Es ist kurz vor Mittag, als das erste Training im neuen Jahr ein Ende hat. Es hat ungewöhnlich lange gedauert für ein erstes Training, die FCB-Profis trotten erschöpft vom Platz. Endlich unter die warme Dusche, denken sie. Bis auf einen. Matias Delgado. Er muss nochmals in die Vollen. Vor den Journalisten. Frage an den Captain des FC Basel: «Wenn Sie jetzt einen Vertrag für die nächste Saison vorgelegt bekämen, würden Sie ihn unterschreiben?» Antwort Delgado: «Nein!»

Ob dieses «Nein!» nur auf der klirrenden Kälte basiert, in die Delgado nach drei Wochen Weihnachtsurlaub bei 30 Grad in der argentinischen Sonne zurückgekehrt ist? Mag sein, dass das garstige Wetter für den Latino ein Ablöscher ist. Das «Nein!» dürfte jedoch auch damit zu tun haben, dass Delgado schlichtweg noch nicht weiss, wie es weitergeht im Sommer. Und solange er sich seiner Sache nicht hundertprozentig sicher ist, nicht fühlt, dass eine Vertragsverlängerung das Richtige ist, schliesst Delgado eine solche aus.

Dabei hängt es nur noch von Delgado selber ab, ob er bleibt. Für alle anderen in diese Entscheidung involvierten Parteien ist spätestens nach Delgados starker Vorrunde klar: Der Captain soll bleiben! Als Spielmacher, als Führungsspieler, als Aushängeschild. Stellvertretend für Fans, Mitspieler und Verein stellt FCB-Präsident Bernhard Heusler dem 34-Jährigen einen Freipass aus, sagt, wenn Delgado wolle, werde der Vertrag auch verlängert.

«Das ist clever vom Präsidenten, nicht?», sagt Delgado und grinst, «der Druck liegt jetzt allein bei mir.» Wann er sich entscheide? Vielleicht in diesem Monat, vielleicht erst im Februar, er wisse es nicht. Mit der Familie habe er gesprochen, nun müsse er für sich nachdenken. «Es geht nicht darum, ob ich beim FC Basel verlängere oder woanders hingehe. Ein Abenteuer in China? Sicher nicht. Ich bin raus aus dem Transfermarkt. Es geht nur um die Frage, ob ich weiter Fussball spielen möchte.»

Und dabei geht es für Delgado auch um den Spass an seinem Beruf. Im Herbst sagte er Bemerkenswertes. Dass ihm der Spass öfters fehle und dass er froh sei, am Ende der Karriere zu stehen. Dass es im Fussball hauptsächlich darum gehe, nicht zu verlieren – und nicht darum, zu gewinnen.

Genau dieses defensive Denken wurde im Herbst FCB-Coach Urs Fischer von den Medien und Grossteilen des Umfelds vorgeworfen. Delgado sagt zu allfälligen Zukunftsgesprächen mit Fischer: «Noch haben wir keine Zeit gehabt, zu sprechen. Aber natürlich ist es wichtig, was er macht, und sagt. Er ist schliesslich der Boss.»

Eines haben Delgado und Fischer gemeinsam: Bei beiden ist unklar, wie es im Sommer weitergeht. Bleiben beide? Nur einer? Gehen beide?

Bald, am 11. Januar, fliegt der FCB ins Trainingslager nach Marbella. Unter der Sonne Südspaniens wird in den Hinterzimmern des Hotels traditionell immer auch am Kader der nächsten Saison gefeilt. Delgado: «Fragen Sie mich in Spanien nochmals, wo wir hoffentlich besseres Wetter haben.»