Ein reformierter Pfarrer aus einer Nachbargemeinde von Aarau regt sich in einem breit gestreuten Mail auf, das er auch der az zukommen liess: «Wenn eine Tierkommunikatorin mit Saatkrähen spricht und erfährt, dass die Tiere hier seien, um im Spital negative Gedanken und Gefühle auszulösen, dann ist das Scharlatanerie in Reinkultur.» Und: «Dass Steuergelder und Krankenkassenprämien mit solchem Esoterik-Humbug vergeudet werden, ist ein Skandal.» Eine Klinik, die solches tue, habe jede Glaubwürdigkeit und Bedeutung verloren.

Was ist passiert? Die Krähen auf dem Areal des Kantonsspitals Aarau (KSA) sind ein Riesenthema. Seit 50 Jahren übernachtet in den alten, grossen Bäumen in den Monaten Oktober bis März ein Schwarm Rabenkrähen. Und seit zehn Jahren brüten im Frühling jeweils die Saatkrähen. Anfänglich waren es 21 Nester, jetzt sind es 40 (also 80 Saatkrähen).

Die «Schweiz am Wochenende» berichtete am 1. April über die Krähen in Aarau. Am letzten Freitag hat sich auch die Sendung «Schweiz aktuell» des Themas angenommen. Dabei kam aus, dass das Spital zu unkonventionellen Mitteln gegriffen hat.

Die Vögel nicht einfach abschiessen

«Wir wollten in unserem schönen Spitalpark nicht einfach Vögel abschiessen oder Bäume fällen», erklärt KSA-Sprecherin Andrea Rüegg. «Das Spital ist ein Ort, an dem Leben erhalten werden soll. Deshalb haben wir nach einer alternativen Lösung gesucht. Nachdem wir alle Experten kontaktiert und keine Patentlösung gefunden hatten, kamen wir auf die Idee, diejenigen zu fragen, die Teil des Problems sind: die Vögel.»

Mit Vögeln reden? Rüegg: «Wir haben deshalb nach einer geeigneten Methode gesucht und eine Tierkommunikatorin beigezogen. Eine bewährte Kraft mit Erfolgsausweis.»

Was die Tierkommunikatorin herausgefunden hat

Es scheint der Expertin gelungen zu sein, von den Saatkrähen etwas zu erfahren. «Aus dem Kontakt ergab sich, dass die Tiere sich nicht einfach aus ‹Plausch› auf dem Spitalareal aufhalten», berichtet KSA-Sprecherin Andrea Rüegg. «Sie haben eine Funktion. Die Vögel sind auf dem Spitalareal, weil hier sehr viele Emotionen und belastende Gedanken anfallen. Diese würden sie, so die Tierkommunikatorin, auflösen.»

Was für Konsequenzen zog das Kantonsspital aus dieser Erkenntnis? Es wurde eine weitere Massnahme ergriffen. «Wir haben Klangelemente aufgehängt. Damit versuchen wir den Krähen zu signalisieren: Wir haben euch verstanden. Jetzt müsst ihr nicht mehr so viel ‹arbeiten›, also krähen, und könnt weiterziehen.»

«Wir versuchen, ein sinnvolles Miteinander zu finden»: KSA-Sprecherin Andrea Rüegg über Vogelkot, Klangelemente und die interne Beschwerdestelle.

«Wir versuchen, ein sinnvolles Miteinander zu finden»: KSA-Sprecherin Andrea Rüegg über Vogelkot, Klangelemente und die interne Beschwerdestelle.

Das ganze Krähenthema hat am Kantonsspital eine grosse Dynamik ausgelöst. So wurde für die Mitarbeiter eine «Flügel-Lounge» eingerichtet. Aus dem Pausenraum im zweiten Stock können sie die imposanten Vögel mittels bereitliegenden Feldstechern beobachten. Und gestern Nachmittag referierte dort ein interner Krähen-Experte.