Irgendwann reicht es! So oder ähnlich muss Vladimir Petkovic nach 55 Minuten denken. Soeben hat seine Schweiz in der Slowakei das 0:3 kassiert. Es ist ein besorgniserregender Auftritt eines Teams, das eben genau das nie auch nur im Ansatz ist: ein Team.

Petkovic reagiert. Gleich vier neue Spieler bringt er. Behrami, Drmic, Mehmedi und Lang. Und tatsächlich. Für zehn Minuten macht es den Anschein, als hätte die Schweiz doch noch etwas Lust, Fussball zu spielen. Derdiyok, bisher so unsichtbar wie viele, verkürzt per Kopf zum 1:3. Und nach einem Eckball kurz darauf trifft Drmic aus kurzer Distanz zum 2:3.

Nicht wirklich freundschaftlich

67 Minuten sind da gespielt. Eigentlich genügend Zeit, um noch weitere Tore zu erzielen. Um die Slowaken dafür zu bestrafen, dass nun plötzlich sie den Betrieb komplett einstellen. Und damit ihr euphorisches Publikum verärgern. Das Stadion in Trnava ist mit 17'582 Zuschauern fast ausverkauft. Bemerkenswert.

Doch zu einer wirklichen Chance kommt es nicht mehr. In den letzten Minuten rennen die Schweizer noch einmal an. Aber wirklich gefährlich? Nein, dafür strengt sich die Slowakei wieder zu sehr an. Am Ende kommt es noch zu einigen ziemlich wilden Szenen. Es sieht in diesen Momenten nicht mehr nach einem Freundschaftsspiel aus. Doch es bleibt bei der 2:3-Niederlage.

Die Vorfreude ist noch begrenzt

Es ist ein rätselhafter Abend, der zu Ende geht. Einer mit – positiv ausgedrückt – gemischten Gefühlen. Weil wir hoffen dürfen, dass die Schweiz, wenn sie denn wirklich will, ganz passabel Fussball spielen kann. Aber reichen zehn gute Minuten pro Spiel an einer EM? Natürlich nicht. Unweigerlich kommen auch wieder Erinnerungen hoch an das Qualifikationsspiel gegen Slowenien. Auch dort zogen die Schweizer nur wegen zehn ausserordentlichen Minuten den Kopf aus der Schlinge, gewannen nach 0:2-Rückstand noch 3:2.

Eigentlich würden wir uns gerne auf die EM freuen. Auf ein Fussballfest mit einer Schweizer Mannschaft, die in Europa für Aufsehen sorgt. Die erstmals die Vorrunde übersteht. Und die vielleicht sogar in neue Sphären vorrückt, dann nämlich, wenn sie den Viertelfinal erreicht.

Aber wie nur sollen die Fans an einen wunderbaren Sommer glauben nach einem Spiel wie diesem? Wie die Schweiz in den ersten 55 Minuten auseinanderfiel, war besorgniserregend. Es fehlte an der Einstellung, an der spielerischen Klasse, an so ziemlich allem.

Das schwache Mittelfeld gegen schnörkellose Slowaken

Der Trainer bewies auch nicht gerade ein glückliches Händchen. Natürlich, es fehlten mit Xhaka, Rodriguez und auch mit Embolo einige Titulare. Doch die Kombination im Mittelfeld mit Inler, Fernandes und Kasami war ein fataler Fehlgriff. Es fehlte die ordnende Hand. Es gab zu viele Fehlzuspiele. Kurz: Es war eine Schweiz ohne Balance und Abstimmung am Werk.

Dazu kam mit der Slowakei ein Gegner, der zwischen September 2014 und Juni 2015 neun Siege aneinander reihte, darunter ein beeindruckender 2:1-Erfolg gegen Spanien. Ein Gegner, der ziemlich schnörkellos spielte. Und die sich bietenden Chancen konsequent ausnutzte.

Häufig heisst es, dass der letzte Eindruck haften bleibt. Vielleicht stimmt das ja tatsächlich. Und vielleicht beweist die Schweiz schon am kommenden Dienstag gegen Österreich, dass sie auch einmal 90 Minuten am Stück überzeugend spielen kann.

Lesen Sie hier die Partie in unserem Liveticker nach:

Matchtracker Slowakei - Schweiz, 13.11.2014

Liveticker Slowakei - Schweiz, 13.11.2015