Eine Woche, nachdem der FC Sion in Bern gegen die Young Boys vom Schiedsrichter krass benachteiligt worden war, doppelte das Gespann um Nikolaj Hänni nach. Weil eine knappe Offsidestellung von Basels Siegtorschütze Marc Janko (77.) ebenso ungeahndet geblieben war wie in den Schlussminuten Renato Steffens Handspiel im Strafraum, zogen die Walliser vor 13 200 Zuschauern auch gegen Leader Basel mit 1:2 den Kürzeren. Da die beiden Fehlentscheide indes für die Zuschauer wie für die Protagonisten weit weniger deutlich − wohl erst nach Konsultation der Fernsehbilder − zu erkennen waren, als Steve von Bergens krasses Foulspiel vor Wochenfrist, hielt sich der Zorn im Tourbillon in Grenzen, war das Hauptthema zunächst ein anderes.

Denn das Spiel hatte wieder einmal gezeigt: Der Fussball ist einfach nicht zu fassen. Nicht zu erklären, weder durch Erfahrung, vermeintliches Fachwissen noch Statistiken. Das beste Beispiel dafür lieferte in den letzten Tagen der FC Basel. War am vergangenen Mittwoch nach dem 0:0 in der Champions League gegen Rasgrad noch die «mangelnde Effizienz» des Schweizer Meisters das beherrschende Thema gewesen, so sprachen nur vier Tage später im Tourbillon nach dem ausserordentlich schmeichelhaften Sieg der Basler alle nur von der «gnadenlosen Effizienz» der Rotblauen. «Dafür ist der FCB ja bekannt», sagte Basels Einwechselspieler Davide Callà; Sofia und Mohamed Elyounoussis Topchance waren da schon wieder ganz weit weg.

Aufsässige Walliser

Es war tatsächliches ein kleines Kunststück, wie der FCB aus ganz wenig ganz viel gemacht hatte. Eigentlich besass er in den 94 Spielminuten nur zwei Torchancen, aber diese nützte er eiskalt aus. Nach 34 Minuten durch Captain Matias Delgados zu dessen achtem Meisterschaftstor; wunderbar herausgespielt durch Janko, den anschliessenden Torschützen sowie Mohamed Elyounoussi. Dies war es dann aber auch schon, was der FCB an spielerischem Gehalt auf dem holprigen Terrain zu bieten hatte.

Er sah sich zumeist vom beherzt nach vorne spielenden FC Sion in die Defensive gedrängt und hatte mit der Aufsässigkeit der Walliser seine Probleme. «Solche Spiele gibt es», sagte Urs Fischer, der Birkir Bjarnason eine schöpferische Pause gegönnt hatte, «aber meine Mannschaft hat von der ersten bis zur letzten Sekunde grossartig gekämpft.» Damit hatte der Basler Trainer zweifellos recht, doch es war schon erstaunlich, wie wenig es sein Team verstanden hatte, den Ball auch nur für ein paar Sekunden in den eigenen Reihen zu halten.

Der FCB hatte vor seinem 1:0 grosses Glück gehabt, dass die Sittener im Anschluss an einen Fehlpass Delgados nicht durch Grégory Karlen in Führung gegangen waren. Sie waren später mit Fortuna im Bund, als Goalie Tomas Vaclik einen Ball gegen die Latte lenkte und Michael Lang den Schuss von Carlitos vor der Linie wegspedierte. Doch nachdem Geoffroy Serey Die mit einem wüsten Foul einen Freistoss verursacht und Reto Ziegler aus seitlicher Position eine «Schussflanke» gestattet hatte, wurde das 1:1 doch perfekt, als Karlen (71.) den Ball über die Linie drückte. «Danach wollten wir den Sieg und dem zahlreich aufmarschierten Publikum zeigen, was wir draufhaben», sagte der Sittener Trainer Peter Zeidler.

Doch es war anders gekommen, am Ende stand nach dem 3:4 in Bern die zweite Niederlage in Folge, nachdem Sion zuvor unter dem Deutschen ungeschlagen geblieben war. Damit warten die Walliser in der Super League seit dem 1. Mai 2011 weiterhin auf einen Sieg über den FCB. Wie begeistert ihr Anhang aber hinterher die gezeigte Leistung beklatschte, bewies, dass das Publikum erkannt hatte, welch grossen Kampf in einem hoch intensiven Spiel das Team geliefert hatte. Die Basler Spieler jedenfalls können die beiden freien Tage gewiss gut gebrauchen, um sich von den Strapazen zu erholen.