Sébastian Lavoyer

Sébastian Lavoyer

Pro: Jetzt erst recht! Der nächste Gigant ist fällig

Es sieht düster aus für den FC Basel, kein Zweifel. Nach fünf Spielen in der Gruppe A der Champions League steht der FCB mit bloss zwei Punkten am Tabellenende. Dabei hätte er die Qualifikation für die Europa League schon längst klarmachen können, ja müssen. Es kam anders: Ein 1:1 zu Hause gegen Ludogorets Rasgrad und ein 0:0 in Sofia – und schon steht der FCB aufgrund des Auswärtstores der Bulgaren mit dem Rücken zur Wand. Er muss punkten gegen Arsenal, mindestens aber einen Punkt mehr machen als Ludogorets zeitgleich in Paris.

Kommt hinzu, dass der FCB am Samstag erstmals diese Saison ein Meisterschaftsspiel verlor. 1:3 gegen YB in Unterzahl, ein herber Dämpfer. Derweil deklassierte Arsenal Stadtrivale West Ham United mit 5:1. Was soll da noch für den FC Basel sprechen, der im Hinspiel in London eine Lehrstunde erteilt bekam?

Einen ersten Ansatz lieferte ein geknickter Urs Fischer nach dem 1:3 gegen die Young Boys: «In die ersten fünf Champions-League-Partien gingen wir mit einem positiven Resultat. Vielleicht war diese Niederlage genau das Signal, das wir vor dem Spiel gegen Arsenal brauchten.» Die Niederlage als Weckruf, vielleicht auch bloss als Zeichen dafür, dass in den Köpfen der Spieler schon der Arsenal-Knaller herumgeisterte. Geht der FC Basel mit der Wut der ersten Meisterschaftsniederlage im Bauch und der Überzeugung, gegen Paris zweimal nahe an der Sensation gestanden zu sein, in die Partie, wird es auch für Arsenal schwierig.

Damit sind wir beim Gast aus London und Rückkehrer Granit Xhaka: Ruhe über die Festtage? Fehlanzeige! Die Engländer spielen durch. Während Basel noch kommenden Samstag gegen St. Gallen spielt, warten auf Arsenal noch Stoke City, Everton, Manchester City und West Brom vor dem Jahreswechsel.

Die Qualifikation für die Achtelfinals der Königsklasse ist bereits geschafft, Platz 1 nur noch zu erreichen, wenn Paris gegen Ludogorets patzt, die Vorzeichen stehen auf B-Elf. Oder wenigstens auf eine Mannschaft, die vielleicht nicht mit dem letzten Biss zu Werke geht. Derweil geht der FC Basel geladen und mit der Unterstützung eines ausverkauften Joggeli ins Spiel. Was also soll gegen den die Basler sprechen?

Markus Brütsch

   

Kontra: Arsenal mit breiter, der FC Basel mit schmaler Brust

Der FCB hat den dritten Platz in seiner Champions-League-Gruppe beim 1:1 im Heimspiel gegen Ludogorets Rasgrad vergeigt. Ihn heute Abend noch zu erobern, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Zwar werden die Bulgaren in Paris gegen den PSG verlieren, der FCB das nötige Unentschieden gegen Arsenal aber nicht schaffen. Die Engländer sind top in Form, haben in der Liga seit der Startniederlage gegen Liverpool nie mehr verloren und gegen die «Kleinen» wie Hull, Burnley und Sunderland bewiesen, dass sie ihre Aufgaben mit der nötigen Seriosität angehen. Trainer Arsène Wenger wird dafür sorgen, dass seine Stars dies auch heute tun.

Und selbst wenn der Franzose dem einen oder anderen seiner Stars eine Verschnaufpause gönnt, ist die Qualität der Gunners bei weitem noch hoch genug, um zu gewinnen. Welch grosse Differenz zwischen den beiden Mannschaften liegt, hat das Hinspiel gezeigt, als das Resultat von 0:2 aus Sicht des Schweizer Meisters noch das Beste war. Man sagt immer, englische Mannschaften würden dem FCB liegen. Das stimmt zwar, die Statistik beweist dies, doch Arsenal ist eben nicht eine typisch englische Mannschaft, sondern spielt unter Wenger einen Fussball, der viele lateinische und festlandeuropäische Elemente vereint.

Natürlich, der FCB spielt zu Hause, aber Arsenals grosses Plus in dieser Saison ist die enorme Auswärtsstärke. Lediglich im unbedeutenden Ligacup haben sie auswärts ein Spiel verloren. Und ganz wichtig: Während Arsenal aufgrund des Saisonverlaufs vor Selbstvertrauen strotzt, ist dieses beim FCB auch schon grösser gewesen. Die in Überzahl gegen YB verlorene Partie dürfte die Basler ins Grübeln gebracht haben, die erste Niederlage an der Gemütsverfassung nagen. Die psychische Verfassung ist im Fussball die halbe Miete, auch in dieser Beziehung hat Arsenal einen riesigen Vorteil.

Basel hat in der Meisterschaft viele Tore geschossen, in der Champions League aber nur zwei in vier Spielen. Wer soll dies gegen Arsenal ändern? Marc Janko ist ausser Form und ebenso nicht voller Selbstvertrauen wie Seydou Doumbia. Dieser dürfte seinen verunglückten Auftritt in London noch im Kopf haben. Matías Delgado trifft wie der Ivorer in der Super League nach Lust und Laune, die Champions League ist aber für den Argentinier inzwischen eine Nummer zu gross. Wie leider für den FCB 16/17 auch.