In knapp einem Monat eröffnen die 30 NHL-Teams ihre Saison mit den Trainingscamps, in welchen in der Regel die letzten offenen Kaderpositionen vergeben werden. Der derzeit wohl beste Schweizer Eishockeyspieler, Damien Brunner, steht allerdings immer noch ohne neuen Arbeitgeber da.

 

Brunner, der seit dem 5. Juli und damit dem offiziellen Auslaufen seines Arbeitsverhältnisses mit den Detroit Red Wings als «Unrestricted Free-Agent» (Spieler, der seinen neuen Arbeitgeber ohne Restriktionen auswählen darf) auf dem Markt ist, schweigt seit geraumer Zeit beharrlich betreffend seiner Zukunftsplanung. Kein Wunder, brodelt im Internet die Gerüchteküche und schiessen immer mehr Spekulationen ins Kraut. Die Grenze zwischen Dichtung und Wahrheit verschmolz zuletzt vollends. Derart, dass der Ruf des 27-Jährigen in Nordamerika Schaden zu nehmen drohte.

 

Damien Brunner, der Anfang Juli einen mit insgesamt 5 Millionen US-Dollar dotierten 2-Jahres-Vertrag der Red Wings abgelehnt hat, wurde, nachdem sich für ihn ein potenzielles NHL-Türchen nach dem anderen schloss, zuletzt in den Online-Diskussionen in Nordamerika auch gerne als geldgierig betitelt. 3,5 Millionen jährlich wolle er mindestens, wurde spekuliert. Für einen Spieler, der gerade mal eine halbe NHL-Saison absolviert hat und davon etwa die Hälfte der Spiele wirklich überzeugt hat, natürlich eine geradezu wahnwitzige Forderung – die aber jeglicher Grundlage entbehrt. Das zumindest, behauptet Brunners Agent, Neil Sheehy, den «Die Nordwestschweiz» per Mail erreichte. «Es wird viel spekuliert im Zusammenhang mit Damien, weil er noch keinen neuen Arbeitgeber gefunden hat. Leute, die glauben, er habe keine Angebote erhalten, weil er zu viel Geld verlangt, haben keine Ahnung. Das Geld hatte und hat für ihn keine Priorität. Er will dort spielen, wo er die besten Chancen sieht. In dieser Beziehung hat er sich nicht verändert», macht der Kanadier deutlich.

 

Sheehy wäre ein schlechter Agent, wenn er nicht davon überzeugt wäre, seinen Klienten doch noch in der besten Liga der Welt unterbringen zu können. Er schreibt: «Ja, es sind NHL-Teams an einer Verpflichtung Brunners interessiert. Und ja, ich bin mir sicher, wenn ich sage, dass Damien in der kommenden Saison in der NHL spielen wird.» Neil Sheehy lässt auch keine Zweifel aufkommen, dass man bereit ist, notfalls lange zu warten, bis das richtige Türchen aufgeht: «Wir müssen geduldig bleiben.» Man müsse laufend Entscheidungen treffen. Darunter auch solche, die auf den ersten Blick schwer nachvollziehbar sind. Wie das abgelehnte Angebot der Red Wings, die ihm zum Schritt in die NHL verholfen hatten. Sheehy dazu: «Damien hat seine Zeit in Detroit auf jeden Fall geliebt, freut sich nun aber auf neue Möglichkeiten.»

Hinweise, wo der Schweizer Nationalspieler landen könnte, will Sheehy indes keine geben. So bleibt, wie so oft in dieser unendlichen Sommer-Soap, wieder nur der Weg der Spekulation übrig. Folgende fünf Teams hätten sowohl die nötige Rolle (Stürmer mit sehr offensiver Ausrichtung) als auch die nötige Luft auf der Gehaltliste, um Damien Brunner verpflichten zu können:

 

Anaheim Ducks: Die «Enten» aus Kalifornien wären die logischste Destination für Brunner, und zwar aus mehreren Gründen: 1. Droht der Rücktritt oder der Abgang des legendären Finnen Teemu Selänne. Der 43-Jährige hat sich immer noch nicht entschieden, ob und wo seine Karriere weitergehen wird. Das würde auch die Verzögerung bei den Verhandlungen mit Brunner erklären. 2. Mit Jonas Hiller und Luca Sbisa spielen bereits zwei Schweizer in Anaheim, welche GM Bob Murray und Trainer Bruce Boudreau ihren Landsmann sicher wärmstens empfohlen haben. 3. Mit Bobby Ryan haben die Ducks einen ihrer besten Flügelstürmer im Juli nach Ottawa transferiert. Brunner wäre von seiner Spielanlage her ein passender Ersatz für Ryan, auch wenn die «Enten» einige vielversprechende Talente in der Pipeline haben, die sich eine Chance verdient hätten.

 

Phoenix Coyotes: Nachdem das Sorgenkind der Liga endlich einen neuen Besitzer erhalten hat und sicher für weitere fünf Jahre im US-Bundesstaat Arizona beheimatet bleibt, will man in Phoenix nun auch sportlich wieder für Schlagzeilen sorgen. Dazu muss ins Team investiert werden, und daher wäre Damien Brunner der richtige Mann, um eine höchst durchschnittlich besetzte Offensiv-Abteilung etwas aufzupeppen.

 

Dallas Stars: Bei den Texanern blieb im Sommer kein Stein auf dem anderen. Der Ex-Bieler Tyler Seguin wurde im spektakulärsten NHL-Trade seit Jahren von den Boston Bruins losgeeist. Nun brauchen die Stars für ihre rundum erneuerte Mittelachse noch einen torgefährlichen Flügelstürmer – unter anderem als Ersatz für den im Seguin-Trade nach Boston transferierten Schweden Loui Eriksson.

 

Colorado Avalanche: In Denver ist die Aufbruchstimmung nach der Verpflichtung des legendären Goalies Patrick Roy als Headcoach und dem Nummer-1-Draftpick Nate MacKinnon an allen Ecken und Enden spürbar. Nun könnte die «Lawine» noch einen abschlussstarken Flügelstürmer vom Schlage Brunners brauchen.

 

Buffalo Sabres: Die Sabres haben sich mit ihrer desolaten Personalpolitik in den letzten Jahren ins Offside geschäftet. Der Sturm ist bis auf Ausnahmekönner Thomas Vanek derart schwach besetzt, dass ein Mann vom Kaliber Brunners mit Sicherheit eine prominente Rolle spielen könnte.

 

Neben den genannten fünf Destinationen kommen mit den New York Islanders, den New Jersey Devils (bei denen Brunner vor der Verpflichtung von Jaromir Jagr schon ein heisser Kandidat war), den Florida Panthers oder den Calgary Flames (mit den Schweizern Bärtschi und Berra sowie Trainer Bob Hartley mit Schweizer Vergangenheit) weitere Organisationen infrage. Aber eben: bis Klarheit herrscht, dürfte sich diese Sommer-Soap noch bis in den Herbst hinein ziehen.