher nicht die beste. Die Ausbeute ist bescheiden.» Und das ist sie tatsächlich. Im Jahr 2017 konnte Delgado noch keinen Treffer erzielen, keinen Assist verbuchen. Sein Skorerkonto hat sich seit Abschluss der Hinrunde nicht verändert. Es ist Jammern auf hohem Niveau. Weil Delgado die Latte selber enorm hoch gelegt hat. In der Hinrunde erlebte er eine der besten Phasen seiner Karriere. Neun Tore und sieben Torvorlagen durfte er sich gutschreiben lassen. Sensationelle Werte, die ihn unumstritten zum besten FCB-Akteur der Hinrunde machten.

«Sie lassen mich alleine»

Dass er jetzt auf der Suche nach Erfolgserlebnissen ist, mache ihm aber keine Sorgen. «Diese Auf und Ab sind normal im Fussball. Ich durchlebe das immer wieder.» Und wenn er aktuell dem Team schon auf dem Platz nicht gross helfen könne, «dann versuche ich, die Mannschaft in anderen Aspekten zu unterstützen». Und dort ist er genau so stark wie normalerweise auf dem Platz. Wer gesehen hat, wie intensiv und herzlich er sich beispielsweise noch immer um Blas Riveros kümmert, der hegt keine Zweifel daran. Aber darauf will er sich logischerweise nicht beschränken: «Ich will so schnell wie möglich wieder auf mein Niveau zurückkehren.»
Doch bevor er sich in den Feierabend verabschieden darf, muss er noch Ursachenforschung betreiben. Woran liegt seine kleine Schwächephase? «Die ersten Spiele absolvierte ich mit grossen Schmerzen», sagt er und spricht seine Entzündung im Zeh an. Danach zwickte es noch in den Adduktoren, Delgado musste zwei Spiele passen, gegen den FC Vaduz gab Trainer Urs Fischer dem 34-Jährigen eine zusätzliche Pause. Jetzt habe er keine Schmerzen mehr, fühle sich wieder gut. Ist es also vielleicht eher das Drumherum, das dem sensiblen Delgado die Leichtigkeit genommen hat? Der bevorstehende Führungswechsel, bei dem er seine engen Vertrauten Georg Heitz und Bernhard Heusler als Chefs verlieren wird? Denkbar. Denn nach Bekanntwerden des grossen Umbruchs zeigte Delgado sich geknickt. Im Gespräch mit der bz sagte er damals: «Ich bin sehr traurig, dass Berni und Gegge gehen. Langsam verlassen alle den Klub, die mich damals überzeugt und zurückgeholt haben. Sie lassen mich alleine.» Und ohne es auszusprechen liess er durchblicken, dass er, hätte er diese Umstände gekannt, wohl kaum verlängert hätte. Ist er im Kopf also momentan einfach nicht frei genug, um gross aufzutrumpfen? «Nein, ich denke, wir sind alle Profi genug um das in den Spielen zu vergessen.» Ausreden waren noch nie Delgados Ding. Zugegebenermassen sei es aber schwer, so der FCB-Captain, sich für jedes Spiel zu motivieren, als hätten sie nicht den grossen Vorsprung, den sie nun mal haben.

Mit Geduld und Training

Für einen kurzen Moment muss er sich darüber aber keine Gedanken machen. Die Liga ruht, es ist Nati-Pause. Elf Spieler der ersten Mannschaft haben sich zu ihren Landesauswahlen aufgemacht. Für die Zuhause-Gebliebenen um Delgado stehen eine kurze Woche und eine verlängertes, freies Wochenende an. Weiter geht es erst am 1. April in St. Gallen. Mit einem Delgado, der wieder wirkungsvoll zaubern mag? Zumindest weiss er, was er dafür braucht: «Spiele, Kontinuität, Rhythmus und Vertrauen. Ich mag Pausen nicht.» Wie wahr das ist, zeigt die Hinrunde, als er nur ein Spiel in der Super League verpasste und zur Höchstform auflief. «Jetzt brauche ich eben etwas Geduld.» Aber die Ausbeute werde wieder stimmen, sagt er, lächelnd, zufrieden, ruhig. Denn dass er weiss, wo das Tor steht, beweist er im Training immer wieder. Und wenn man sieht, wie sehr er sich über Trainingstore freut, jubelt, als hätte er eben die Meisterschaft entschieden, und auch dann, wenn es keine Kameras einfangen, das FCB-Wappen küsst, dann kann man sich nur darauf freuen, wenn es bei Delgado wieder läuft. Für ihn – und für die Magie auf dem Feld.