Eigentlich scheint alles in bester Ordnung beim FC Basel. Souverän führt der Serienmeister die Super League an. Zwölf Punkte beträgt der Vorsprung auf Verfolger YB. Der achte Meistertitel in Folge scheint reine Formsache. Trotzdem kommt der FCB nicht zur Ruhe.

Zu wenig könne man sich mit dem FCB identifizieren, beklagen die Fans. Es fehle an Figuren aus Basel, an Identifikation. Die Emotionen seien weg, Langeweile macht sich breit. Immer weniger Leute erschienen zuletzt zu den Spielen. Präsident Bernhard Heusler spricht von 6000 bis 8000 Saisonabonnenten, die bei Partien wie jenen gegen Vaduz, Lausanne oder St. Gallen nicht ins Stadion kämen. Hauptverantwortlich dafür, so die Sicht vieler Fans: Trainer Urs Fischer.

Immer weniger FCB-Fans erschienen zuletzt zu den Spielen. Hauptverantwortlich dafür soll Trainer Urs Fischer sein.

Immer weniger FCB-Fans erschienen zuletzt zu den Spielen. Hauptverantwortlich dafür soll Trainer Urs Fischer sein.

Bekannt ist, dass der Vertrag von Fischer eine Klausel beinhaltet, die zur automatischen Vertragsverlängerung führt, sobald sie erfüllt ist. Ob sich der Vertrag schon verlängert hat oder nicht, darüber will Heusler keine Auskunft geben. Er betont aber, dass es Fischer bestens verstehe, den Spielern ihre Rollen zu vermitteln, jenen, die nicht spielen, zu erklären, warum dem so ist.

Er habe nicht wöchentlich einen unzufriedenen Spieler auf der Matte, der sich über den Trainer auslässt. Auch mit den hohen Erwartungen von Fans und Medien gehe Fischer vorbildlich um. «Urs Fischer macht den Job hervorragend», so Heusler. Konkreter wird Fischer selbst: «Die Option ist noch nicht in Kraft getreten, der Vertrag hat sich also noch nicht automatisch verlängert.»

Shaqiri und Sommer als Paradebeispiele

Bis Sommer aber ist Fischer – laut Vertrag – noch Trainer. Wie es danach weitergeht, wissen die Fussball-Götter. Heusler will sich nicht in die Karten schauen lassen. Ein bisschen konkreter wird er, als er danach gefragt wird, ob die Durchlässigkeit vom Nachwuchs in die erste Mannschaft zu gering sei.

Man habe, in den Jahren, als die Champions-League-Qualifikation schon im Frühling feststand, den einen oder anderen Transfer mehr getätigt, als man es sonst gemacht hätte. Das hat die Durchlässigkeit ganz sicher reduziert.

Trotzdem ist Heusler nach wie vor vom Basler Modell überzeugt. Die Erfolge der letzten Jahre geben ihm recht. Sie sind auch der Grund, dass er am Montag nach Polen reiste, um dort zu zeigen, wie es der FCB Jahr für Jahr schafft, den Abgang grosser Spieler aufzufangen – mit Neuverpflichtungen und eigenen Nachwuchsleuten.

Der FCB hat es nämlich immer wieder geschafft, eigene Leute in die erste Mannschaft zu integrieren. Heusler erinnert an Xherdan Shaqiri. Damals hätten alle nach einem neuen Flügel geschrien, die FCB-Führung aber verzichtete, hielt den Weg für das Top-Talent frei.

Xherdan Shaqiri schaffte es, sich in Basel durchzusetzen.

Xherdan Shaqiri schaffte es, sich in Basel durchzusetzen.

Ähnlich bei Yann Sommer: Man verlängerte den Vertrag von Publikumsliebling Franco Costanzo nicht, um den heutigen Nationalmannschaftsgoalie zu forcieren. Was Heusler damit durchblicken lässt: Solche Ausnahmetalente finden sich derzeit nicht im Nachwuchs.

Vielleicht hätte Urs Fischer den einen oder anderen Jungen mehr einsetzen können. Der Vorsprung ist so gross, dass ein bisschen mehr Risiko durchaus dringelegen wäre.

Yann Sommer noch im FCB-Trikot.

Yann Sommer noch im FCB-Trikot.

Insbesondere vor dem Hintergrund, dass Heusler die emotionale Entbindung auch darauf zurückführt, dass der FCB unter Fischer jeweils schon früh der Konkurrenz enteilte. «Emotionen aber entstehen bei Kopf-an-Kopf-Rennen, bei umkämpften Spielen», gibt Heusler zu bedenken.

Was geschieht mit Delgado?

Den Erfolg kann man Fischer kaum zum Vorwurf machen. Wie aber kann man die emotionale Bindung, die Identifikation mit dem Klub wiederherstellen? Mit entsprechenden Figuren im Team. Und die gibt es durchaus.

Captain Matías Delgado wird von vielen Fans vergöttert. Die Führung um Heusler vertraut ihm, die Wertschätzung ist immens. Heusler sagt: «Er gibt den Takt bei den Vertragsverhandlungen vor, um nicht zu sagen, er gibt vor, wie es weitergeht.» Auch Delgados Zukunft ist noch ungewiss.

Matías Delgado - Captain, Vorbild und Strippenzieher zugleich.

Matías Delgado - Captain, Vorbild und Strippenzieher zugleich.

Sollte er gehen, stellt sich die Frage der Identifikationsfiguren noch dringlicher. Sicher ist, dass Sportchef Georg Heitz und Bernhard Heusler die Kontakte zu ehemaligen FCB-Spielern, wie beispielsweise Timm Klose oder Eren Derdiyok, stets zu pflegen wussten. Zudem sind über ein Dutzend FCB-Spieler leihweise (bspw. Cedric Itten) oder unbefristet – aber mit FCB-Option – bei anderen Super-League-Klubs (bspw. Samuele Campo bei Lausanne) engagiert.

Es gibt also Möglichkeiten. Zudem besteht nach wie vor die Möglichkeit, dass sich in der Rückrunde der eine oder andere aufdrängt. Man denkt da zum Beispiel an einen Manuel Akanji, der eben von einer Verletzung genesen und auf dem Weg zurück ist. Welche Rolle Urs Fischer künftig aber spielen wird, bleibt offen.