Weihnachten steht vor der Tür und auch beim FC Basel wird während der Festtage ein bisschen Ruhe einkehren. Auch dank diesem 1:0 über St. Gallen, ein Gegner, der zuletzt während fünf Spielen unbesiegt war, mit viel Selbstvertrauen nach Basel kam. Doch Basel meistert diese letzte Aufgabe vor den verdienten Winterferien. Kaltschnäuzig und effizient, wie er sich in der Meisterschaft oft präsentiert hat. Die Partie ist über weite Strecken ausgeglichen, doch mit einem genialen Spielzug direkt nach dem Pausentee macht der FCB den Unterschied: Janko gewinnt das Kopfballduell, Delgado nimmt den Ball gekonnt mit, sprintet Richtung Strafraum der Ostschweizer. Pass in die Schnittstelle. Steffen in den Rücken der Abwehr und Janko im Fallen ins Tor – 1:0. Viel gradliniger geht Fussball nicht.

Obschon er die Meisterschaft souverän anführt, war der FCB zuletzt ein viel diskutiertes Thema. Von mangelnder Identität war die Rede, fehlender Leidenschaft. Der Trainer, Urs Fischer, wurde infrage gestellt. Eine dritte Niederlage in Folge hätte diese Diskussionen verstärkt. Es wären unruhige Festtage geworden für den Serienmeister. Jetzt geht die Fischer-Truppe mit einem Sieg in die Ferien, die einige Spieler dringend nötig haben. «Wir haben etliche Nationalspieler, und die haben mit EM und anderen Länderspielen ein strenges Jahr hinter sich. Das hat unglaublich viel Energie gekostet», sagte Fischer schon vor der Partie.

Wie weiter mit Fischer?

Jetzt also reisen Captain Matias Delgado & Co. in den wohlverdienten Urlaub. Derweil wird in der Klubzentrale auch in der heiligen Zeit einiges an Arbeit anstehen: Mit 27 Mann ist das Kader überbesetzt. Sportdirektor Georg Heitz sagt im Klub-TV: «Es gibt sicher Spieler, die nicht so zufrieden sind mit ihrem Status. Da müssen wir schauen, ob es Angebote gibt, die für Verein und Spieler interessant sind.»

Allzu radikal wird die Kaderanpassung im Winter kaum ausfallen. Möglich, dass man einen Stürmer ziehen lässt. Vermutlich wäre es am ehesten Marc Janko, dessen Vertrag ausläuft auf Ende Saison. Auch auf den Flügeln ist der FCB tendenziell überbesetzt. Da gilt es zum einen abzuwarten, wie schlimm Renato Steffen sich gestern verletzt hat. Ein Abgang von Jean-Paul Boëtius würde indes kaum erstaunen. Der Holländer kam auch in dieser ersten Saisonhälfte kaum in der Meisterschaft zum Einsatz.

Mit Blick über die aktuelle Saison hinaus stehen grundsätzlichere Fragen zur Diskussion. «Vielleicht verstopfen wir die Pipeline zu sehr, wenn wir zu viele Spieler von aussen holen», sagte Sportdirektor Heitz unlängst zur NZZ. Diesen Eindruck bestätigen Spieler, die den FC Basel in den letzten Monaten und Jahren verlassen haben. Wie beispielsweise der talentierte Albian Ajeti, der gestern bei seiner ersten Rückkehr nach Basel in der 31. Minute zur gefährlichsten Aktion für die Gäste kam. Einen hohen Ball nimmt er gekonnt mit dem linken Fuss an, um sogleich mit rechts abzuschliessen. Tomas Vaclik, Marek Suchy und Eder Balanta klären gemeinsam.

Ebenfalls in diesen Themenkomplex gehören zwei weitere Fragen: Verlängert man mit Delgado? Und ist Urs Fischer der richtige Mann, um über die Saison hinaus erfolgreich zu arbeiten? Delgado bestritt gestern sein 250. Spiel für den FCB und scheint stark wie nie. Die Fans lieben ihn, das Team schätzt ihn, der Trainer baut auf ihn. Vieles deutet darauf hin, dass er weitermacht. Ausser Delgado selbst mag nicht mehr.

Fischer wird vorgeworfen, dass er vor allem international den Unterschied nicht machen könne. Doch er lernt dazu und kann mit jungen Spielern arbeiten. Kommt man trotzdem zum Schluss, dass es einen Wechsel braucht, dann wäre es sinnvoll, den Schnitt jetzt zu machen, dem neuen Mann ein halbes Jahr Zeit zu geben, um die Weichen neu zu stellen. Die Meisterschaft dürfte dem FCB kaum zu nehmen sein. Seit gestern ist auch klar, dass Hauptsponsor Novartis dem FCB bis 2021 treu bleibt. Die Planungssicherheit hat man auf jeden Fall.