Auch das noch! Obwohl Marc Janko nach seiner gelbroten Karte als erster Basler zurück in die Kabine gekommen war, verliess er das Tourbillon als Letzter. Um präzis zu sein: zusammen mit Renato Steffen. Weil die beiden für die Dopingkontrolle ausgelost worden waren und sich das Wasserlassen hinzog, fuhr der Mannschaftsbus ohne die zwei Offensivspieler ab. Zu lange hätten die Teamkollegen noch warten müssen.

Jankos rote Karte.

Und so chauffierte schliesslich der Sicherheitsverantwortliche des FCB, Fadil Shatri, das «Siegtorduo» sicher zurück nach Basel. «Bus fährt ohne uns ab: Dopingkontrolle. Wenigstens drei Punkte eingefahren», meldete Janko via Twitter.

Im Auto hatte er dann genügend Zeit, sich bei Steffen für das Zuspiel zu bedanken, das ihm das 2:1 ermöglicht hatte. Und Steffen seinerseits konnte Janko von seinem Handspiel erzählen, das Schiedsrichter Nikolaj Hänni in der Nachspielzeit entgangen war und das der schon in der Garderobe weilende Janko vermutlich gar nicht gesehen hatte.

Ja, es war ein ereignisreicher Tag gewesen im Wallis. Der FCB hatte gegen einen aufgeputschten und von 12 000 Walliser Zuschauern unterstützen FC Sion dagegengehalten und mit dem 2:1-Sieg zum achten Mal in Folge ein Ligaspiel im einst so gefürchteten Hexenkessel Tourbillon gewonnen.

Zwar ist den heutigen Schiedsrichtern zu attestieren, in Sion nicht mehr wie in früheren Jahren aus Angst vor den heissblütigen Fans die heimische Mannschaft zu bevorteilen, doch selbstverständlich bedeutet dies noch lange nicht, die Unparteiischen hätten am Sonntag Jankos Offsideposition vor dem 2:1 wie auch Steffens späteres Handspiel nicht sehen können.

Jankos Tor aus einer Offside-Situation.

Keine einfachen Zeiten

Während diese Fauxpas Janko egal sein durften, galt dies nicht für Hännis Entscheid, den Stürmer nach 85 Minuten vom Platz zu stellen. Wegen Reklamierens bereits verwarnt, war Janko mit gestrecktem Bein in einen Zweikampf mit Reto Ziegler gestiegen. Allerdings war dieser auf die genau gleiche Art ins Duell gegangen, sodass Hänni auch Ziegler hätte gelb zeigen müssen. Oder besser keinem von beiden.

So aber ist Janko nun am Samstag gegen die Young Boys auf jeden Fall wieder einmal zum Zuschauen verdammt und kann sich für das dicke Loblied, das Urs Fischer auf ihn gesungen hatte, nichts kaufen. Dem Basler Trainer hatte vor allem imponiert, mit welcher Leidenschaft sich sein Stürmer in die Luftduelle mit den Sittenern begeben hatte.

Für Janko sind die Zeiten seit der Ankunft Seydou Doumbias und der Genesung von Andraz Sporar härter geworden. Gewiss, der EM-Teilnehmer hat mittlerweile 33 Jahre auf dem Buckel und kann nicht mehr wie einst im Mai forciert werden, doch mehr Spielzeit würde er sich fraglos wünschen.

Seit Seydou Doumbia bei Basel spielt, ist Janko nicht mehr gesetzt.

Seit Seydou Doumbia bei Basel spielt, ist Janko nicht mehr gesetzt.

Vor einem Jahr war er noch der unbestrittene Platzhirsch im Basler Angriff gewesen, der den zweifachen Torschützenkönig Shkelzen Gashi oft auf die Bank verdrängt hatte. Nach 16 Partien hatte er 916 Spielminuten und 11 Tore auf dem Konto gehabt und war er sieben Mal über 90 Minuten eingesetzt worden. In dieser Saison ist die Bilanz zum selben Zeitpunkt mit 600 Minuten, sechs Toren und nur einem Einsatz über die volle Distanz bescheidener.

Nach der verletzungsbedingt verkorksten EM mit Österreichs Nationalteam ist Janko noch nicht wieder richtig auf Touren gekommen. Die Frage ist, ob ihm dies überhaupt noch einmal gelingt und er die Chance dazu bekommt.